Mein Tag bei der Finca Montana-Ventoso oder: ich kann’s noch!

Iris Ambros mit Elena. Danke Iris, dass ich dieses wundervolle Pferd reiten durfte.

Iris Ambros mit Elena.
Danke Iris, dass ich dieses wundervolle Pferd reiten durfte.

Zum ersten Mal nach gefühlten 100 Jahren, in Wirklichkeit dürfen es so 6 – 7 Jahre gewesen sein, ritt ich wieder. Lange Krankheit und meinen Squire verpasst, der in der Zwischenzeit untrainiert zu alt zum Reiten geworden ist, ließen mich auf dem Boden bleiben. Er ist nun 33 Jahre alt. Mein Kleiner ist noch zu jung, 3,5 Jahre alt, das Baby. Und mein Gewicht, dass ich durch das Nichtstun bekommen habe, empfinde ich ebenfalls als Handicap. Ich arbeite daran, was für eine Frau meines Alters gar nicht so einfach ist, doch es wird immer besser. Nicht, dass ich schwerer wäre, als ein erwachsener Mann, aber schließlich will man auf dem Pferd wie eine Elfe aussehen und nicht wie ein deplatzierter, gutgenährter Hobbit…

Über Facebook lernte ich Iris Ambros der Finca Montana-Ventoso kennen. Da stand mein Plan gleich schon fest: DAS ist genau das Richtige, um sich nach so langer Zeit wieder auf’s Pferd zu setzen, vor allem weil dort die Voraussetzung am besten war, dass ich und das Pferd uns verstehen. Eine liebe Freundin bot mir natürlich auch an, ihre Pferde mal zu reiten, doch sie ist eine erfolgreiche Springreiterin, und ich würde einfach danach falsch auf ihre Pferde einwirken. Schlecht für die Pferde, schlecht für meine Freundin, schlecht für mich.

So fand ich dann in Iris, dass wir nahezu den selben Pferdeherzschlag haben. Und nach langem Wetterhinundher war es endlich soweit, und ich fuhr recht aufgeregt nach Weissenhaid bei Weissenstadt. (Liebe Unternehmer, falls jemand von Euch das liest, investiert mal in die Gegend, hier findet Ihr die Fachleute, die woanders so dringend gesucht werden.)

Empfangen wurde ich in einem bezaubernden Wohnzimmer, ganz nach meinem Geschmack. Beim Kaffee tauschten wir uns aus und legten die Richtung fest.

Dann ging es in den Stall und „mein“ Pferd wurde gesattelt. Ihr seht es auf dem Foto oben. Hier, liebe Iris, danke ich Dir für das Vertrauen in mich diese wunderschöne und so gut ausgebildete Stute reiten zu dürfen.

Ein Stall voller Schätze

Ein Stall voller Schätze

Sehr sympathisch war, dass wir eine Aufstieghilfe benutzten. Sie hat einfach zu viele Vorteile, um sie nicht zu nutzen. Und noch ein Wort zum Sattel: es war ein Wintec Isabell Werth. Ich bin selten einen Sattel geritten, in dem man so tief und definiert saß. Man sitzt in ihm so, wie man es sich vorstellt, in einem Barocksattel zu sitzen. Nur die Kniepauschen werden wir das nächste mal wegmachen, da Iris Elfe, ich Hobbit.

Und da saß ich also nach langer Zeit wieder auf dem Pferd. Und: mein Körper setzte sich von ganz alleine richtig hin. Ich spürte im Schritt die Bewegungen der Stute, den Schwung des Rückens. Sehr ungewohnt. Ich bin mal gespannt, wie sich Príncipe anfühlen wird. Bin ich doch Vollblutaraber gewohnt.

Iris gab mir keinen Unterricht, sondern ließ mich machen. Es war herrlich. Wendungen, Traversalen in den Grundgangarten, Versammlungen. Ich hatte nichts verlernt, alle meine Stärken waren noch da – und auch die Schwächen, wie angaloppieren aus dem Stand auf der linken Hand. Elena, so heißt das Zaubertier, verstand mich. So konnte ich sogar Piaffe und Passage mit ihr reiten. Wenn etwas nicht klappe, sagte ich Iris, was ich falsch machte, sie gab mir kleine Korrekturen und Verbesserungen.Von unten sah es bestimmt nicht so gut aus, wie es sich von oben anfühlte, und es gibt sicherlich Abzüge in der B-Note, aber das war nicht wichtig. Wichtig war, dass ich mein Selbstgefühl auf dem Pferd nicht verloren hatte, trotz lange Zeit, trotz Gewicht, trotz Unkenrufe.

Doch meine Fitness ist dahin. Man merkt halt einfach, wenn man nicht die richtigen Muskeln trainiert. Auch hier muss ich bis zum Sommer noch einiges tun. Aber ich werde sowieso mit Príncipe langsam anfangen, so trainiere ich uns beide.

