Gelassenheit – der Spiegel Pferd

Dieses ist der Artikel 1 von 2 in der Serie Die innere Stärke des Reiters
Pferd und Reiter gelassen in ihrem Können - das ist die Kunst Monsieur de Kraut (mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Pferd und Reiter gelassen in ihrem Können – das ist die Kunst
Monsieur de Kraut
(mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Das ist nun das dritte Mal, dass ich an diesem Artikel herumschreibe, immer wieder habe ich ihn verworfen, weil es mir nicht gelang, den richtigen Ton zu finden. Eigentlich sollte er ein Bericht über den Kurs von Bent Branderup in Wendlmuth vom 14. und 15. März diesen Jahres sein. Ein paar Tage nach dem letzten Kurs im Herbst starb mein Mann für uns unerwartet. Das ist einfach eine Tatsache, welche mein ganzes Leben und meine Weltsicht beeinflusst und es hat keinen Sinn das einfach auszublenden und zur Tagesordnung überzugehen.

Die akademische Reitweise und gerade die Kurse mit Bent Branderup sind und sollen mein Rückgrat in dem sein, was ich für Príncipe und mich erreichen will. Später will ich auch über meine „Reise“ in den wilden Westen berichten, über ein Horsemanship, welches von Ray Hunt und nun von Buck Brannaman gezeigt wird. Ruhiger, liebevoller, aber konsequenter Umgang mit dem Pferd. Doch letztendlich soll auch dies uns als Basis dienen, den akademischen Weg zur Vollendung zu beschreiten.

Ein bisschen habe ich mich auch vor diesem Artikel gedrückt, denn der Kurs war für mich nicht so einfach durchzustehen, beim letzten lebte mein Mann noch. Erinnerungen, Gefühle und die Unabänderlichkeit übermannten mich.

Und da bin ich schon beim Thema, welches ich hier vermitteln will.

Es gibt mehrere Aspekte von der Verfassung, in der man sich befindet. Ich werde in Laufe der Zeit alle behandeln, doch hier habe ich mir einen herausgesucht, welchen man in diesem Kurs besonders gut beobachten konnte. Wie sehr die eigene Verfassung nicht nur das eigene Weltbild, sondern auch das Verhalten anderer einem selbst gegenüber beeinflusst, habe ich am eigenen Leib in den letzten Monaten erfahren (müssen).

Der erste Aspekt ist die innere Stärke, die Gelassenheit.

Gelassenheit – das sagt sich so einfach. Wie schwer es ist, gelassen zu bleiben, habe ich durch die letzten Monate besonders erfahren müssen. Aus was setzt sich Gelassenheit denn zusammen? Ich habe mir hier meine eigenen Gedanken gemacht. Wikipedia sagt: „Gelassenheit, Gleichmut, innere Ruhe oder Gemütsruhe ist eine innere Einstellung, die Fähigkeit, vor allem in schwierigen Situationen die Fassung oder eine unvoreingenommene Haltung zu bewahren. Sie ist das Gegenteil von Unruhe, Aufgeregtheit, Nervosität und Stress.“ Diese Definition trifft aber auch auf ein: Miristallesegal zu. Daher möchte ich ergänzen: Gelassenheit setzt eine innere Stärke voraus. Und diese hat man meiner Meinung nach nur, wenn man sich „erwachsen“ benimmt.

Kurzer Ausflug: Habt Ihr schon mal von der Transaktionsanalyse gehört? Nach diesem Model nehmen Menschen eine der drei möglichen Haltungen ein. 1. Den Elternteil, der entweder kontrollierend („Hast du schon die Hausaufgaben gemacht?“) oder fürsorglich („Zieh dich warm an, es ist kalt draußen.“)ist. 2. Den Erwachsenenteil, auf den ich gleich zurückkommen werde und 3. den Kindteil, welcher sich ebenfalls in den des angepassten Kindes („Hoffentlich blamiere ich mich nicht… was werden die von mir halten?) oder des freien Kindes („Ihr könnt mich alle mal…“).

Nun sind wir wieder auf dem Kurs und natürlich wollen wir nichts falsch machen und gefallen – wir fallen in die Rolle des angepassten Kindes. Nicht umsonst wird diese Haltung als „Kind“ bezeichnet. Unser Pferd merkt natürlich, dass wir anders sind als sonst. Sein Mensch wird auf einmal unsicher. Als Fluchttier ist es daher ebenfalls in Alarmbereitschaft. Irgendwas ist da im Busch, denkt es. Erkennt Ihr das wieder? Und schon zappelt es herum, zeigt nicht, was man wochenlang geübt hat, was einem wiederum selber noch unsicher macht – und das ganze vor den Augen gerade des Menschen, dem man gefallen will. Zuhause wäre das nicht passiert, die paar dummen Zuschauer mit ihren Bemerkungen? Pffff…

Doch hier im Kurs ist das anders. Man will alle sein Können und Wissen in die Minuten stecken, in denen der Reitmeister zusieht. Herr Branderup kennt das natürlich und nimmt die Spannung aus dem Schüler. Siehe da, auf einmal wird die aufgeregte Stute ruhiger, als ob sie die Worte verstanden hätte. Hat sie natürlich nicht (ach wäre das schön), sondern die Reiterin entspannte sich. So einfach ist das. Und nochmal: so einfach ist das.

Nun wissen wir, dass nicht jeder Lehrer didaktisch so viel drauf hat wie Bent Branderup und die Situation und die Befindlichkeit eines aufgeregten Paares durch seine Killerbemerkungen noch schlimmer machen kann – wenn man es zu lässt. Und hier ist unser Ansatzpunkt. Wir müssen NIEMANDEM gefallen, die einzigen, die zählen, sind unser Pferd und wir. Unser Pferd muss sich wohlfühlen, und dazu müssen wir sein Fels in der Brandung sein, egal was ist. Wenn ich schon denke: „mein Pferd geht nie in den Hänger!“ wird es das auch nicht tun.

In Ermangelung an Pferdeleutengeschichten, weil ich hier nicht so viele Kontakte habe, möchte ich ein Erlebnis erzählen, dass ich mit Hunden hatte, denn bei Hunden ist es das gleiche Thema. Ich kannte einen sehr netten irischen Setter mit seinem älteren und besorgten Frauchen. Der arme Hund hatte vor Gewitter so viel Angst, dass er vom Tierarzt Beruhigungsmittel verschrieben bekam, weil dieser befürchtete, dass die Angstanfälle zu Epileptischen wurden. Eines Tages gingen wir spazieren, ich führte zufällig den irischen Setter und meinen englischen. Die Dame, wie gesagt schon älter und etwas schwerhörig lief neben uns und plapperte. Hinter uns baute sich ein ordentliches Gewitter auf, dessen Grummeln man schon hören konnte. Die Dame plapperte weiter, beide Hunde liefen entspannt neben mir. Eigentlich sollte nach Aussage der irische Setter schon längst zitternd auf dem Boden liegen. Das Gewitter kam näher, wurde lauter, die Dame plapperte. Nun war es so nahe, dass es die Dame auch hören konnte. „Oh, nein, OGOTT, WAS MACHE ICH NUR…“ legte sie ein Theater vom Feinsten hin. Von einer Sekunde auf die andere veränderte sich der Setter, er mutierte zum winselnden und zitternden Bündel Elend. Mein Hund sah mich an: „Was ist denn jetzt kaputt?“ „Wieso sagst du denn nicht, dass es gewittert?“ war der Vorwurf. Ob und was ich geantwortet habe, weiß ich nicht mehr, aber was ich gedacht habe, das wisst Ihr.

Gelassenheit. Wie bleibt man gelassen? Auch meine Gelassenheit hat sehr gelitten, meine persönliche Reaktion sind allerdings nicht Unsicherheit, sondern spitze Bemerkungen, welche mir zugegebener weise dann fast immer auf der Zunge liegen, welche ich aber normalerweise seltenst herauslasse, um andere nicht zu verletzten.

Letztendlich ist es die Eigenverantwortlichkeit, die Eigenständigkeit. Für einen Kurs ist daher die Einstellung: „Ich bin hier um zu lernen und zu verstehen.“ Und nicht: „Ich bin hier um zu gefallen und Anerkennung zu bekommen.“

Und umso empfänglicher das Pferd und je weniger resilient, umso stärke und gelassener müssen wir für es sein.

