Von Fehlerguckern und Bandentuschlern oder: raus aus der Krise

Nur die Meinung von Príncipe zählt: Caveson und diese Kandare für schlecht befunden. Was er mag: snaffle bit und Mecate...

Nur die Meinung von Príncipe zählt: Caveson und diese Kandare für schlecht befunden. Was er mag: snaffle bit und Mecate…

Lange habe ich nicht geschrieben. Angefangen hat die Krise mit dem Kurs von Christofer Dahlgren bei Sabine Oettel in Wendlmuth. „Oh mein Gott, war der so schlecht?“ Nein, er war so gut.

Also, was ist passiert? Wie Ihr wisst, ist die akademische Reitweise mein Leitbild. All die Tänzchen und Sperenzchen, die ich drum herum mache, dienen nur dazu, noch tiefere Einsichten zu bekommen. Doch wie jede Reitweise kann auch sie fehlinterpretiert werden. Die Gründe hierfür mögen Unwissenheit, das Phänomen der „stillen Post“, Ideologismus (gibt es dieses Wort überhaupt?) oder auch schlicht und ergreifend der Einfluss sein von anderen fehlinterpretierten Reitweisen, wie z.B. das, was zurzeit immer noch unter der Flagge der FN gezeigt wird.

Für mich ist die akademische Reitweise etwas sehr großartiges und alle „Hate-erei“ tat mir da sehr weh. Wenn ich nun also schreibe, wie Christofer Dahlgren die typischen Fehler bei der AR korrigiert, dann möchte ich damit den Hate-rn keine Munition liefern.

Doch eigentlich kann es mir gleich sein. Wenn jemand etwas herunter machen will, wird er immer etwas finden, wo er ansetzt. Dabei ist es völlig egal, um dieses nun berechtigt ist oder nicht. Auch die Gründe hierfür sind vielfältig, meiner Beobachtung – auch aus meinem Beruf – lassen für mich den Schluss zu, dass diese Menschen sehr unsicher sind und über die Hate-erei sich mit anderen zusammenschließen wollen, um sich nicht so einsam zu fühlen. Konrad Lorenz schrieb darüber.

Dieses unreife Verhalten hat leider auch die meisten der großen Reiter und Vorbilder aus Facebook vertrieben, erst vor ein paar Tagen gab wieder einer auf. Sollte ich also auch aufgeben (nicht, dass ich mich nun zu den großen Reitern zähle)?

Auch die Szene um die AR ist vor einem Hate-Verhalten nicht gefeit, wir alle sind halt Menschen. Erst neulich wurde in die AR-Gruppe in Facebook ein Video hineingestellt mit den Worten „Meinung dazu?“. Dies ist eine direkte Aufforderung für viele, den oder die Gezeigte fertig zu machen. Wie gesagt, es lässt sich immer etwas finden und wenn es nur die Farbe der Reithose ist.

Verändern kann ich dieses Hate-Verhalten der Menschen nicht, es scheint uns angeboren zu sein und wir haben es mit vielen Wirbeltieren gemeinsam. Nur durch reflektierte Einsicht kann der einzelne selbst darüber wegkommen.

„Aber man wird doch kritisieren dürfen!“ Nein, das ist keine Kritik. Das ist Hate.

Kritik erfüllt 3 Voraussetzungen:

  1. Sie muss berechtigt sein.

    Der Kritiker muss die Berechtigung dazu haben. Ein Lehrer hat diese z.B. seinen Schülern gegenüber. Die Berechtigung ergibt sich NICHT daraus, dass das Gezeigte nicht dem eigenen Wertesystem entspricht.

  2. Sie muss wahr sein.

    Wahr im Gegensatz zur Meinung. Wahr ist also nur, was man messen kann. Uppsss – und schon sind wir bei einem Bruchteil aller Aussagen, welche wirklich wahr sind. Wenn die Kritik also lautet: „das Pferd geht auf die Vorhand“, dann kann man auf Fotos sehen, dass die Hinterhand im Trab bereits den Boden verlassen hat, während die diagonale Vorhand noch das Gewicht auf dem Boden hält.

  3. Sie muss spezifisch sein.

    Was genau ist nicht richtig? Aussagen wie: „was für eine schlechte Reiterin“ oder gar „die spinnt doch“ oder „bei dem wundert mich gar nichts mehr“ sind einfach nur Beleidigungen, sonst nichts.