Der Tag hielt, was er versprach. Wir saßen danach noch lange zusammen, fachsimpelten dann auch mit Wolfgang Rubner, welcher noch dazukam. Kaffee und Kuchen, Pferdegespräche, was will man mehr?

Zum Schluss stießen wir stilgerecht mit einem Sherry auf den wunderschönen Tag an: ¡Salud

Entspannung ist wichtig.

Entspannung ist wichtig.

 

Links:

https://www.facebook.com/finca.montanaventoso

Wolfgang Rubner,
Weissenhaid 14 A,
95163 Weissenstadt
Tel: 015144510201 oder über Facebook PN  oder wrubner@gmx.net

https://www.facebook.com/groups/1404519049799557/

 

 

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Des Reiters Sitz – Seminar der akademischen Reitkunst mit Bent Branderup März 2014 in Wendlmuth

Bent Branderup erklärt, welche Auswirkung die S- und die C-Linie der Halswirbelsäule auf den Schwung des Pferdes in der Bewegung haben.

Bent Branderup erklärt, welche Auswirkung die S- und die C-Linie der Halswirbelsäule auf den Schwung des Pferdes in der Bewegung haben.

„Wenn Du es fühlst, weißt Du es.“

Am 15. Und 16.März 2014 besuchte ich mein drittes Branderup-Seminar in Wendlmuth bei Bad Füssing. Sabine Oettel organisierte mit Bravour die sehr große Teilnehmerschaft. Und der Kuchen war sensationell – vielleicht auch, weil er für mich mit meiner Diät EIGENTLICH streng verboten ist.

Wie gesagt, dies war mein drittes Seminar, das ich als Zuschauer besuchte. Dennoch gab es für mich einen Unterschied zu den Vorherigen, und das lag nicht an der Themenwahl von Herrn Branderup. Ich habe seit dem letzten Seminar angefangen, die Onlinekurse einen nach dem anderen mir freizuschalten. Bodenarbeit, Longenarbeit, Handarbeit und Akademische Reitkunst, welche in Zusammenarbeit mit Herrn Lubetzki entstanden sind. Hierzu wird es später nach und nach Rezensionen von mir geben. Dann noch Diary of Swan und ganz neu: The Whip, welche Frau Bianca Grön aufgezeichnet hat.

Dadurch wurde meine Sicht auf die Themen immer dichter, denn obwohl sie sich scheinbar wiederholen – Herr Branderup muss ja auch die Neulinge thematisch mitnehmen – taucht immer wieder ein neuer Blickwinkel auf. Und immer leichter fällt es mir, die Lehrsätze, welche ich in meinem Leben gehört habe, zu sortieren, einzuordnen, als richtig zu erkennen oder zu verwerfen. Interessant ist dabei, dass je älter der Lehrsatz, je länger es her ist, dass ich er mir gelehrt wurde, desto richtiger ist er. Erst später kam der Unsinn hinzu. Beispiel: „Du muss so viel Kraft auf den Zügeln haben, dass es ungefähr 8 kg entspricht!“ (An alle physikalisch Gebildeten unter uns: hier gehe ich mal nicht auf den Unterschied zwischen Masse und Kraft ein…)

Die akademische Reitweise basiert auf der Biomechanik des Pferdes. Sie ist dem Pferd individuell angepasst, auf seinem Geist und seinem Körper, seinem seelischen Zustand und seinem Ausbildungsstand. Doch das ist nur die eine Seite. Genau so wichtig ist es, dass das Pferd mitmachen will, damit es etwas lernt. Und dies gilt nicht nur für Pferd. Da hatten es die Reiter und Pferde beim Seminar etwas schwer, da es natürlich ausgerechnet an diesem Wochenende fürchterlich stürmte und es unheimliche Geräusche gab. So wurde der Unterricht den Pferden angepasst und letztendlich machten die Pferde mit.

Bodenarbeit und der Sitz waren die Themen. Zu Fühlen, was die Hinterbeine des Pferdes machen, wie der Schwung durch das Pferd geht. Und natürlich die Grundlagen des Biegens. Die Reiter zeigten ihre Fortschritte vom Boden und vom Sattel aus. Herr Branderup nahm auch Prüfungen ab. Hier wollte ich eigentlich mehr schreiben…

Dieses Mal tue ich mir unheimlich schwer, diesen Artikel zu schreiben, denn ich schleiche immer noch wie eine Katze um den heißen Brei. Darum tipper ich meine Gedanken einfach mal so runter: es gehört so viel Wissen dazu um zu sehen, was da eigentlich passiert, dass ich bezweifle, dass verbildete Reiter dies können.