Schließen will ich mit dem in letzter Zeit häufig geschriebenen Zitat:

Dein Pferd ist dein Spiegel. Es schmeichelt dir nie. Es spiegelt dein Temperament. Es spiegelt auch seine Schwankungen. Ärgere dich nie über dein Pferd; du könntest dich genauso gut über dein Spiegelbild ärgern. (Rudolph C. Binding)

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Das Fasziengewebe – das unbekannte Sinnesorgan

Dieses ist der Artikel 2 von 4 in der Serie BODY AND SOUL von Stefanie Niggemeier
Maximale Entfaltung der Kraft des Pferdes in den Schulen über der Erde - dank gesunder Faszien zur Krone der Ausbildung. (Johann Elias Ridinger, Palotaden rechts - mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Maximale Entfaltung der Kraft des Pferdes in den Schulen über der Erde – dank gesunder Faszien zur Krone der Ausbildung.
(Johann Elias Ridinger, Palotaden rechts – mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Riechen, schmecken, hören, sehen, tasten – wer das kann, hat alle Sinne beisammen.

Doch darüber hinaus gibt es noch einen weiteren Sinn, ein fast unbekanntes Sinnesorgan; größer, im Körper wahrscheinlich wichtiger als Augen, Nase oder Hände: das Fasziengewebe.

Die Faszie, eine Bindegewebsstruktur, die nicht nur jeden Knochen, Muskel, jedes Organ, Gelenk und jeden Nerv umhüllt, trennt, versorgt, ist im gesamten Körper vorhanden und erfüllt eine lebenswichtige Aufgabe. Wir können uns die Faszie als eine wabenförmige, in sich bewegliche Struktur vorstellen, die weder Anfang noch Ende im Körper hat und ihn in seiner Gesamtheit durchzieht. Sie stützt und löst, sie hält und bewegt, sie formt und ermöglicht, sie speichert und gibt frei – sie ist in ihrem Umfang lebenswichtig für jeden Organismus. Wir finden sie in Pflanzen ebenso wie in jedem Tier, ihre Bedeutung wird uns erst in den letzten Jahren immer klarer.

So wie ein Ameisenstaat ob seiner perfekten Abstimmung oftmals als ein Wesen mit vielen Gliedern angesehen wird, kann auch das Fasziengewebe mit seinen Millionen Nervenendungen als ein eigenständiges Organ, ein Sinnesorgan angesehen werden. Mit seiner direkten Verknüpfung mit dem Gehirn und den willkürlichen ( Bewegung),sowie unwillkürlichen ( Atmung, Herzschlag, Verdauung, etc.) Funktionen des Körpers, seiner kompletten Umhüllung von allen Strukturen des Körpers ist es von so großer Wichtigkeit für den gesunden Organismus, dass man es bei plötzlichen Veränderungen des gesundheitlichen Zustands auch immer als ursächlich im Auge behalten sollte.

Die Faszie kann im Körper hauchdünn oder bis zu mehreren Millimetern dick sein, sie wird von der Lymphe versorgt und eine gesunde, funktionale Bewegung des Körpers sorgt dafür, dass das Fasziengewebe beweglich und der Lymphfluss in Gang gehalten wird. In der Lymphflüssigkeit vorhandenes Fibrinogen kann unter bestimmten Umständen zu festem Fibrin werden, welches die Faszie unbeweglich werden lässt und sie verkleben kann. Ursache für solch einen Zustand kann Stress, Verletzungen (z.B. Sturz, Tritt- oder Bissverletzung), chirurgische Eingriffe ( z.B. Kastration) oder falsch erlernte und ausgeführte Bewegungsabläufe sein.

Eine weitere Eigenheit der Faszie ist ihre Fähigkeit, über die ihr innewohnenden Nervenendungen Einfluss auf das vegetative Nervensystem zu nehmen. So wirken sich nicht nur Stress und ein erhöhter Muskeltonus auf die Faszie aus, sondern eine verklebte, nicht mehr physiologisch funktionierende Faszie erzeugt Stresszustände im Körper. Entstandene Traumata können sich in der Faszie, quasi wie auf einer externen Speicherplatte des Computers, festsetzen und zum Teil erst Monate oder Jahre später , wenn eine normale Funktion wiederhergestellt ist, wieder ans Licht kommen – oftmals völlig unerwartet für den Reiter. Buckeln, Steigen, Durchgehen sind manchmal Reaktionen auf schon längst vergangene Erlebnisse, die sich aber erst jetzt lösen konnten – man spricht auch von der „Körpererinnerung“.

Galopparbeit, richtig ausgeführt, hilft die Bauchfaszie zu lösen. (Johann Elias Ridinger, Galop gerade aus Rechts - mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Galopparbeit, richtig ausgeführt, hilft die Bauchfaszie zu lösen.
(Johann Elias Ridinger, Galop grad aus links – mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Neben der psychologischen Bedeutung der Faszie ist ihre Bedeutung für den gesunden Bewegungsapparat des Pferdes nicht zu unterschätzen. Durch ihre Fähigkeit, Nervenimpulse schneller und effektiver als die Nerven an die Muskulatur und die Gelenke weiterzugeben – man stelle sich in etwa den Unterschied zwischen einem Kupferkabel und einem Glasfaserkabel vor – ist die Faszie für das effektive Training des Pferdes also unerlässlich, bzw. sind Störungen ihrer Tätigkeit so schnell wie möglich zu beseitigen und in Zukunft vorzubeugen. Dies kann durch verschiedene manuelle Tätigkeiten, wie z.B. bestimmte TTouches oder ostheotherapeutische Griffe, jedoch auch Tens-Therapie oder physiotherapeutische Behandlungen und Massagen („Black Roll“- Technik) erfolgen, man kann aber auch gezielt mit der Faszie arbeiten. Die in der humanen Sporttherapie neuerdings so wichtige und neudeutsch betitelte „Core“- Arbeit ( Arbeit mit der tiefen Rumpfmuskulatur zur Verbesserung von Haltung und Balance) wird in unserer Arbeit mit dem Pferd maßgeblich mit der Arbeit mit der Schulparade erreicht, die unter anderem das für das Reiten wichtige Faszialgewebe rings um die Wirbelsäule – übrigens der Grund, warum Pferde vom Reiten keinen Bandscheibenvorfall bekommen – und die Bauchfaszie kräftigt.

Verklebungen in der Bauchfaszie, ausgelöst z.B. durch falschen oder übermäßigen Einsatz von Sporn und/oder Schenkel, haben oft fatale Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Pferdes, seine Atmung ist oftmals flach, es kann unter Verdauungsbeschwerden leiden, ist nicht mehr in der Lage, sich zu biegen und kann keine gesunde Rückentätigkeit mehr zeigen. Dieser Zustand wird bei den alten Meistern oft als „Spornstätigkeit“ bezeichnet und, so rät schon Guérinière, darf keinesfalls durch noch mehr Engagement des Reiterbeins, sondern durch vermehrtes lockeres Gehen lassen des Pferdes kuriert werden. Ein erstes äußeres Anzeichen kann fehlendes Fell in der Schenkellage oder aber optisch enger anliegendes Fell in diesem Bereich sein.

Die faszialen Verklebungen, vor allem im Bereich der Gelenke, können einen arthrose- oder gichtartigen Schmerz verursachen, der von einer leichten „Fühligkeit“ bis zur Lahmheit des Pferdes führen kann – und auch das Lösen dieser Verklebungen kann unangenehm und schmerzhaft sein.

Verknotungen im Gewebe, Löcher in der Muskulatur, Atrophien von Muskeln gehen immer auch einher von pathologischen Veränderungen im Faszialgewebe. Diese müssen sorgfältig, langsam und behutsam gelöst werden – auch diesen Rat finden wir in etlichen Werken der alten Meister von Xenophon bis Seunig, die jede Exaltiertheit und plötzliche Bewegung ablehnen, die die Qualität der Bewegung in ihrer Langsamkeit und Formbarkeit sehen, um den maximalen gymnastischen Benefit und den größten Schulungseffekt zu erhalten.

Autorin Stefanie Niggemeier mit ihrem 9-jährigen Morgan Horse Wallach Glenmorgan Final Hylight.

Moderne Pilarenarbeit- die Arbeit am stehenden Pferd und in Versammlung Autorin Stefanie Niggemeier mit ihrem 9-jährigen Morgan Horse Wallach Glenmorgan Final Hylight, genannt „Finn“.