Traurig ist es dann, wenn beim gemeinsamen Abendessen die Kollegen, die Hengsthalter oder wen anderes man sonst so findet, schlecht geredet werden, anstatt sich über das Thema auszutauschen, weswegen die Teilnehmer gekommen sind, nämlich die Besonderheit einer Reitweise. (An dieser Stelle muss ich lobend die Escuela Equitabilis um und von Sabine Oettel erwähnen, welche hier eine große Wertschätzung von anderen Meinungen lebt!)

Zurück zur Krise und zur Erkenntnis. Entgleitungen kann man nur erwachsen, sachlich und gelassen begegnen. Herum zu diskutieren hat überhaupt keinen Sinn. Man kann nur hoffen, dass das Gegenüber irgendwann ebenfalls erwachsen wird, reflektiert und dann seinen eigenen Weg findet.

Und so ist es auch nun für mich mit dem Umgang von Missverständnissen und Fehlern, welche – noch – gemacht werden auf dem Weg zur nie erreichten Perfektion. Sei es nun, dass das Pferd hinten – noch – sichtbar schlurft und eine entsprechende Schleifspur im Hallensand hinterlässt, sei es, dass es – noch – verkrampft ist, weil die Reiterin/der Reiter selbst – noch – nicht losgelassen ist, usw. Wer diese Noch-Fehler dazu verwendet, sich über andere zu stellen, wird niemals daraus lernen. Wer sie verwendet um sich selbst zu reflektieren, hat eine sehr gute Chance dazu.

Also werde ich weiter schreiben, werden meine Sicht der Dinge darlegen und sie begründen. Meine Schlüsse daraus ziehen und sie von meinen Pferden prüfen lassen, ob sie auch wahr sind. Denn letztendlich ist es nicht die mögliche Meinung anderer, welche entscheidend ist, sondern einzig und allein die meiner Jungs, welche in meinem Leben wirklich zählt.

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Gelassenheit – der Spiegel Pferd

Dieses ist der Artikel 1 von 2 in der Serie Die innere Stärke des Reiters
Pferd und Reiter gelassen in ihrem Können - das ist die Kunst Monsieur de Kraut (mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Pferd und Reiter gelassen in ihrem Können – das ist die Kunst
Monsieur de Kraut
(mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Das ist nun das dritte Mal, dass ich an diesem Artikel herumschreibe, immer wieder habe ich ihn verworfen, weil es mir nicht gelang, den richtigen Ton zu finden. Eigentlich sollte er ein Bericht über den Kurs von Bent Branderup in Wendlmuth vom 14. und 15. März diesen Jahres sein. Ein paar Tage nach dem letzten Kurs im Herbst starb mein Mann für uns unerwartet. Das ist einfach eine Tatsache, welche mein ganzes Leben und meine Weltsicht beeinflusst und es hat keinen Sinn das einfach auszublenden und zur Tagesordnung überzugehen.

Die akademische Reitweise und gerade die Kurse mit Bent Branderup sind und sollen mein Rückgrat in dem sein, was ich für Príncipe und mich erreichen will. Später will ich auch über meine „Reise“ in den wilden Westen berichten, über ein Horsemanship, welches von Ray Hunt und nun von Buck Brannaman gezeigt wird. Ruhiger, liebevoller, aber konsequenter Umgang mit dem Pferd. Doch letztendlich soll auch dies uns als Basis dienen, den akademischen Weg zur Vollendung zu beschreiten.

Ein bisschen habe ich mich auch vor diesem Artikel gedrückt, denn der Kurs war für mich nicht so einfach durchzustehen, beim letzten lebte mein Mann noch. Erinnerungen, Gefühle und die Unabänderlichkeit übermannten mich.

Und da bin ich schon beim Thema, welches ich hier vermitteln will.

Es gibt mehrere Aspekte von der Verfassung, in der man sich befindet. Ich werde in Laufe der Zeit alle behandeln, doch hier habe ich mir einen herausgesucht, welchen man in diesem Kurs besonders gut beobachten konnte. Wie sehr die eigene Verfassung nicht nur das eigene Weltbild, sondern auch das Verhalten anderer einem selbst gegenüber beeinflusst, habe ich am eigenen Leib in den letzten Monaten erfahren (müssen).

Der erste Aspekt ist die innere Stärke, die Gelassenheit.

