Rezension: Bodenarbeit – ein Videokurs von Bent Branderup

Dieses ist der Artikel 5 von 8 in der Serie Rezensionen
Veranschaulichen und erklären, was "Biegen" eigentlich ist. Hier das Führen der Schulter als Vorbereitung zum Kruppeherein. Das Schulterherein als Grundlage zum Kruppeherein.

Veranschaulichen und erklären, was „Biegen“ eigentlich ist. Hier das Führen der Schulter als Vorbereitung zum Kruppeherein. Das Schulterherein als Grundlage zum Kruppeherein.

„Das Pferd muss zuhören wollen.“ Mit dieser Aussage begrüßt uns Bent Branderup und verrät uns damit sein erstes Geheimnis der akademischen Reitkunst. Eine freundschaftliche Schüler-Lehrer-Beziehung, basierend auf gegenseitigen Respekt und Sympathie, ist die Grundlage allen weiteren Vorgehens. Horsemanship mit Ruhe und Gelassenheit (mein Lieblingsgefühl) ohne Longengefuchtel, Showeinlagen oder Dominanzrechtfertigungen. Lieber Herr Branderup, falls Sie dies lesen, machen Sie doch mal eine kleine Videoreihe über dieses Thema.

Erst, wenn die Beziehung zwischen Pferd und Mensch stimmt, können wir mit der „Arbeit“ beginnen. Im Bodenarbeitteil der Videoreihe des Kurses lernen wir, wie wir mit unserem Pferd zusammen Schritt für Schritt seine Balance, Geschmeidigkeit und Taktreinheit aufbauen. Im ersten Teil? Ja, Überraschung: der Kurs besteht aus 2 Teilen, Bodenarbeit und Longenarbeit, mit insgesamt 27 Lehrvideos , 4 Bonusvideos und einem Skript, welches man sich downloaden kann. Ich habe mir daraus ein kleines DIN A5-Handbuch gedruckt. Auf einen Theoriepart folgen praktische Beispiele und Anwendungen mit verschiedenen Pferden unterschiedlichen Ausbildungsstandes und Talentes demonstriert, so dass man den Blick für das eigene Pferd schulen kann.

Der "kleine Cara" zeigt und demonstriert uns die Übungen für ein Pferd seines Ausbildungsstandes.

Der „kleine Cara“ zeigt und demonstriert uns die Übungen für ein Pferd seines Ausbildungsstandes.

Der Kurs ist in Deutsch und wurde in Zusammenarbeit mit Marc Lubetzki, dem bekannten Tierfilmer, erstellt. Er steht online zur Verfügung, man kauft den Zugang zu den Videos. Für mich ist das ein kleiner Wehrmutstropfen, da auch die – in meinem Fall – Telekom mit daran verdient. Wichtig finde ich: ich kann die Videos mit meinen iDingern, iPhone und iPad, auf dem Sofa oder im Stall ansehen. Tipp: auch wenn die Videos den Ausbildungsfortschritt der Pferde begleiten, ist es von Vorteil alle vorher mehrmals anzusehen, da sich dann der Zweck der Basisarbeit wesentlich besser erschließt. „Die Basis muss eine Basis für etwas sein, sonst ist sie keine Basis.“ – Bent Branderup. Und dann werden Sie auch diesen Satz verstehen.

Im Vergleich dazu der ältere Corazon.

Im Vergleich dazu der ältere Corazon.

Zuallererst lernen wir die gemeinsame Mensch-Pferd-Pferd-Mensch-Sprache. Diese Grundlage kann man gar nicht oft genug erwähnen.

In der Bodenarbeit stehen wir direkt am Pferd und verwenden einen Kappzaum. Wir bitten das Pferd sich richtig zu biegen, unterzutreten und die Grundbewegungsabläufe zu lernen. Ziel ist es, dass unser Pferd das von sich aus macht und nicht auf unseren Zug hin. Ziehen wir das Pferd, so haben wir immer von ihm einen Gegenzug, welcher die falschen Muskel zum Anspannen bringt, und wir damit das Gegenteil von dem, was wir wollen, erreicht haben. Dies ist das zweite Geheimnis der akademischen Reitkunst. Das Pferd trägt sich selbst. Erst wenn es dies kann, kann es später auch den Reiter mittragen. Es ist immer in Balance.