Die optimale Arbeit mit der Faszie schafft uns die moderne Pilarenarbeit, bei der der Mensch an der Hand und später eventuell auch unter dem Sattel mit dem stehenden Pferd arbeitet. En detail und in aller Ruhe werden dem Pferd die Hilfen von Hand, Körper/Sitz, Gerte und Schenkel erklärt, es gibt keine Möglichkeit zu Ausweichbewegungen. So kann schon am stehenden Pferd geübt werden, den Brustkorb schulterhereinartig (versal) oder kruppehereinartig (traversal) aus der Hinterhand zu heben oder aber das Gewicht des Pferdes in Richtung Hankenbeugung (Schulparade) auf die Hinterhand zu verlagern. Hier haben wir die Reitkunst sozusagen auf das Absolute konzentriert, der „Brühwürfel“ der Pferdeausbildung. Diese Methode, ersonnen von Bent Branderup („Akademische Reitkunst- eine Reitlehre für anspruchsvolle Freizeitreiter“ Cadmos Verlag, 2013), ist vor allem deswegen so empfehlenswert, weil sie deutlich weniger Gefahrenpotential birgt als das Fixieren des Pferdes in den fest installierten Pilaren.

Im Gegensatz zur traditionellen Arbeit an den oder dem Pilaren haben wir bei dieser Art der Arbeit jederzeit die Möglichkeit, die Gelenke des Pferdes ins Vorwärts zu lösen, falls das notwendig werden sollte – sie könnten ja auch in diese Richtung verklebt sein.

So sehen wir schon eine andere Möglichkeit, die Faszien rund um die Gelenke, vor allem der Hinterhand und im Schulter-/Widerristbereich zu lösen: Seitengänge wie das Schulterherein, Kruppeherein , Renvers und die Traversale können helfen, den Pferdekörper wieder in den Fluss zu bringen und Schlackenstoffe abzutransportieren, während Sauerstoff und Nährstoffe in Muskulatur und Gelenke transportiert wird.

Der Schulschritt - ebenfalls eine gute Möglichkeit, die Gelenke der Hanken zu mobilisieren und das Pferd Versammlung zu lehren. Autorin Stefanie Niggemeier

Der Schulschritt – ebenfalls eine gute Möglichkeit, die Gelenke der Hanken zu mobilisieren und das Pferd Versammlung zu lehren. Autorin Stefanie Niggemeier

Eine weitere Möglichkeit, die Gelenke des Pferdes zu lösen, ist die Arbeit mit der Piaffe oder dem Schulschritt, bei entsprechender Ausbildung des Pferdes auch der Schulgalopp oder das Terre-à-Terre. Fällt hierbei auf, dass noch Steifheiten vorhanden sind, sollte man dazu zurückgehen, mit den oben beschriebenen Techniken die Faszie rund um das entsprechende Gelenk oder die Muskulatur zu bearbeiten.

So lösen die Seitengänge in eine Richtung, die Schulparade in einer weiteren Weise und die versammelnde Arbeit in Bewegung auf eine andere Art und Weise die Gelenke der Hinterhand des Pferdes, die aufgrund ihrer Bauweise als Motor des Pferdes gelten und dafür sorgen, in funktionaler Weise gearbeitet, dass das Pferd den Reiter auf Dauer gesund und auch bequem tragen kann.

Durch die Fähigkeit der Faszie, Bewegungsenergie zu speichern, nehmen gesunde Faszien den Muskeln einen großen Teil der Belastung ab oder können ihre Kraft um ein Vielfaches verstärken. Dabei gilt: je gleitfähiger sie sind, je höher ihr Anteil an Elastin und je geringer ihr Anteil an dem festen Kollagen, desto größer ihre Fähigkeit, große Kräfte schnell freizusetzen – die Carrière gilt bei Manoel C. de Andrade („Die edle Reitkunst- Luz da liberal e Nobre Arte da Cavalleria“) als die erstrebenswerteste Lektion, die ein geschultes Pferd lernen sollte. Auch die Arbeit mit den Passaden oder letztlich den Schulsprüngen erfordert ein schnelles, kraftvolles Entfalten des Könnens des Pferdes. In der französischen Reittradition finden wir diese körperliche Bereitschaft, die allerdings ebenso einen mentalen Zustand beschreibt, mit dem Begriff „l’Impulsion“ beschrieben – ins Deutsche oft als „Schwungkraft“ übersetzt.

Mit der Zeit wird das Pferd immer mehr auch im Ruhezustand in einer optischen Form sein, die wir ihm mit Hilfe von Muskulatur, vor allem aber der Faszien entsprechend seiner Arbeit gegeben haben. Hier zeigt sich das Können des Reiters: Ist die Form physiologisch? Ist das Pferd an den richtigen Stellen gerundet, an den richtigen Stellen formbar? Sieht es athletisch, fit und kraftvoll aus? Würde man nun nur die Faszien ansehen, könnte man sie aus dem Körper „herausbeamen“, würden wir wieder das von uns geformte Pferd sehen können. Sie sind dafür verantwortlich, welche Form der Körper annimmt, wo er sich streckt, wie die Organe in ihm zu liegen kommen, welche Partien straff und welche locker sind – und das mehr noch als die Muskulatur.

Da alle Faszien im Körper miteinander verbunden sind, ist eine Störung in einem Teilbereich des Körpers immer mit Auswirkungen auf den restlichen Körper verbunden. Man kann nicht einen Teil des Körpers vom anderen trennen, eine Form, die wir dem Pferdehals geben, findet immer ihren Niederschlag im Rücken und der Hinterhand des Pferdes, die Beine müssen entsprechend bewegt werden; Verspannungen oder mit Hilfszügeln erzwungene Haltungen führen zu körperlichem und auch emotionalem Stress – wir arbeiten immer mit dem ganzen Pferd. Ob nun eine Muskelgruppe, der Hals, der Rücken, die Hinterhand oder ein Organ, immer ist der gesamte Körper UND der Geist des Pferdes miteinbezogen, wenn wir arbeiten.

Unter den inneren Organen für die Faszie besonders bedeutend ist die Milz, da sie unter anderem für den Lymphfluss verantwortlich ist. Sie liegt anatomisch gesehen genau unter dem Sitz des Reiters und/oder dem hinteren Ende des Sattels und ist von den Rippen geschützt. Ein nicht passender Sattel oder ungeschickt sitzender Reiter kann zu Wirbelblockaden in diesem Bereich führen, was die Versorgung der Faszien im Körper durch eine gestörte Tätigkeit der Milz beeinträchtigen und behindern kann. Hier sollte neben entsprechender Schulung des Könnens des Reiters auch unbedingt Wert auf passendes Sattelzeug gelegt werden.

Wie wir sehen, ist die Arbeit mit dem Fasziengewebe so umfassend, dass wir jede Gelegenheit nutzen sollten, mit ihr zu arbeiten, um unsere Pferde noch beweglicher, noch geschmeidiger, noch stärker – und noch zufriedener zu machen.

Der Schlüssel hierzu liegt für uns in der Reitkunst, deren verschiedene Lektionen darauf abzielen, das Pferd langfristig gesund zu erhalten – weil die Erfahrung die Alten Meister diese Erkenntnis gelehrt hat.

Stefanie Niggemeier
Barocke Pferdeausbildung

Stefanie Niggemeier mit ihrem bezaubernden Finn.

Stefanie Niggemeier mit ihrem bezaubernden Finn.

Links:
Stefanie Niggemeier: http://www.barocke-pferdeausbildung.de/

und wer die Autorin live erleben möchte, zum Beispiel am
12. Oktober Kurs „Schulparade“
26. Oktober Kurs „Moderne Pilarenarbeit“
http://www.barocke-pferdeausbildung.de/termine.html

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Rezension: Videokurs „Academic Hand“ von Bent Branderup

Dieses ist der Artikel 6 von 8 in der Serie Rezensionen
Was einfach aussieht, ist auch einfach - wenn man es verstanden hat. Foto: Lotte Lekholm

Was einfach aussieht, ist auch einfach – wenn man es verstanden hat.
Foto: Lotte Lekholm

Möchte jemand wissen, mit welchem der Videos von Bent Branderup er beginnen soll, so empfehle ich dieses hier. „Aber der Sitz ist doch die primäre Hilfe“ mag man nun sagen, wieso nicht mit dem Video über den Sitz beginnen? Ja, die Hand gibt nur sekundäre Hilfen, dennoch ist es die Hand, mit der man am meisten falsch macht. Das ist der eine Grund, dieses Video an den Anfang zu stellen. Der andere ist, dass in diesem Video das Reiten von Grund auf erklärt wird. Nirgendwo sonst habe ich den akademischen und historischen Gedanken der Reiterei auf Basis und im Einklang der neusten Erkenntnisse der Biomechanik des Pferdes so gut erklärt gesehen. Daher setzte ich dieses Video auf eine Schlüsselstelle. In der Hand liegt auch der am besten wahrnehmbare Unterschied zwischen der Reiterei – fast mag ich sagen – des letzten Jahrzehnts und den Tausenden von Jahren zuvor. Damit meine ich nicht die verdammungswürdigen Auswüchse wie „Rollkur“ und Co., sondern die Methode das Pferd mit der Einwirkung auf das Maul zu wenden. Dies ist neu – was viele erstaunen mag. Gewendet wurde das Pferd zuvor mit den Zügeln, „und wenn ich ‚Zügel‘ sage, meine ich ‚Zügel'“ definiert Bent Branderup, am Hals über die Schulter, denn das „Maul hat keine Beine“.

