Das Pferd muss die Lösung selbst finden.

Michaela Lieblein mit Sirius, ihrem 18 Jahre alten Hannoveraner. Seit über zwei Jahren sehe ich nun dieses Paar, welches Schüler bei Sabine Oettel sind. Welch eine unglaubliche Wandlung in dieser Zeit - und Wolfgang Krischke brachte sie zum Strahlen.

Michaela Lieblein mit Sirius, ihrem 18 Jahre alten Hannoveraner.
Seit über zwei Jahren sehe ich nun dieses Paar, welches Schüler bei Sabine Oettel ist. Welch eine unglaubliche Wandlung in dieser Zeit von beiden – und Wolfgang Krischke brachte sie zum Strahlen.

Dies war für uns das Motto des Kurses vom 2. und 3. August 2014 mit Wolfgang Krischke von der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburg zu dem Sabine Oettel, Meisterin der akademischen Reitkunst, einlud. Wieder versammelten sich die Lernenden mit und ohne Pferd in Wendlmuth, besser: im Waffengarten von Wendlmuth. Aber dazu mehr später.

Mit unnachahmlicher Geduld ging Wolfgang Krischke auf die Wünsche der Teilnehmer ein. Zuvor beurteilte er das Reiter-Pferd-Paar und sah mit einem Blick, wo das Problem sitzt, sei es sozusagen eine mentale Blockade, sei es aber auch einfach nur die Handhaltung oder auch der Sitz. Das Pferd spiegelt dabei den Reiter wider, denn das Pferd kann das alles, wie wir gesehen haben. Kaum hat der Reiter sein Problem im Griff, macht das Pferd alles richtig. Das sollte man sich immer bewusst machen. Nachdem dies geregelt war, ging es ans Neue. Mehrere Teilnehmer wollten gern mit ihren Pferden das Piaffieren lernen. Hier zeigte sich Wolfgang Krischke in seiner Genialität des richtigen Timings. In dem Moment, in dem das Pferd den richtigen Lösungsansatz zeigt: nachgeben, entspannen, loben. Ich habe den Eindruck, dass dies das Selbstvertrauen der Pferde stärkt, obwohl der Weg dahin für das Tier sehr aufregend ist. Fehlversuche werden einfach ignoriert und gelassen hingenommen. Gelassenheit seitens des Lehrers ist hierfür meiner Meinung nach die Grundvoraussetzung. Die Pferde wurden in diesem Kurs zu aktiven Kursteilnehmern und nicht nur zum Werkzeug. Sie fanden die Lösung und zeigten die ersten Ansätze einer schön gesetzten Piaffe.

Hier sucht Sirius noch nach der Lösung. Die Beinfolge stimmt noch nicht für die Piaffe. Doch mal sieht hier besonders schön seine Entwicklung, Das ehemalige, eckige Springpferd wurde rund und zeigt eine wundervolle Hankenbeugung. Man beachte seinen Gesichtsausdruck, er ist ganz bei der Sache.

Hier sucht Sirius noch nach der Lösung. Die Beinfolge stimmt noch nicht für die Piaffe. Doch man sieht hier besonders schön seine Entwicklung, das ehemalige, eckige Springpferd wurde rund und zeigt eine wundervolle Hankenbeugung. Man beachte seinen Gesichtsausdruck, er ist ganz bei der Sache.

Das Zweite, was ich aus diesem Kurs mitnahm, ist die Beschäftigung mit der Fillis-Zügelführung. James Fillis (1834-1913) war ein Schüler Bauchers. Mir selbst gefällt es nicht, wie er auf dem berühmten Foto von ihm zu Pferd sitzt (Spohr sitzt ganz ähnlich), dennoch hat mir Wolfgang Krischke einen Weg für mich und Príncipe gezeigt, welchen ich die nächsten Tage ausprobieren will. Bei der Zügelführung nach Fillis wird beidhändig geritten, die rechten Zügel in die rechte Hand, die Linken in die Linke. Dabei wird der Zügel von Caveçon/Trense über den Zeigefinger durch die Hand nach unten geführt, der Kandarenzügel kommt von unter dem kleinen Finger entgegensetzt nach oben raus. Damit kann sehr leicht nur das Caveçon oder die Kandare allein angesprochen werden, oder beide zugleich. Mit dem Caveçon kann man den Kopf des Pferdes wieder hochnehmen, wenn dieser zu tief ist, mit der Kandare runter. Geht das Pferd in Selbsthaltung, so ist keine Einwirkung nötig. [Anmerkung: An dieser Stelle will ich eindringlich darauf hinweisen, dass es bei dieser Reiterei Ziel ist, mit sozusagen durchhängendem Zügel zu reiten, in Selbsthaltung des Pferdes. Diese zweihändige Zügelführung hat so überhaupt nichts mit der heutigen – falsch verstandenen Art – der „Anlehnung“ zu tun. Es wird keine Kraft in der Zügelhand, so wie es heutzutage üblich ist, angewendet. Und noch ein Unterschied zur heutigen Fahrradlenkstangenart: Das

