Rezension: Videokurs „Academic Hand“ von Bent Branderup

Dieses ist der Artikel 6 von 8 in der Serie Rezensionen
Was einfach aussieht, ist auch einfach - wenn man es verstanden hat. Foto: Lotte Lekholm

Was einfach aussieht, ist auch einfach – wenn man es verstanden hat.
Foto: Lotte Lekholm

Möchte jemand wissen, mit welchem der Videos von Bent Branderup er beginnen soll, so empfehle ich dieses hier. „Aber der Sitz ist doch die primäre Hilfe“ mag man nun sagen, wieso nicht mit dem Video über den Sitz beginnen? Ja, die Hand gibt nur sekundäre Hilfen, dennoch ist es die Hand, mit der man am meisten falsch macht. Das ist der eine Grund, dieses Video an den Anfang zu stellen. Der andere ist, dass in diesem Video das Reiten von Grund auf erklärt wird. Nirgendwo sonst habe ich den akademischen und historischen Gedanken der Reiterei auf Basis und im Einklang der neusten Erkenntnisse der Biomechanik des Pferdes so gut erklärt gesehen. Daher setzte ich dieses Video auf eine Schlüsselstelle. In der Hand liegt auch der am besten wahrnehmbare Unterschied zwischen der Reiterei – fast mag ich sagen – des letzten Jahrzehnts und den Tausenden von Jahren zuvor. Damit meine ich nicht die verdammungswürdigen Auswüchse wie „Rollkur“ und Co., sondern die Methode das Pferd mit der Einwirkung auf das Maul zu wenden. Dies ist neu – was viele erstaunen mag. Gewendet wurde das Pferd zuvor mit den Zügeln, „und wenn ich ‚Zügel‘ sage, meine ich ‚Zügel'“ definiert Bent Branderup, am Hals über die Schulter, denn das „Maul hat keine Beine“.

Weiter wird dargestellt und erklärt, wie man in der Hand spürt, ob der Schub der Hinterhand nach hinten heraus oder ihr Vorgriff dominiert. Wir lesen bücherweise über dieses Thema, und bekommen es hier so einfach in ein paar Minuten dargestellt – denn im Grunde ist es auch einfach, was so viele Reitmeister uns eigentlich sagen wollen und mit so vielen missverstandenen Begriffen umschreiben. Der ansonsten so sehr wortreiche Bent Branderup bringt es mit einer einfachen Erklärung mittels der Biomechanik auf den Punkt.

Natürlich werden ebenso die verschiedenen Arten der Zügelführung erklärt, ihre Vor- und Nachteile, so dass man situationsbedingt die beste für diesen Moment wählen kann. Von der Haltung der Zügel, wenn man nur das Caveçon/Trense verwendet, über alle Zwischenschritte bis hin zur Kandare blank, wird das Greifen und Sortieren der Zügel erklärt, ohne dass man in die Zügel oder Finger einen Knoten bekommt.

Ein sehr wichtiges – und akademisches – Kapitel ist ebenso, dass man dem Pferd vom Boden aus erstmal beibringt, was die Signale auf der Nase und im Maul bedeuten, so dass es ihnen mit Durchlässigkeit folgen kann. Hierin sehe ich den sichtbarsten Unterschied zu anderen Reitweisen. Die Kandare ist ein Sensor und kein Druckmittel. Und wir können bereits vom Boden aus üben, die Signale der Pferdes richtig zu verstehen und daraufhin die Richtung unserer Ausbildung lenken. Vertieft wird dies dann an Hand von praktischen Beispielen, welche auch das Auge für das eigene Pferd schulen.

Diesen Videokurs empfehle ich auch allen Reitern, welche nicht den Weg der akademischen Reitweise einschlagen möchten. Das Wissen, welches hier vermittelt wird, empfinde ich als so wichtig und grundlegend, dass es für jeden Reiter ein Aha-Erlebnis ist und er seine eigene Vorgehensweise bewerten und verbessern kann.

Das Videoseminar wurde von Bent Branderup und Bianca Grön erstellt. Der Lehrgang besteht aus 9 Videos mit einer Gesamtlänge von 1:18h. Er ist in Englisch und sehr gut zu verstehen. Wie die anderen ist er online zugänglich und nicht downloadbar.

Links:

http://www.bentbranderupshop.com/the-hand.html

Foto:
Lotte Lekholm, http://www.facebook.com/lotte.lekholm

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