Weiter wird dargestellt und erklärt, wie man in der Hand spürt, ob der Schub der Hinterhand nach hinten heraus oder ihr Vorgriff dominiert. Wir lesen bücherweise über dieses Thema, und bekommen es hier so einfach in ein paar Minuten dargestellt – denn im Grunde ist es auch einfach, was so viele Reitmeister uns eigentlich sagen wollen und mit so vielen missverstandenen Begriffen umschreiben. Der ansonsten so sehr wortreiche Bent Branderup bringt es mit einer einfachen Erklärung mittels der Biomechanik auf den Punkt.

Natürlich werden ebenso die verschiedenen Arten der Zügelführung erklärt, ihre Vor- und Nachteile, so dass man situationsbedingt die beste für diesen Moment wählen kann. Von der Haltung der Zügel, wenn man nur das Caveçon/Trense verwendet, über alle Zwischenschritte bis hin zur Kandare blank, wird das Greifen und Sortieren der Zügel erklärt, ohne dass man in die Zügel oder Finger einen Knoten bekommt.

Ein sehr wichtiges – und akademisches – Kapitel ist ebenso, dass man dem Pferd vom Boden aus erstmal beibringt, was die Signale auf der Nase und im Maul bedeuten, so dass es ihnen mit Durchlässigkeit folgen kann. Hierin sehe ich den sichtbarsten Unterschied zu anderen Reitweisen. Die Kandare ist ein Sensor und kein Druckmittel. Und wir können bereits vom Boden aus üben, die Signale der Pferdes richtig zu verstehen und daraufhin die Richtung unserer Ausbildung lenken. Vertieft wird dies dann an Hand von praktischen Beispielen, welche auch das Auge für das eigene Pferd schulen.

Diesen Videokurs empfehle ich auch allen Reitern, welche nicht den Weg der akademischen Reitweise einschlagen möchten. Das Wissen, welches hier vermittelt wird, empfinde ich als so wichtig und grundlegend, dass es für jeden Reiter ein Aha-Erlebnis ist und er seine eigene Vorgehensweise bewerten und verbessern kann.

Das Videoseminar wurde von Bent Branderup und Bianca Grön erstellt. Der Lehrgang besteht aus 9 Videos mit einer Gesamtlänge von 1:18h. Er ist in Englisch und sehr gut zu verstehen. Wie die anderen ist er online zugänglich und nicht downloadbar.

Links:

http://www.bentbranderupshop.com/the-hand.html

Foto:
Lotte Lekholm, http://www.facebook.com/lotte.lekholm

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Rezension: Videokurs „Academic use of the whip“ von Bent Branderup

Dieses ist der Artikel 7 von 8 in der Serie Rezensionen
Bent Branderup erklärt in diesem Videoseminar die sehr komplexe Hilfegebung mit der Gerte. Foto: Lotte Lekholm

Bent Branderup erklärt in diesem Videoseminar die sehr komplexe Hilfegebung mit der Gerte.
Foto: Lotte Lekholm

Woran erkennt man den akademischen Reiter? Er hält die Gerte so komisch. Und außerdem: kann er sich nicht mal eine richtige leisten und schneidet sich einen Stecken vom Busch ab?

Wie viel ist doch von dem Wissen um die Gerte und ihre Anwendung verloren gegangen. Selbst meine Lehrer kannten diese komplexe Art der Verwendung nicht mehr. Standardgemäß liegt die Dressurgerte auf dem Oberschenkel der inneren Seite der Bahn und wird dort kurz hinter der Ferse ans Pferd getippt, falls das nötig sein sollte. So kennen wir das alle.

Doch die Gerte kann viel mehr. Bent Branderup entführt uns in seinem Video zuerst in die Vergangenheit und erörtert an alten Bildern, wie damals die Gerte angewendet worden ist. Sie unterstütze die primären Hilfen des Sitzes. Dabei wird sie dem Pferd oftmals einfach nur an der richtigen Stelle gezeigt. Das Pferd weiß, was damit gemeint ist. Bent Branderup erklärt dann, wie wir dem Pferd die Bedeutung der Deutungen mit der Gerte lehren. Sie ist einerseits von Boden aus der verlängerte Arm des Ausbilders und kann daher nicht nur die Schenkeleinwirkung vorbereiten, sondern auch die angelegten Zügel, die Position der Schulter bestimmen und, bei Fortgeschrittenen, die Beugung der Hanken. Andererseits ist sie das Bindeglied zwischen Boden- und Handarbeit und dem Reiten. Sie ist die Übersetzerin der Hilfen des Reiters, wenn das junge Pferd den Sitz zu verstehen lernt.

Dazu verdeutlicht Bent Branderup die Ethik der akademischen Reitweise. Mit der Gerte wird niemals geschlagen. Darum ist sie auch aus Holz, der trockene, dürre Stecken bricht beim Schlag sofort – im Gegensatz zu den Kunststoffgerten. Das Pferd gehorcht nicht aus Angst, sondern weil es verstanden hat, was gemeint ist, und weil ihm die Arbeit Freude bereitet.

Wie man so eine Gerte aus Holz selbst herstellen, vom Schneiden bis zum „Geraderichten“, wird anschaulich gezeigt. Ich habe mittlerweile auch so eine kleine Gertensammlung, benutze aber immer noch die erste, welche ich in die Finger bekam. Diese macht an ihrem Ende einen leichten Knick, den ich sehr praktisch finde, um Príncipe im Kruppeherein auf mich zukommen zu lassen. Es macht richtig Spaß, mit verschiedenen Hölzern zu experimentieren. Bent Branderup bevorzugt Obstgehölz, wie er uns erzählt.

Dann bekommt man auch noch Hausaufgaben auf: Fechtübungen. Nein, wir müssen niemanden ins Herz treffen, sondern unsere Körperbeherrschung und das Rhythmusgefühl trainieren. Damit wir nicht nur wissen, was wir dem Pferd mitteilen wollen, sondern es auch mitteilen können.

Für mich war dieser Videolehrgang ein wichtiger Meilenstein um zu verstehen, was mit der Gerte in den anderen Videos und Seminaren, welche ich besuche, gemacht wird. Dahinter ist so viel Wissen verborgen, welches heute einem Reitschüler schon langen nicht mehr gelehrt wird. Daher bezeichne ich ihn als einen der wichtigen Bausteine, um die akademische Reitweise zu verstehen.

Das Videoseminar wurde von Bent Branderup und Bianca Grön erstellt. Der Lehrgang besteht aus 8 Videos mit einer Gesamtlänge von 1:04h. Er ist in Englisch und sehr gut zu verstehen. Wie die anderen ist er online zugänglich und nicht downloadbar.

Links:
http://www.bentbranderupshop.com/videos/academic-whip.html

Foto:
Lotte Lekholm, https://www.facebook.com/lotte.lekholm

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Des Reiters Sitz – Seminar der akademischen Reitkunst mit Bent Branderup März 2014 in Wendlmuth

Bent Branderup erklärt, welche Auswirkung die S- und die C-Linie der Halswirbelsäule auf den Schwung des Pferdes in der Bewegung haben.

Bent Branderup erklärt, welche Auswirkung die S- und die C-Linie der Halswirbelsäule auf den Schwung des Pferdes in der Bewegung haben.

„Wenn Du es fühlst, weißt Du es.“

Am 15. Und 16.März 2014 besuchte ich mein drittes Branderup-Seminar in Wendlmuth bei Bad Füssing. Sabine Oettel organisierte mit Bravour die sehr große Teilnehmerschaft. Und der Kuchen war sensationell – vielleicht auch, weil er für mich mit meiner Diät EIGENTLICH streng verboten ist.