Die Longenarbeit baut logisch darauf auf. Somit ist sie in der akademischen Reitkunst mehr als ein Herumtreiben im Kreis, wie ich es leider immer noch so oft sehe. Das Pferd lernt ohne Hilfszügel sich selbst zu tragen, seine Balance zu finden, geschmeidig zu werden. Um dies zu erreichen, werden die Übungen an der Longe zu einem abwechslungsreichen und interessanten Ballett des Pferdes. Als ich vor über tausend Jahren mit dem Reiten angefangen habe, haben unsere Lehrer uns noch erklärt, wozu man dies oder jenes macht. Irgendwann gab es dann einen Bruch, und das Wissen schien verloren. Ich habe mal nachgerechnet: mein ältester Reitlehrer hat um 1900 als junger Mann das Reiten gelernt. Ich war damals sehr jung und er sehr alt. Er kam immer wieder an den kleinen Reitplatz, auf dem ich übte und es entwickelt sich eine Freundschaft. Wir beide bezogen uns auf Steinbrecht. Er erzählte von der Kavallerie, und wie das damals war. Ich schweife ab…

Gebogenes Gerade, Blickschulung, Positionierung, alles Themen, die heute nicht mehr in Reitschulen gelehrt werden. Hier steht das Wissen wieder zur Verfügung und ich meine, dass jeder Pferdemensch es nützlich finden kann, es in seine eigene Reitweise einzufügen, sei es im Spring-, Westernreiten oder auch der Doma Vaquera.

Damals war ich teilweise schon Autodidakt, heute bin ich es zur Gänze. Und hier greift der Kurs von Bent Branderup ein. Ich halte ihn dafür geeignet, mich und mein junges Pferd auf das Reiten vorzubereiten, so ich es mir vorstelle. Ich habe zwar das Glück in meiner Nähe eine Meisterin der akademischen Reitkunst zu haben, dennoch, selbst wenn ich es nutzen würde, würde ich doch die allermeist Zeit alleine arbeiten. Es wäre interessant zu erfahren, ob die Branderup-Videokurse alleine ausreichen, um sich und sein Pferd auszubilden. Für mich selbst denke ich ja – arrogant, wie ich bin – , und könnte ich es mal tatsächlich so durchführen und Príncipe und mich später zur Überprüfung Herrn Branderup vorstellen.

http://www.marc-lubetzki.com/8961

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Besprechung der Überarbeitung: Akademische Reitkunst: Eine Reitlehre für anspruchsvolle Freizeitreiter von Bent Branderup

Dieses ist der Artikel 3 von 8 in der Serie Rezensionen
Bent Branderup stellt seine komplett überarbeitete Ausgabe der "Akademischen Reitkunst" vor.

Bent Branderup stellt seine komplett überarbeitete Ausgabe der „Akademischen Reitkunst“ vor.

Die Ausgabe „Akademische Reitkunst: Eine Reitlehre für anspruchsvolle Freizeitreiter“ ist 2013 überarbeitet worden. Naja, denkt man, na und? Lohnt es sich überhaupt die neue Ausgabe anzuschaffen?

Gleich vorneweg: es ist ein komplett anderes Buch, mit vielen neuen Ansätzen und Erklärungen. Schritt für Schritt wird der Leser nicht nur in die Welt der akademischen Reiterei eingeführt, sondern kann diese für sein Pferd umsetzen. All das, was in der ersten Ausgabe angeschnitten wurde, ist nun präziser ausgearbeitet worden.

Zuerst werden die Grundlagen besprochen, Ausrüstung und Handwerkszeug, der Sitz, Schenkelhilfen und Zügel. Dann führt uns Bent Branderup durch die akademische Ausbildung der Pferde, zunächst vom Boden aus, später zusammen mit Reitlektionen. Wir begeben uns also auf eine Reise, welche Jahre dauert. Sie beginnt im Stand ohne Reiter mit den ersten – richtigen – Biegeübungen und endet bei der Kapriole. Alles geschieht am lockeren Zügel, ohne Hilfszügel, in ruhiger Selbsthaltung. Gerade dies kommt in diesem Buch besonders zur Geltung.

Es wird definiert, was zum Beispiel Balance, Durchlässigkeit und Schwung ist. Ich hätte mir gewünscht, dass Bent Branderup auch das Geraderichten einmal klar in seinem Buch erklärt hätte, so wie er es bei den Kursen macht, denn es gibt bezüglich diesem besonders viele Missverständnisse, welche zu blendendem und taktunreinem „Vorderhandtrab“ führen. Tatsächlich sind alle Lektionen dafür da, das Pferd geradezurichten und somit Reiten auf eine gesundheitlich wichtige Basis zu stellen. Doch ein anderes, mit Missverständnissen belastetes Thema, wird angesprochen: die Leichtigkeit. Suchende, welche sich von der kraftfordernden Zügelhand der FN abwenden, verfangen sich hier in anderen gesundheitsschädlichen Fallen.