Gelassenheit – das sagt sich so einfach. Wie schwer es ist, gelassen zu bleiben, habe ich durch die letzten Monate besonders erfahren müssen. Aus was setzt sich Gelassenheit denn zusammen? Ich habe mir hier meine eigenen Gedanken gemacht. Wikipedia sagt: „Gelassenheit, Gleichmut, innere Ruhe oder Gemütsruhe ist eine innere Einstellung, die Fähigkeit, vor allem in schwierigen Situationen die Fassung oder eine unvoreingenommene Haltung zu bewahren. Sie ist das Gegenteil von Unruhe, Aufgeregtheit, Nervosität und Stress.“ Diese Definition trifft aber auch auf ein: Miristallesegal zu. Daher möchte ich ergänzen: Gelassenheit setzt eine innere Stärke voraus. Und diese hat man meiner Meinung nach nur, wenn man sich „erwachsen“ benimmt.

Kurzer Ausflug: Habt Ihr schon mal von der Transaktionsanalyse gehört? Nach diesem Model nehmen Menschen eine der drei möglichen Haltungen ein. 1. Den Elternteil, der entweder kontrollierend („Hast du schon die Hausaufgaben gemacht?“) oder fürsorglich („Zieh dich warm an, es ist kalt draußen.“)ist. 2. Den Erwachsenenteil, auf den ich gleich zurückkommen werde und 3. den Kindteil, welcher sich ebenfalls in den des angepassten Kindes („Hoffentlich blamiere ich mich nicht… was werden die von mir halten?) oder des freien Kindes („Ihr könnt mich alle mal…“).

Nun sind wir wieder auf dem Kurs und natürlich wollen wir nichts falsch machen und gefallen – wir fallen in die Rolle des angepassten Kindes. Nicht umsonst wird diese Haltung als „Kind“ bezeichnet. Unser Pferd merkt natürlich, dass wir anders sind als sonst. Sein Mensch wird auf einmal unsicher. Als Fluchttier ist es daher ebenfalls in Alarmbereitschaft. Irgendwas ist da im Busch, denkt es. Erkennt Ihr das wieder? Und schon zappelt es herum, zeigt nicht, was man wochenlang geübt hat, was einem wiederum selber noch unsicher macht – und das ganze vor den Augen gerade des Menschen, dem man gefallen will. Zuhause wäre das nicht passiert, die paar dummen Zuschauer mit ihren Bemerkungen? Pffff…

Doch hier im Kurs ist das anders. Man will alle sein Können und Wissen in die Minuten stecken, in denen der Reitmeister zusieht. Herr Branderup kennt das natürlich und nimmt die Spannung aus dem Schüler. Siehe da, auf einmal wird die aufgeregte Stute ruhiger, als ob sie die Worte verstanden hätte. Hat sie natürlich nicht (ach wäre das schön), sondern die Reiterin entspannte sich. So einfach ist das. Und nochmal: so einfach ist das.

Nun wissen wir, dass nicht jeder Lehrer didaktisch so viel drauf hat wie Bent Branderup und die Situation und die Befindlichkeit eines aufgeregten Paares durch seine Killerbemerkungen noch schlimmer machen kann – wenn man es zu lässt. Und hier ist unser Ansatzpunkt. Wir müssen NIEMANDEM gefallen, die einzigen, die zählen, sind unser Pferd und wir. Unser Pferd muss sich wohlfühlen, und dazu müssen wir sein Fels in der Brandung sein, egal was ist. Wenn ich schon denke: „mein Pferd geht nie in den Hänger!“ wird es das auch nicht tun.

In Ermangelung an Pferdeleutengeschichten, weil ich hier nicht so viele Kontakte habe, möchte ich ein Erlebnis erzählen, dass ich mit Hunden hatte, denn bei Hunden ist es das gleiche Thema. Ich kannte einen sehr netten irischen Setter mit seinem älteren und besorgten Frauchen. Der arme Hund hatte vor Gewitter so viel Angst, dass er vom Tierarzt Beruhigungsmittel verschrieben bekam, weil dieser befürchtete, dass die Angstanfälle zu Epileptischen wurden. Eines Tages gingen wir spazieren, ich führte zufällig den irischen Setter und meinen englischen. Die Dame, wie gesagt schon älter und etwas schwerhörig lief neben uns und plapperte. Hinter uns baute sich ein ordentliches Gewitter auf, dessen Grummeln man schon hören konnte. Die Dame plapperte weiter, beide Hunde liefen entspannt neben mir. Eigentlich sollte nach Aussage der irische Setter schon längst zitternd auf dem Boden liegen. Das Gewitter kam näher, wurde lauter, die Dame plapperte. Nun war es so nahe, dass es die Dame auch hören konnte. „Oh, nein, OGOTT, WAS MACHE ICH NUR…“ legte sie ein Theater vom Feinsten hin. Von einer Sekunde auf die andere veränderte sich der Setter, er mutierte zum winselnden und zitternden Bündel Elend. Mein Hund sah mich an: „Was ist denn jetzt kaputt?“ „Wieso sagst du denn nicht, dass es gewittert?“ war der Vorwurf. Ob und was ich geantwortet habe, weiß ich nicht mehr, aber was ich gedacht habe, das wisst Ihr.