Wie gesagt, dies war mein drittes Seminar, das ich als Zuschauer besuchte. Dennoch gab es für mich einen Unterschied zu den Vorherigen, und das lag nicht an der Themenwahl von Herrn Branderup. Ich habe seit dem letzten Seminar angefangen, die Onlinekurse einen nach dem anderen mir freizuschalten. Bodenarbeit, Longenarbeit, Handarbeit und Akademische Reitkunst, welche in Zusammenarbeit mit Herrn Lubetzki entstanden sind. Hierzu wird es später nach und nach Rezensionen von mir geben. Dann noch Diary of Swan und ganz neu: The Whip, welche Frau Bianca Grön aufgezeichnet hat.

Dadurch wurde meine Sicht auf die Themen immer dichter, denn obwohl sie sich scheinbar wiederholen – Herr Branderup muss ja auch die Neulinge thematisch mitnehmen – taucht immer wieder ein neuer Blickwinkel auf. Und immer leichter fällt es mir, die Lehrsätze, welche ich in meinem Leben gehört habe, zu sortieren, einzuordnen, als richtig zu erkennen oder zu verwerfen. Interessant ist dabei, dass je älter der Lehrsatz, je länger es her ist, dass ich er mir gelehrt wurde, desto richtiger ist er. Erst später kam der Unsinn hinzu. Beispiel: „Du muss so viel Kraft auf den Zügeln haben, dass es ungefähr 8 kg entspricht!“ (An alle physikalisch Gebildeten unter uns: hier gehe ich mal nicht auf den Unterschied zwischen Masse und Kraft ein…)

Die akademische Reitweise basiert auf der Biomechanik des Pferdes. Sie ist dem Pferd individuell angepasst, auf seinem Geist und seinem Körper, seinem seelischen Zustand und seinem Ausbildungsstand. Doch das ist nur die eine Seite. Genau so wichtig ist es, dass das Pferd mitmachen will, damit es etwas lernt. Und dies gilt nicht nur für Pferd. Da hatten es die Reiter und Pferde beim Seminar etwas schwer, da es natürlich ausgerechnet an diesem Wochenende fürchterlich stürmte und es unheimliche Geräusche gab. So wurde der Unterricht den Pferden angepasst und letztendlich machten die Pferde mit.

Bodenarbeit und der Sitz waren die Themen. Zu Fühlen, was die Hinterbeine des Pferdes machen, wie der Schwung durch das Pferd geht. Und natürlich die Grundlagen des Biegens. Die Reiter zeigten ihre Fortschritte vom Boden und vom Sattel aus. Herr Branderup nahm auch Prüfungen ab. Hier wollte ich eigentlich mehr schreiben…

Dieses Mal tue ich mir unheimlich schwer, diesen Artikel zu schreiben, denn ich schleiche immer noch wie eine Katze um den heißen Brei. Darum tipper ich meine Gedanken einfach mal so runter: es gehört so viel Wissen dazu um zu sehen, was da eigentlich passiert, dass ich bezweifle, dass verbildete Reiter dies können.

Hierzu mal ein Beispiel: ich saß recht weit hinten, und umso weiter weg vom Vortragenden, umso mehr wird geflüstert. Daher konnte ich recht gut die Gedanken der TeilnehmerInnen wahrnehmen. Als ein Reiter wunderbare Ansätze des Schulschritts mit seinem Pferd zeigte, hörte ich folgenden Kommentar: „Ich glaube, dass mit dieser Reiterei ist doch nix für mich, die können ja noch nicht mal richtig Schritt gehen. Das ist ja nur ein Herumgestoppsel.“

Heutige Reiter wissen gar nicht mehr, dass es den Schulschritt gibt, ein Schritt im Zwei-Takt. Mein Reitlehrer Ballmann vor tausenden von Jahren wusste das noch: wir haben den Mittelschritt und den starken Schritt, den ihr reiten könnt, wenn ihr richtig gut seit. Dann gibt es noch den Schulschritt, doch den lassen wir weg, er ist zu schwer zu reiten für uns, das ist nur was für die GANZ hohe Schule. – das GANZ hab ich noch ihm Ohr.

Auch ich bin immer noch am sortieren und lernen. Mokierte sich doch auch unser geliebter Steinbrecht über Baucher mit seinem „Galopp rückwärts“ – und versperrt damit die Akzeptanz des terre à terre. (Warum macht er das nur? Steinbrecht kannte meiner Meinung nach als Newcastle-Fanboi das terre à terre. Sein Mentor Seeger hasste Baucher so sehr, dass er sogar ein Buch geschrieben hat, um diesen zu diskreditieren. Hat Steinbrecht es deshalb in seine eigenen Aufzeichnungen geschrieben, oder kommen die Worte doch von Plinzner?)

Es ist zwar fast unmöglich zu wissen, was man nicht weiß, aber vielleicht ist es keine schlechte Idee, das Vorwissen für die Teilnehmer zu erhöhen. Klar kann man in Blogs wie diesem schreiben, dennoch bezweifle ich, dass es gelesen wird. Eine andere Idee will ich mal an die Seminarveranstalter weitergeben: Schulschritt, terre à terre, wie sieht eine richtige Levade aus, usw. Was gibt es sonst noch außer Schritt, Trab, Galopp, Tölt und Pass.

Dies ist nun kein beschreibender Artikel über ein Seminar geworden, und ich habe meine Gedanken immer noch nicht ganz geordnet. Dennoch, denn es geht ums Lernen. Wie Joda schon sagte: „Alles, was du gelernt, vergessen du musst!“ Alles in Frage stellen und prüfen. Sich auf eine Reise mit dem Pferd zusammen begeben und von einander lernen. Und das gefällt mir an der Art der akademischen Reitweise, wenn ich etwas falsch mache, sagt mir mein Pferd einfach: „nö, falsch“, weil sie ihm die Möglichkeit dazu lässt.

Was kann ein Seminar besseres auslösen?

 

Ballotade-Prüfung von Sabine Oettel mit  ihrem Frederiksborger Jarl

Ballotade-Prüfung von Sabine Oettel mit ihrem Frederiksborger Jarl

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Rezension: Bodenarbeit – ein Videokurs von Bent Branderup

Dieses ist der Artikel 5 von 8 in der Serie Rezensionen
Veranschaulichen und erklären, was "Biegen" eigentlich ist. Hier das Führen der Schulter als Vorbereitung zum Kruppeherein. Das Schulterherein als Grundlage zum Kruppeherein.

Veranschaulichen und erklären, was „Biegen“ eigentlich ist. Hier das Führen der Schulter als Vorbereitung zum Kruppeherein. Das Schulterherein als Grundlage zum Kruppeherein.

„Das Pferd muss zuhören wollen.“ Mit dieser Aussage begrüßt uns Bent Branderup und verrät uns damit sein erstes Geheimnis der akademischen Reitkunst. Eine freundschaftliche Schüler-Lehrer-Beziehung, basierend auf gegenseitigen Respekt und Sympathie, ist die Grundlage allen weiteren Vorgehens. Horsemanship mit Ruhe und Gelassenheit (mein Lieblingsgefühl) ohne Longengefuchtel, Showeinlagen oder Dominanzrechtfertigungen. Lieber Herr Branderup, falls Sie dies lesen, machen Sie doch mal eine kleine Videoreihe über dieses Thema.

Erst, wenn die Beziehung zwischen Pferd und Mensch stimmt, können wir mit der „Arbeit“ beginnen. Im Bodenarbeitteil der Videoreihe des Kurses lernen wir, wie wir mit unserem Pferd zusammen Schritt für Schritt seine Balance, Geschmeidigkeit und Taktreinheit aufbauen. Im ersten Teil? Ja, Überraschung: der Kurs besteht aus 2 Teilen, Bodenarbeit und Longenarbeit, mit insgesamt 27 Lehrvideos , 4 Bonusvideos und einem Skript, welches man sich downloaden kann. Ich habe mir daraus ein kleines DIN A5-Handbuch gedruckt. Auf einen Theoriepart folgen praktische Beispiele und Anwendungen mit verschiedenen Pferden unterschiedlichen Ausbildungsstandes und Talentes demonstriert, so dass man den Blick für das eigene Pferd schulen kann.

Der "kleine Cara" zeigt und demonstriert uns die Übungen für ein Pferd seines Ausbildungsstandes.

Der „kleine Cara“ zeigt und demonstriert uns die Übungen für ein Pferd seines Ausbildungsstandes.