Neu am Buch sind die Links zu den Videos, welche auf der Homepage von Bent Branderup zur Verfügung stehen. Die alte Ausgabe hatte eine DVD mit dabei, in welcher die Lektionen teilweise nochmals erklärt wurden. Nun sind die Trailer zu weiteren Videos, welche das jeweilige Thema behandeln, direkt im Buch über QR-Code abrufbar. Zurzeit der Erstellung dieses Artikels ist zwar das Video, zu welchem der Code auf dem Umschlag auf Youtube leitet, per iPhone abrufbar, die anderen im Buch leider nicht. Hierzu muss man den gefundenden Link noch in den Computer eintippen und dabei das htm am Ende durch html ersetzen. Es wurde mir versichert, dass man allerdings daran arbeitet, dass diese links auch auf dem iPhone funktionieren. Daher ist dieser Artikel auch so lange nach dem Erscheinen des Buchs veröffentlicht, ich wollte ursprünglich auf die Lösung warten. Wenn diese dann kommt, werde ich dies mitteilen und die Zeilen hier ändern. Nun sind auch die anderen Videos im Buch mit dem iPhone abrufbar, das Team hat das Problem gelöst.

Vergleiche ich die Videos mit der in der alten Ausgabe enthaltenen DVD, dann empfinde ich diese als Rückschritt. Allerdings kenne ich kein bisher einziges anderes Buch über Reiterei, welches überhaupt die Möglichkeit bietet, das Gelesene in bewegten Bildern zu sehen. Und obwohl die Videos Trailer und damit Werbung für die entsprechende Video-Kurs-Reihe ist, sind sie eine wichtige Ergänzung für die geschriebenen Erklärungen. Auf meiner Reise mit Príncipe werden ich mir diese Videokurse nach und nach freischalten, sie kommen meiner Art als Autodidakt und Besserwisser, mit dem jeder Lehrer so seine Schwierigkeiten hat, sehr entgegen.

Geeignet ist das Buch – und auch die Akademische Reitkunst – für alle, welche mit ihrem Pferd eine schöne Zeit verbringen, ohne falschen Ehrgeiz sich und sein Tier weiterbilden und nicht zuletzt gymnastizieren und gesund erhalten möchten. Nachdem, was ich so in Hallen und auf Reitplätzen sehe, könnte so eine fundierte Grundausbildung von Reiter und Pferd keinem schaden, auch wenn später Springturniere das Ziel der Reiterei sein sollen.

„Akademische Reitkunst“ hört sich sehr hochtrabend und unverständlich an und steht im Gegensatz zu den einfachen Grundregeln, welche sehr verständlich im Buch mit Wort, Bild und Videos erklärt sind. Man muss sich nicht das Gehirn verrenken, Zeitgeschichte bezüglich der Pferde studiert haben oder Textinterpretationstechniken oder Sekundärliteratur zu Rate ziehen, um zu verstehen, was der Autor meint. Von meiner umfangreichen Reitliteratur gehört dieses Buch zu den am meisten an der Praxis orientierten.

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Besprechung: Das Video „Diary of Swan“ von Bent Branderup und Bianca Grön

Dieses ist der Artikel 1 von 8 in der Serie Rezensionen

Diary of Swan Einen Dank an Bianca Grön, welche mir dieses Foto für den Artikel zur Verfügung gestellt hat. Den Link zum Trailer findet Ihr am Ende des Artikels

Diary of Swan
Einen Dank an Bianca Grön, welche mir dieses Foto für den Artikel zur Verfügung gestellt hat.
Den Link zum Trailer findet Ihr
am Ende des Artikels

Schon länger überlegte ich mir das Video „Diary of Swan“ von Bent Branderup und Bianca Grön anzuschaffen. „Anzuschaffen“ ist nicht der richtige Ausdruck, denn man bekommt nur einen Onlinezugang zum Video. Dies war auch der Punkt, der mich so lange zögern ließ. Dennoch konnte ich der Versuchung nicht widerstehen.

Bent Branderup zeigt in diesem Video von 2:20 Std. Länge die Ausbildung seines PRE-Hengstes, welchen er „Swan“ nach einem historischem, diesem ähnlichen Pferd, getauft hatte. Wir begleiten das erste Jahr, vom rohen Pferd bis zum eingerittenen Youngster.

Interessant sind zwei Vorgaben: erstens, Swan ist ein wirklich rohes Pferd, aufgewachsen mit Gleichaltrigen sozusagen in der Wildnis, wie es heute noch in Spanien häufig praktiziert wird. Und zweitens, Swan ist vier Jahre alt, als die Arbeit beginnt. Dies war früher übrigens das übliche Alter um mit der Ausbildung der Pferde anzufangen.