Gelassenheit. Wie bleibt man gelassen? Auch meine Gelassenheit hat sehr gelitten, meine persönliche Reaktion sind allerdings nicht Unsicherheit, sondern spitze Bemerkungen, welche mir zugegebener weise dann fast immer auf der Zunge liegen, welche ich aber normalerweise seltenst herauslasse, um andere nicht zu verletzten.

Letztendlich ist es die Eigenverantwortlichkeit, die Eigenständigkeit. Für einen Kurs ist daher die Einstellung: „Ich bin hier um zu lernen und zu verstehen.“ Und nicht: „Ich bin hier um zu gefallen und Anerkennung zu bekommen.“

Und umso empfänglicher das Pferd und je weniger resilient, umso stärke und gelassener müssen wir für es sein.

Schließen will ich mit dem in letzter Zeit häufig geschriebenen Zitat:

Dein Pferd ist dein Spiegel. Es schmeichelt dir nie. Es spiegelt dein Temperament. Es spiegelt auch seine Schwankungen. Ärgere dich nie über dein Pferd; du könntest dich genauso gut über dein Spiegelbild ärgern. (Rudolph C. Binding)

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Des Reiters Sitz – Seminar der akademischen Reitkunst mit Bent Branderup März 2014 in Wendlmuth

Bent Branderup erklärt, welche Auswirkung die S- und die C-Linie der Halswirbelsäule auf den Schwung des Pferdes in der Bewegung haben.

Bent Branderup erklärt, welche Auswirkung die S- und die C-Linie der Halswirbelsäule auf den Schwung des Pferdes in der Bewegung haben.

„Wenn Du es fühlst, weißt Du es.“

Am 15. Und 16.März 2014 besuchte ich mein drittes Branderup-Seminar in Wendlmuth bei Bad Füssing. Sabine Oettel organisierte mit Bravour die sehr große Teilnehmerschaft. Und der Kuchen war sensationell – vielleicht auch, weil er für mich mit meiner Diät EIGENTLICH streng verboten ist.

Wie gesagt, dies war mein drittes Seminar, das ich als Zuschauer besuchte. Dennoch gab es für mich einen Unterschied zu den Vorherigen, und das lag nicht an der Themenwahl von Herrn Branderup. Ich habe seit dem letzten Seminar angefangen, die Onlinekurse einen nach dem anderen mir freizuschalten. Bodenarbeit, Longenarbeit, Handarbeit und Akademische Reitkunst, welche in Zusammenarbeit mit Herrn Lubetzki entstanden sind. Hierzu wird es später nach und nach Rezensionen von mir geben. Dann noch Diary of Swan und ganz neu: The Whip, welche Frau Bianca Grön aufgezeichnet hat.

Dadurch wurde meine Sicht auf die Themen immer dichter, denn obwohl sie sich scheinbar wiederholen – Herr Branderup muss ja auch die Neulinge thematisch mitnehmen – taucht immer wieder ein neuer Blickwinkel auf. Und immer leichter fällt es mir, die Lehrsätze, welche ich in meinem Leben gehört habe, zu sortieren, einzuordnen, als richtig zu erkennen oder zu verwerfen. Interessant ist dabei, dass je älter der Lehrsatz, je länger es her ist, dass ich er mir gelehrt wurde, desto richtiger ist er. Erst später kam der Unsinn hinzu. Beispiel: „Du muss so viel Kraft auf den Zügeln haben, dass es ungefähr 8 kg entspricht!“ (An alle physikalisch Gebildeten unter uns: hier gehe ich mal nicht auf den Unterschied zwischen Masse und Kraft ein…)

Die akademische Reitweise basiert auf der Biomechanik des Pferdes. Sie ist dem Pferd individuell angepasst, auf seinem Geist und seinem Körper, seinem seelischen Zustand und seinem Ausbildungsstand. Doch das ist nur die eine Seite. Genau so wichtig ist es, dass das Pferd mitmachen will, damit es etwas lernt. Und dies gilt nicht nur für Pferd. Da hatten es die Reiter und Pferde beim Seminar etwas schwer, da es natürlich ausgerechnet an diesem Wochenende fürchterlich stürmte und es unheimliche Geräusche gab. So wurde der Unterricht den Pferden angepasst und letztendlich machten die Pferde mit.