Der Kurs ist in Deutsch und wurde in Zusammenarbeit mit Marc Lubetzki, dem bekannten Tierfilmer, erstellt. Er steht online zur Verfügung, man kauft den Zugang zu den Videos. Für mich ist das ein kleiner Wehrmutstropfen, da auch die – in meinem Fall – Telekom mit daran verdient. Wichtig finde ich: ich kann die Videos mit meinen iDingern, iPhone und iPad, auf dem Sofa oder im Stall ansehen. Tipp: auch wenn die Videos den Ausbildungsfortschritt der Pferde begleiten, ist es von Vorteil alle vorher mehrmals anzusehen, da sich dann der Zweck der Basisarbeit wesentlich besser erschließt. „Die Basis muss eine Basis für etwas sein, sonst ist sie keine Basis.“ – Bent Branderup. Und dann werden Sie auch diesen Satz verstehen.

Im Vergleich dazu der ältere Corazon.

Im Vergleich dazu der ältere Corazon.

Zuallererst lernen wir die gemeinsame Mensch-Pferd-Pferd-Mensch-Sprache. Diese Grundlage kann man gar nicht oft genug erwähnen.

In der Bodenarbeit stehen wir direkt am Pferd und verwenden einen Kappzaum. Wir bitten das Pferd sich richtig zu biegen, unterzutreten und die Grundbewegungsabläufe zu lernen. Ziel ist es, dass unser Pferd das von sich aus macht und nicht auf unseren Zug hin. Ziehen wir das Pferd, so haben wir immer von ihm einen Gegenzug, welcher die falschen Muskel zum Anspannen bringt, und wir damit das Gegenteil von dem, was wir wollen, erreicht haben. Dies ist das zweite Geheimnis der akademischen Reitkunst. Das Pferd trägt sich selbst. Erst wenn es dies kann, kann es später auch den Reiter mittragen. Es ist immer in Balance.

Die Longenarbeit baut logisch darauf auf. Somit ist sie in der akademischen Reitkunst mehr als ein Herumtreiben im Kreis, wie ich es leider immer noch so oft sehe. Das Pferd lernt ohne Hilfszügel sich selbst zu tragen, seine Balance zu finden, geschmeidig zu werden. Um dies zu erreichen, werden die Übungen an der Longe zu einem abwechslungsreichen und interessanten Ballett des Pferdes. Als ich vor über tausend Jahren mit dem Reiten angefangen habe, haben unsere Lehrer uns noch erklärt, wozu man dies oder jenes macht. Irgendwann gab es dann einen Bruch, und das Wissen schien verloren. Ich habe mal nachgerechnet: mein ältester Reitlehrer hat um 1900 als junger Mann das Reiten gelernt. Ich war damals sehr jung und er sehr alt. Er kam immer wieder an den kleinen Reitplatz, auf dem ich übte und es entwickelt sich eine Freundschaft. Wir beide bezogen uns auf Steinbrecht. Er erzählte von der Kavallerie, und wie das damals war. Ich schweife ab…

Gebogenes Gerade, Blickschulung, Positionierung, alles Themen, die heute nicht mehr in Reitschulen gelehrt werden. Hier steht das Wissen wieder zur Verfügung und ich meine, dass jeder Pferdemensch es nützlich finden kann, es in seine eigene Reitweise einzufügen, sei es im Spring-, Westernreiten oder auch der Doma Vaquera.

Damals war ich teilweise schon Autodidakt, heute bin ich es zur Gänze. Und hier greift der Kurs von Bent Branderup ein. Ich halte ihn dafür geeignet, mich und mein junges Pferd auf das Reiten vorzubereiten, so ich es mir vorstelle. Ich habe zwar das Glück in meiner Nähe eine Meisterin der akademischen Reitkunst zu haben, dennoch, selbst wenn ich es nutzen würde, würde ich doch die allermeist Zeit alleine arbeiten. Es wäre interessant zu erfahren, ob die Branderup-Videokurse alleine ausreichen, um sich und sein Pferd auszubilden. Für mich selbst denke ich ja – arrogant, wie ich bin – , und könnte ich es mal tatsächlich so durchführen und Príncipe und mich später zur Überprüfung Herrn Branderup vorstellen.

http://www.marc-lubetzki.com/8961

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Besprechung der Überarbeitung: Akademische Reitkunst: Eine Reitlehre für anspruchsvolle Freizeitreiter von Bent Branderup

Dieses ist der Artikel 3 von 8 in der Serie Rezensionen
Bent Branderup stellt seine komplett überarbeitete Ausgabe der "Akademischen Reitkunst" vor.

Bent Branderup stellt seine komplett überarbeitete Ausgabe der „Akademischen Reitkunst“ vor.

Die Ausgabe „Akademische Reitkunst: Eine Reitlehre für anspruchsvolle Freizeitreiter“ ist 2013 überarbeitet worden. Naja, denkt man, na und? Lohnt es sich überhaupt die neue Ausgabe anzuschaffen?

Gleich vorneweg: es ist ein komplett anderes Buch, mit vielen neuen Ansätzen und Erklärungen. Schritt für Schritt wird der Leser nicht nur in die Welt der akademischen Reiterei eingeführt, sondern kann diese für sein Pferd umsetzen. All das, was in der ersten Ausgabe angeschnitten wurde, ist nun präziser ausgearbeitet worden.

Zuerst werden die Grundlagen besprochen, Ausrüstung und Handwerkszeug, der Sitz, Schenkelhilfen und Zügel. Dann führt uns Bent Branderup durch die akademische Ausbildung der Pferde, zunächst vom Boden aus, später zusammen mit Reitlektionen. Wir begeben uns also auf eine Reise, welche Jahre dauert. Sie beginnt im Stand ohne Reiter mit den ersten – richtigen – Biegeübungen und endet bei der Kapriole. Alles geschieht am lockeren Zügel, ohne Hilfszügel, in ruhiger Selbsthaltung. Gerade dies kommt in diesem Buch besonders zur Geltung.

Es wird definiert, was zum Beispiel Balance, Durchlässigkeit und Schwung ist. Ich hätte mir gewünscht, dass Bent Branderup auch das Geraderichten einmal klar in seinem Buch erklärt hätte, so wie er es bei den Kursen macht, denn es gibt bezüglich diesem besonders viele Missverständnisse, welche zu blendendem und taktunreinem „Vorderhandtrab“ führen. Tatsächlich sind alle Lektionen dafür da, das Pferd geradezurichten und somit Reiten auf eine gesundheitlich wichtige Basis zu stellen. Doch ein anderes, mit Missverständnissen belastetes Thema, wird angesprochen: die Leichtigkeit. Suchende, welche sich von der kraftfordernden Zügelhand der FN abwenden, verfangen sich hier in anderen gesundheitsschädlichen Fallen.

Neu am Buch sind die Links zu den Videos, welche auf der Homepage von Bent Branderup zur Verfügung stehen. Die alte Ausgabe hatte eine DVD mit dabei, in welcher die Lektionen teilweise nochmals erklärt wurden. Nun sind die Trailer zu weiteren Videos, welche das jeweilige Thema behandeln, direkt im Buch über QR-Code abrufbar. Zurzeit der Erstellung dieses Artikels ist zwar das Video, zu welchem der Code auf dem Umschlag auf Youtube leitet, per iPhone abrufbar, die anderen im Buch leider nicht. Hierzu muss man den gefundenden Link noch in den Computer eintippen und dabei das htm am Ende durch html ersetzen. Es wurde mir versichert, dass man allerdings daran arbeitet, dass diese links auch auf dem iPhone funktionieren. Daher ist dieser Artikel auch so lange nach dem Erscheinen des Buchs veröffentlicht, ich wollte ursprünglich auf die Lösung warten. Wenn diese dann kommt, werde ich dies mitteilen und die Zeilen hier ändern. Nun sind auch die anderen Videos im Buch mit dem iPhone abrufbar, das Team hat das Problem gelöst.

Vergleiche ich die Videos mit der in der alten Ausgabe enthaltenen DVD, dann empfinde ich diese als Rückschritt. Allerdings kenne ich kein bisher einziges anderes Buch über Reiterei, welches überhaupt die Möglichkeit bietet, das Gelesene in bewegten Bildern zu sehen. Und obwohl die Videos Trailer und damit Werbung für die entsprechende Video-Kurs-Reihe ist, sind sie eine wichtige Ergänzung für die geschriebenen Erklärungen. Auf meiner Reise mit Príncipe werden ich mir diese Videokurse nach und nach freischalten, sie kommen meiner Art als Autodidakt und Besserwisser, mit dem jeder Lehrer so seine Schwierigkeiten hat, sehr entgegen.