Die Ausbildung beginnt Branderup immer sorgfältig vom Boden aus. Erst wenn ein Schritt der Gymnastizierung geschafft ist, beginnt er mit dem nächsten. Ich sage „Gymnastizierung“, weil der Begriff „Übung“ hier irreführen kann. Es werden nicht, wie bei der FN, Übungen abgeritten, deren Zweck den Reitschülern längst nicht mehr bekannt ist, und das Pferd dabei mehr oder weniger zufällig gymnastiziert wird, sondern alle Übungen im Video dienen der Gymnastizierung der einzelnen Muskelgruppen. Auch muss Swan erst die Hilfen lernen und begreifen. Ganz besonders gefällt mir eine Stelle im Video, das mit einem Klavierstück unterlegt ist, welches das Lernen und Üben nochmals verdeutlicht.

Bent Branderup trainiert Swan über Schulterherein und Kruppeherein wie es auch Guérinière getan hat und vor diesem bestimmt auch bereits andere. Swan baut, wie man sehen kann, in dieser Zeit Muskel auf, wird geschmeidig und gewinnt an Selbstvertrauen.

Nun habe ich ja Príncipe, welcher demnächst 3 Jahre alt wird. Natürlich ist er schon in der „Ausbildung“ bei mir, was aber nicht einreiten und longieren bedeutet, sondern Freundschaft und Vertrauensaufbau – und Respekt, junge Hengste brauchen auch dies. „Vorarbeiten“ werde ich erst im Herbst, wenn er 3,5 Jahre alt ist, richtig anfangen dann mit 4 im nächsten Sommer. Leider sagt Bent Branderup nicht, wie oft und wie lange er mit Swan diese Gymnastik betreibt. Ich werde sie am Anfang nicht länger als 20 min halten, vielleicht zwei mal am Tag. Es wird Tage ohne Training geben, weil ich beruflich unterwegs bin. Aus meiner Erfahrung raus wird es jungen Pferden sehr bald langweilig, wenn man immer wieder zu lange das gleiche macht. Auch werde ich etwas anders vorgehen müssen, da ich keine Hilfe von unten habe und bei der Ausbildung der Pferde alleine bin. Ich weiß, das ist nicht ideal und eigentlich auch gefährlich. Doch habe ich meinen Schülern bisher immer sehr vertraut. Wie auch Bent Branderup im Video klar macht, ist das Halten auf Kommando fundamental.

Vertraut machen mit dem Sattel, immer alles erst mal vom Boden aus, biegen, entspannen. Dann vorsichtig das erste Reiten, vorerst noch an der Longe, bis zum Gymnastizieren vom Sattel aus. Ganz nebenbei lernt man was über den Sitz, die Hilfen, Einwirkung von Caveçon und Kandare.

Wir verlassen Branderup und Swan ein gutes Jahr später, Swan versteht die Hilfen und beherrscht im Schritt und Trab die Grundlagen der Seitengänge.

Haben sich die 49,00 € für mich gelohnt? Ja, auf jeden Fall. Ein Aha-Erlebnis für mich war der Gebrauch der Gerte als Verlängerung des Arms und als „Zeigestab“. Diese habe ich bisher zwar von Boden aus verwendet, aber beim Reiten weggelassen, da ich bisher sie nach FN nur als vorwärts treibende Komponente wahrgenommen habe und Vorwärtstreibend bei Vollblutarabern eher kontraproduktiv ist. Wie Branderup sie verwendet ist sie offensichtlich eine sehr große Hilfe, welche ich bei Príncipe verwenden werde. Ich bin sicher, jeder kann hier sein Aha-Erlebnis finden. Des weiteren ist das Video keine Schönmalerei, sondern ein realistisches Tagebuch. Mal geht es schnell vorwärts, mal sehr langsam. Doch das spielt keine Rolle, wenn jede Lehrstunde mit einer kleinen Verbesserung endet. Das Ziel ist nicht eine möglichst schnelle Ausbildung, sondern eine solide für viele Jahre mit dem Pferd in Freundschaft.

Somit finde ich das Video nicht nur für erfahrene Ausbilder, welche reflektieren wollen, empfehlenswert, sondern auch für Anfänger, da man mit Swan ebenfalls die Hilfen erklärt bekommt. Nicht geeignet ist es wohl für Reiter, welche ihre Pferde als „Kracher“ reiten wollen. Viel zu fein und viel zu unspektakulär ist die Gymnastik. Für Umdenker ist das Video allerdings ein geeigneter Einstieg.

Was ich noch erwähnen sollte: das Video ist in einem sehr gut verständlichen Englisch.

Hier der Link für den Trailer:
http://www.bentbranderupshop.com/movieplayer/player/play/id/12/

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