Lehrer und Schüler, Wolfgang Krischke, Michaela Lieblein und Sirius

Lehrer und Schüler, Wolfgang Krischke, Michaela Lieblein und Sirius

Pferd wird nicht im Maul gelenkt, sondern mit den Zügeln am Hals.] Gerade für ein junges Pferd, welches die Grundhilfen des Reiters noch lernt, kann daher diese Art der Zügelführung einfacher zu verstehen sein. Ich hatte sie bisher verworfen, weil ich, einfach gesagt, kein Baucherist bin. Doch Wolfgang Krischke hat mich in diesem Kurs von der Zweckmäßigkeit dieser Führung überzeugt. Mal sehen, was Príncipe dazu sagt.

Im Theorieteil wurde auf die Fragen der teilnehmenden Reiter eingegangen. Ein hochinteressanter Blickwinkel, denn wir als Zuschauer sehen ähnlich wie der Lehrer von außen. Das Reitgefühl der Reiter kann da natürlich nicht vermittelt werden. Dies nun auch aus Reiterperspektive zu hören, erklärte manches noch eindringlicher.

Die Familie Andraschko, die Hausherren der wunderschönen Anlage, versorgte uns, unter anderem mit fantastischem Kuchen, Kaffee und Bratwürstchen. Und ich nehme an, dass die Utensilien für den Waffengarten von Herrn Andraschko gebaut wurden.

Der Waffengarten. Am Ende der beiden Tage ging es dann endlich in den Waffengarten. Er wurde in der Halle aufgebaut, zwei Stelen mit je einem Blumenstrauß oben eingesteckt und ein Galgen, der geschickterweise an der Hallenwand befestigt war, damit kein Ständer in der Halle und damit den Pferden im Weg steht. Alle Reiter nahmen daran natürlich teil. Zuerst die Stichwaffe (Florett/Degen?), es wurde ein Blumenstrauß aus einer Säule durchbohrt und gehoben, dann die Lanze, welche durch einen Ring gestoßen wurde, um diesen vom Galgen zu holen. Es war fantastisch zu sehen, wie es bei den Pferden „Klick“ machte. Todesmutig hielt Herr Krischke dann, nach einigen Übungsläufen, beim Abschlusslauf durch den gesamten Garten den auf ihn zu galoppierende  Reitern die einzelnen Waffen zum Aufnehmen  hin. Reiter und Pferd sind zu einer Einheit geworden, welche ein gemeinsames Ziel haben. AAATTTAAACCCKKKKKEEEEEE!

Ach wie schnell waren doch die Tage schon wieder vorbei.

 

Michaela und Sirius auf dem Weg zum Kriegspferd.

Michaela und Sirius auf dem Weg zum Kriegspferd.

Alle Fotos: Oliver Oettel – Danke dafür!

Links:

Wolfgang Krischke: http://www.hofreitschule.de/

Sabine Oettel: http://www.akademische-reitkunst.at

Familie Andraschko: http://www.pferdesportartikel-andraschko.de/

https://www.facebook.com/pages/Sabine-Oettel-Akademische-Reitkunst/340448562678208?ref=ts&fref=ts

 

Share this:
Share this page via Email Share this page via Stumble Upon Share this page via Digg this Share this page via Facebook Share this page via Twitter

Ein Gedanke zu „Das Pferd muss die Lösung selbst finden.

  1. Hier noch 2 Nachträge von Sabine Oettel:
    Der Waffengarten war Gemeinschaftsproduktion, Wolfgang Krischke hat mir das Florett und die Lanze geschenkt, den Galgen für’s Ringstechen hat Manfred Andraschko gebaut und die Säulen wurden von meinem Mann Oliver gezimmert 🙂
    und:
    Nur kurz angemerkt: die Fillis-Zügelführung kann man auch 3:1 anwenden, ist etwas schwieriger als 2:2, die Kandareneinwirkung wird dadurch aber noch feiner.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.