Geeignet ist das Buch – und auch die Akademische Reitkunst – für alle, welche mit ihrem Pferd eine schöne Zeit verbringen, ohne falschen Ehrgeiz sich und sein Tier weiterbilden und nicht zuletzt gymnastizieren und gesund erhalten möchten. Nachdem, was ich so in Hallen und auf Reitplätzen sehe, könnte so eine fundierte Grundausbildung von Reiter und Pferd keinem schaden, auch wenn später Springturniere das Ziel der Reiterei sein sollen.

„Akademische Reitkunst“ hört sich sehr hochtrabend und unverständlich an und steht im Gegensatz zu den einfachen Grundregeln, welche sehr verständlich im Buch mit Wort, Bild und Videos erklärt sind. Man muss sich nicht das Gehirn verrenken, Zeitgeschichte bezüglich der Pferde studiert haben oder Textinterpretationstechniken oder Sekundärliteratur zu Rate ziehen, um zu verstehen, was der Autor meint. Von meiner umfangreichen Reitliteratur gehört dieses Buch zu den am meisten an der Praxis orientierten.

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Des Reiters Hand

Bent Branderup theoretische Grundlagen. Die Theorie ist wichtiger, als man so denkt!

Bent Branderup theoretische Grundlagen.
Die Theorie ist wichtiger, als man so denkt!

Mein zweites Seminar bei Bent Branderup.

Organisiert hat dies wiederum Sabine Oettel in Wendlmuth nahen Bad Füssing auf der neuen Reitanlage der Familie Andraschko. Auch dieses Mal war es doch recht kalt, aber die Halle machte uns wetterunabhängig.

Wie bei allen Seminaren gab es zuerst die Theorie um das später Gesehene richtig einordnen zu können. Thema dieses Seminares war die Reiterhand – und für mich besonders passend – und wie ich sie mit meinem Pferd vom Boden aus schulen kann.

Dazu muss man wissen, dass die akademische Reitweise alle Lektionen vom Boden aus anfängt, verfeinert oder auch vertieft, je nach Veranlagung des Pferdes. „Die Dressur ist für das Pferd da, nicht das Pferd für die Dressur!“ Bent Branderup

Somit simulieren wir also vom Boden aus die Reiterhand, als würden wir auf dem Pferd sitzen. Die akademische Reitkunst nennt dies: Arbeit an der Hand. Die Bodenarbeit ist an der je nachdem weniger oder mehr langen Longe, die Arbeit an der Hand direkt am Pferd mit den zwei oder vier Zügeln, welche am besten dort gehalten werden, wo sich auch beim Reiten die Hand befindet. Ist das Pferd für seinen Ausbilder dafür zu groß, kann dieser sich etwas erhöht stellen und somit wenigstens im Stand üben. Ansonsten bleibt seine Hand unten am Kopf und er arbeitet mit seinem Pferd von dort aus und überspringt die Handhaltung über dem Widerrist.

In der Praxis übten dann die Teilnehmer mit ihren Pferden unter den Augen des Meisters, diese Handarbeit. Dabei war erst mal wichtig, ein Gefühl für die Reaktion des Pferdes in der Hand zu bekommen, ob es sich feststellt oder nachgibt. Ob Paraden tatsächlich durch gehen oder nur vom Genick oder offenen Maul „geschluckt“ werden. So konnten die Teilnehmer lernen, wie es sich richtig anfühlt. (Hier eine Anmerkung von mir: wenn ich bedenke, mit wie viel Kraft es heutzutage üblich ist, dem Pferd im Maul zu hängen, wird mir ganz übel. Mein Reitlehrer von damals gab Reitern mit harten Händen ein Pferd mit Polokandare gezäumt. Dieses warf den Reiter dann kurzerhand ab, wenn er wieder zulangte, es hatte die Lizenz dazu. Jeder Reiter, der das hinter sich hatte, ritt nur noch mit Samtpfötchen.)

Der erste Tag endete sehr spät, und ich konnte, nachdem ich meinen kleinen Quängelhund nach Hause gebracht hatte, noch am gemeinsamen Abendessen teilnehmen.

Der zweite Tag begann wieder mit Theorie, dabei wurde auch ein aktuelles Thema erörtert: wie schwer darf ein Reiter sein. Bent Branderup erklärte, dass es nicht so sehr auf das Gewicht ankommt, sondern auf das Können. Hier muss ich etwas grinsen, denn seinen Sattel gibt es nicht in verschiedenen Größen für den Reiter. Ein zu dicker Reiter passt da halt nicht rein und muss erst mal abspecken. Einer der besten Reiter der Welt, Nuno Oliveira wog 110 kg, nur mal so als Information.

Beide Themen betrafen mich. Die Arbeit an der Hand, da Príncipe im Moment genau an der Stelle ist, wo ich von der Bodenarbeit in die Handarbeit gehen kann. Aber auch die Bedenken wegen des Gewichts. Ich wiege nicht mehr als ein normaler Mann, dennoch unterziehen ich mich gerade einer Diät, wegen Príncipe.

Auch dieses Mal hatten wir unter anderem Teilnehmer mit ihren Pferden dabei, die zwar auch letztes Mal teilnahmen, welchen dennoch die Grundlagen fehlten. Trotzdem konnte ich am Körperbau ihrer Pferde eine positive Entwicklung feststellen, auch wenn diese Reiter offensichtlich in ihren Heimatställen keine Unterstützung und Hilfe bekamen. Bent Branderup empfahl diesen Teilnehmern, sich erst einmal an seine Schüler zu wenden, bevor sie einen Kurs bei ihm selbst belegen.

Um 14 Uhr war der Kurs dann vorbei. Schade.

Mal sehen, was Príncipe und mir das nächste Jahr bringt, wie weit wir kommen. Gerne würde ich ihn bei den Andraschoks und Sabine Oettel mal eine Woche einstellen, damit er lernt, auch in fremder Umgebung konzentriert zu arbeiten.

Ein paar Worte mit auf den Weg. (Der Hund liegt da freiwillig. Er hat sich vor versammelter Mannschaft sein Plätzchen gesucht.)

Ein paar Worte mit auf den Weg.
(Der Hund liegt da freiwillig. Er hat sich vor versammelter Mannschaft sein Plätzchen gesucht.)

Bent Branderup:     www.bentbranderuptrainer.com

Sabine Oettel:         http://www.akademische-reitkunst.at/

Familie Andraschko:     http://www.der-barockreiter.de/

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Besprechung: Das Video „Diary of Swan“ von Bent Branderup und Bianca Grön

Dieses ist der Artikel 1 von 8 in der Serie Rezensionen

Diary of Swan Einen Dank an Bianca Grön, welche mir dieses Foto für den Artikel zur Verfügung gestellt hat. Den Link zum Trailer findet Ihr am Ende des Artikels

Diary of Swan
Einen Dank an Bianca Grön, welche mir dieses Foto für den Artikel zur Verfügung gestellt hat.
Den Link zum Trailer findet Ihr
am Ende des Artikels

Schon länger überlegte ich mir das Video „Diary of Swan“ von Bent Branderup und Bianca Grön anzuschaffen. „Anzuschaffen“ ist nicht der richtige Ausdruck, denn man bekommt nur einen Onlinezugang zum Video. Dies war auch der Punkt, der mich so lange zögern ließ. Dennoch konnte ich der Versuchung nicht widerstehen.

Bent Branderup zeigt in diesem Video von 2:20 Std. Länge die Ausbildung seines PRE-Hengstes, welchen er „Swan“ nach einem historischem, diesem ähnlichen Pferd, getauft hatte. Wir begleiten das erste Jahr, vom rohen Pferd bis zum eingerittenen Youngster.

Interessant sind zwei Vorgaben: erstens, Swan ist ein wirklich rohes Pferd, aufgewachsen mit Gleichaltrigen sozusagen in der Wildnis, wie es heute noch in Spanien häufig praktiziert wird. Und zweitens, Swan ist vier Jahre alt, als die Arbeit beginnt. Dies war früher übrigens das übliche Alter um mit der Ausbildung der Pferde anzufangen.

Die Ausbildung beginnt Branderup immer sorgfältig vom Boden aus. Erst wenn ein Schritt der Gymnastizierung geschafft ist, beginnt er mit dem nächsten. Ich sage „Gymnastizierung“, weil der Begriff „Übung“ hier irreführen kann. Es werden nicht, wie bei der FN, Übungen abgeritten, deren Zweck den Reitschülern längst nicht mehr bekannt ist, und das Pferd dabei mehr oder weniger zufällig gymnastiziert wird, sondern alle Übungen im Video dienen der Gymnastizierung der einzelnen Muskelgruppen. Auch muss Swan erst die Hilfen lernen und begreifen. Ganz besonders gefällt mir eine Stelle im Video, das mit einem Klavierstück unterlegt ist, welches das Lernen und Üben nochmals verdeutlicht.