Bodenarbeit und der Sitz waren die Themen. Zu Fühlen, was die Hinterbeine des Pferdes machen, wie der Schwung durch das Pferd geht. Und natürlich die Grundlagen des Biegens. Die Reiter zeigten ihre Fortschritte vom Boden und vom Sattel aus. Herr Branderup nahm auch Prüfungen ab. Hier wollte ich eigentlich mehr schreiben…

Dieses Mal tue ich mir unheimlich schwer, diesen Artikel zu schreiben, denn ich schleiche immer noch wie eine Katze um den heißen Brei. Darum tipper ich meine Gedanken einfach mal so runter: es gehört so viel Wissen dazu um zu sehen, was da eigentlich passiert, dass ich bezweifle, dass verbildete Reiter dies können.

Hierzu mal ein Beispiel: ich saß recht weit hinten, und umso weiter weg vom Vortragenden, umso mehr wird geflüstert. Daher konnte ich recht gut die Gedanken der TeilnehmerInnen wahrnehmen. Als ein Reiter wunderbare Ansätze des Schulschritts mit seinem Pferd zeigte, hörte ich folgenden Kommentar: „Ich glaube, dass mit dieser Reiterei ist doch nix für mich, die können ja noch nicht mal richtig Schritt gehen. Das ist ja nur ein Herumgestoppsel.“

Heutige Reiter wissen gar nicht mehr, dass es den Schulschritt gibt, ein Schritt im Zwei-Takt. Mein Reitlehrer Ballmann vor tausenden von Jahren wusste das noch: wir haben den Mittelschritt und den starken Schritt, den ihr reiten könnt, wenn ihr richtig gut seit. Dann gibt es noch den Schulschritt, doch den lassen wir weg, er ist zu schwer zu reiten für uns, das ist nur was für die GANZ hohe Schule. – das GANZ hab ich noch ihm Ohr.

Auch ich bin immer noch am sortieren und lernen. Mokierte sich doch auch unser geliebter Steinbrecht über Baucher mit seinem „Galopp rückwärts“ – und versperrt damit die Akzeptanz des terre à terre. (Warum macht er das nur? Steinbrecht kannte meiner Meinung nach als Newcastle-Fanboi das terre à terre. Sein Mentor Seeger hasste Baucher so sehr, dass er sogar ein Buch geschrieben hat, um diesen zu diskreditieren. Hat Steinbrecht es deshalb in seine eigenen Aufzeichnungen geschrieben, oder kommen die Worte doch von Plinzner?)

Es ist zwar fast unmöglich zu wissen, was man nicht weiß, aber vielleicht ist es keine schlechte Idee, das Vorwissen für die Teilnehmer zu erhöhen. Klar kann man in Blogs wie diesem schreiben, dennoch bezweifle ich, dass es gelesen wird. Eine andere Idee will ich mal an die Seminarveranstalter weitergeben: Schulschritt, terre à terre, wie sieht eine richtige Levade aus, usw. Was gibt es sonst noch außer Schritt, Trab, Galopp, Tölt und Pass.

Dies ist nun kein beschreibender Artikel über ein Seminar geworden, und ich habe meine Gedanken immer noch nicht ganz geordnet. Dennoch, denn es geht ums Lernen. Wie Joda schon sagte: „Alles, was du gelernt, vergessen du musst!“ Alles in Frage stellen und prüfen. Sich auf eine Reise mit dem Pferd zusammen begeben und von einander lernen. Und das gefällt mir an der Art der akademischen Reitweise, wenn ich etwas falsch mache, sagt mir mein Pferd einfach: „nö, falsch“, weil sie ihm die Möglichkeit dazu lässt.

Was kann ein Seminar besseres auslösen?

 

Ballotade-Prüfung von Sabine Oettel mit  ihrem Frederiksborger Jarl

Ballotade-Prüfung von Sabine Oettel mit ihrem Frederiksborger Jarl

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