Bent Branderup trainiert Swan über Schulterherein und Kruppeherein wie es auch Guérinière getan hat und vor diesem bestimmt auch bereits andere. Swan baut, wie man sehen kann, in dieser Zeit Muskel auf, wird geschmeidig und gewinnt an Selbstvertrauen.

Nun habe ich ja Príncipe, welcher demnächst 3 Jahre alt wird. Natürlich ist er schon in der „Ausbildung“ bei mir, was aber nicht einreiten und longieren bedeutet, sondern Freundschaft und Vertrauensaufbau – und Respekt, junge Hengste brauchen auch dies. „Vorarbeiten“ werde ich erst im Herbst, wenn er 3,5 Jahre alt ist, richtig anfangen dann mit 4 im nächsten Sommer. Leider sagt Bent Branderup nicht, wie oft und wie lange er mit Swan diese Gymnastik betreibt. Ich werde sie am Anfang nicht länger als 20 min halten, vielleicht zwei mal am Tag. Es wird Tage ohne Training geben, weil ich beruflich unterwegs bin. Aus meiner Erfahrung raus wird es jungen Pferden sehr bald langweilig, wenn man immer wieder zu lange das gleiche macht. Auch werde ich etwas anders vorgehen müssen, da ich keine Hilfe von unten habe und bei der Ausbildung der Pferde alleine bin. Ich weiß, das ist nicht ideal und eigentlich auch gefährlich. Doch habe ich meinen Schülern bisher immer sehr vertraut. Wie auch Bent Branderup im Video klar macht, ist das Halten auf Kommando fundamental.

Vertraut machen mit dem Sattel, immer alles erst mal vom Boden aus, biegen, entspannen. Dann vorsichtig das erste Reiten, vorerst noch an der Longe, bis zum Gymnastizieren vom Sattel aus. Ganz nebenbei lernt man was über den Sitz, die Hilfen, Einwirkung von Caveçon und Kandare.

Wir verlassen Branderup und Swan ein gutes Jahr später, Swan versteht die Hilfen und beherrscht im Schritt und Trab die Grundlagen der Seitengänge.

Haben sich die 49,00 € für mich gelohnt? Ja, auf jeden Fall. Ein Aha-Erlebnis für mich war der Gebrauch der Gerte als Verlängerung des Arms und als „Zeigestab“. Diese habe ich bisher zwar von Boden aus verwendet, aber beim Reiten weggelassen, da ich bisher sie nach FN nur als vorwärts treibende Komponente wahrgenommen habe und Vorwärtstreibend bei Vollblutarabern eher kontraproduktiv ist. Wie Branderup sie verwendet ist sie offensichtlich eine sehr große Hilfe, welche ich bei Príncipe verwenden werde. Ich bin sicher, jeder kann hier sein Aha-Erlebnis finden. Des weiteren ist das Video keine Schönmalerei, sondern ein realistisches Tagebuch. Mal geht es schnell vorwärts, mal sehr langsam. Doch das spielt keine Rolle, wenn jede Lehrstunde mit einer kleinen Verbesserung endet. Das Ziel ist nicht eine möglichst schnelle Ausbildung, sondern eine solide für viele Jahre mit dem Pferd in Freundschaft.

Somit finde ich das Video nicht nur für erfahrene Ausbilder, welche reflektieren wollen, empfehlenswert, sondern auch für Anfänger, da man mit Swan ebenfalls die Hilfen erklärt bekommt. Nicht geeignet ist es wohl für Reiter, welche ihre Pferde als „Kracher“ reiten wollen. Viel zu fein und viel zu unspektakulär ist die Gymnastik. Für Umdenker ist das Video allerdings ein geeigneter Einstieg.

Was ich noch erwähnen sollte: das Video ist in einem sehr gut verständlichen Englisch.

Hier der Link für den Trailer:
http://www.bentbranderupshop.com/movieplayer/player/play/id/12/

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Der Mensch muss verpferdet werden

Um dieses schöne Foto zu machen, ging ich wegen der Augenhöhe sogar auf die Knie *g Herr Branderup, danke für das interessante Seminar.

Um dieses Foto zu machen, ging ich wegen der Augenhöhe sogar auf die Knie *g
Herr Branderup, danke für das interessante Seminar.

Dies lehrte uns Bent Branderup auf dem Seminar letztes Wochenende.

Wie Ihr wisst, will ich nach meinem Dornröschenschlaf an meine alten Reitlehren anknüpfen. Im Internet bin ich dann auf Bent Branderup gestoßen und habe mir seine Bücher und DVD besorgt. Auch in youtube lässt sich einiges über ihn finden. Es schien mir interessant genug um es weiterzuverfolgen.

Sabine Oettel, welche die „Ritterprüfung“ bei Bent Branderup abgelegt hatte, organisierte ein Seminar in dem mir nahen Bad Füssing auf der neuen Reitanlage mit Halle und allem drum und dran der Familie Andraschko. Das machte den Kurs wetterunabhängig. Kalt war es dennoch und wir hatten uns alle in warme Decken eingemummelt. Die Andraschkos versorgten die Teilnehmer mit Kaffee, Kuchen und einer ausgezeichneten Gulaschsuppe – für 1 €. (Den Kuchen ließ ich stehen – seufz -, sollen bei mir doch bis Ende des Jahres 20 kg runter.)

Zuerst gab es Theorie. Die Biomechanik des Pferdes und der entsprechend darauf eingehende Sitz. Nach all dem Baucher und Racinet endlich jemand, der das ausführlich erklärte, was mir meine alten Lehrer beibrachten. Ich bin also doch nicht so ganz alleine damit.

Nach der Theorie ging’s in die Praxis. Reiter stellten sich und ihre Pferde vor. Herr Branderup zeigte eine Engelsgeduld. Jeder Teilnehmer nahm etwas aus dem Kurs mit. Er korrigierte nicht nur den Sitz, er zeigte, wie man ein Pferd dazu bringt, aufmerksam seinem Lehrer gegenüber zu sein. Es waren Pferde allen Ausbildungsstandes da, er machte keinen Unterschied, sondern passte seine Unterweisungen dem jeweiligen Paar an.

Der erste Tag ging von 9 Uhr bis wohl nach 20 Uhr. Leider konnte ich nicht bis ganz zum Schluss bleiben, da meine eigenen Pferde aus dem Schlamm geholt und gefüttert werden mussten.

Auch der zweite Tag begann mit Theorie: Aufstellen eines Lehrplanes für das eigene Pferd und der Ablauf eines Trainings. Branderup hat Recht, wenn er sagt, dass wir alle mehr oder weniger Autodidakten sind und uns selbst weiterbilden. Dies traf und trifft besonders für mich zu, und ich denke für die meisten anderen Teilnehmer auch. Habe ich mich doch aus der FN-Schule schon vor Jahrzehnten verabschieden, weil nicht das, was in den Richtlinien für Reiten und Fahren etwas drinsteht, mir nicht gefällt, sondern weil die FN-Reitlehrer gerade das NICHT unterrichten. Vorne halten, hintern treiben und immer schön linksrechtslinksrechts… Ihr kennt das ja – DAS wird unterrichtet und hat mit den Richtlinien so gar nichts zu tun.

Auch hier war der Ausbildungsstand der Pferde und Reiter nicht ausschlaggebend, sondern dass man mit jeder Lehrstunde eine, wenn auch kleine, Verbesserung erreicht. Und damit es dann tatsächlich eine Verbesserung ist, muss man die Psyche und die Physis seines Pferde kennen. Man muss sich verpferden.

So um 15 Uhr war der Kurs dann vorbei. Schade.

Als ich heimfuhr war ich doch ein bisschen niedergeschlagen. Irgendwie hatte ich, vielleicht in meiner Arroganz, erwartet, doch mehr Gleichgesinnte zu treffen. Die gab es wahrscheinlich auch, doch das Wochenende war für mich viel zu kurz, um diese zu finden.

Im Stall dann schmusten mit mir meine beiden Hengste, der junge Príncipe mit seinen bald drei Jahren und der erfahrene Squire mit seinen 32. DAS sind meine Gleichgesinnten.

Príncipe und Squire im Herbst 2012.

Príncipe und Squire im Herbst 2012.

 

Bent Branderup:     www.bentbranderuptrainer.com

Sabine Oettel:         http://www.akademische-reitkunst.at/

Familie Andraschko:     http://www.der-barockreiter.de/

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