Hierzu mal ein Beispiel: ich saß recht weit hinten, und umso weiter weg vom Vortragenden, umso mehr wird geflüstert. Daher konnte ich recht gut die Gedanken der TeilnehmerInnen wahrnehmen. Als ein Reiter wunderbare Ansätze des Schulschritts mit seinem Pferd zeigte, hörte ich folgenden Kommentar: „Ich glaube, dass mit dieser Reiterei ist doch nix für mich, die können ja noch nicht mal richtig Schritt gehen. Das ist ja nur ein Herumgestoppsel.“

Heutige Reiter wissen gar nicht mehr, dass es den Schulschritt gibt, ein Schritt im Zwei-Takt. Mein Reitlehrer Ballmann vor tausenden von Jahren wusste das noch: wir haben den Mittelschritt und den starken Schritt, den ihr reiten könnt, wenn ihr richtig gut seit. Dann gibt es noch den Schulschritt, doch den lassen wir weg, er ist zu schwer zu reiten für uns, das ist nur was für die GANZ hohe Schule. – das GANZ hab ich noch ihm Ohr.

Auch ich bin immer noch am sortieren und lernen. Mokierte sich doch auch unser geliebter Steinbrecht über Baucher mit seinem „Galopp rückwärts“ – und versperrt damit die Akzeptanz des terre à terre. (Warum macht er das nur? Steinbrecht kannte meiner Meinung nach als Newcastle-Fanboi das terre à terre. Sein Mentor Seeger hasste Baucher so sehr, dass er sogar ein Buch geschrieben hat, um diesen zu diskreditieren. Hat Steinbrecht es deshalb in seine eigenen Aufzeichnungen geschrieben, oder kommen die Worte doch von Plinzner?)

Es ist zwar fast unmöglich zu wissen, was man nicht weiß, aber vielleicht ist es keine schlechte Idee, das Vorwissen für die Teilnehmer zu erhöhen. Klar kann man in Blogs wie diesem schreiben, dennoch bezweifle ich, dass es gelesen wird. Eine andere Idee will ich mal an die Seminarveranstalter weitergeben: Schulschritt, terre à terre, wie sieht eine richtige Levade aus, usw. Was gibt es sonst noch außer Schritt, Trab, Galopp, Tölt und Pass.

Dies ist nun kein beschreibender Artikel über ein Seminar geworden, und ich habe meine Gedanken immer noch nicht ganz geordnet. Dennoch, denn es geht ums Lernen. Wie Joda schon sagte: „Alles, was du gelernt, vergessen du musst!“ Alles in Frage stellen und prüfen. Sich auf eine Reise mit dem Pferd zusammen begeben und von einander lernen. Und das gefällt mir an der Art der akademischen Reitweise, wenn ich etwas falsch mache, sagt mir mein Pferd einfach: „nö, falsch“, weil sie ihm die Möglichkeit dazu lässt.

Was kann ein Seminar besseres auslösen?

 

Ballotade-Prüfung von Sabine Oettel mit  ihrem Frederiksborger Jarl

Ballotade-Prüfung von Sabine Oettel mit ihrem Frederiksborger Jarl

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Rezension: Bodenarbeit – ein Videokurs von Bent Branderup

Dieses ist der Artikel 5 von 8 in der Serie Rezensionen
Veranschaulichen und erklären, was "Biegen" eigentlich ist. Hier das Führen der Schulter als Vorbereitung zum Kruppeherein. Das Schulterherein als Grundlage zum Kruppeherein.

Veranschaulichen und erklären, was „Biegen“ eigentlich ist. Hier das Führen der Schulter als Vorbereitung zum Kruppeherein. Das Schulterherein als Grundlage zum Kruppeherein.

„Das Pferd muss zuhören wollen.“ Mit dieser Aussage begrüßt uns Bent Branderup und verrät uns damit sein erstes Geheimnis der akademischen Reitkunst. Eine freundschaftliche Schüler-Lehrer-Beziehung, basierend auf gegenseitigen Respekt und Sympathie, ist die Grundlage allen weiteren Vorgehens. Horsemanship mit Ruhe und Gelassenheit (mein Lieblingsgefühl) ohne Longengefuchtel, Showeinlagen oder Dominanzrechtfertigungen. Lieber Herr Branderup, falls Sie dies lesen, machen Sie doch mal eine kleine Videoreihe über dieses Thema.

Erst, wenn die Beziehung zwischen Pferd und Mensch stimmt, können wir mit der „Arbeit“ beginnen. Im Bodenarbeitteil der Videoreihe des Kurses lernen wir, wie wir mit unserem Pferd zusammen Schritt für Schritt seine Balance, Geschmeidigkeit und Taktreinheit aufbauen. Im ersten Teil? Ja, Überraschung: der Kurs besteht aus 2 Teilen, Bodenarbeit und Longenarbeit, mit insgesamt 27 Lehrvideos , 4 Bonusvideos und einem Skript, welches man sich downloaden kann. Ich habe mir daraus ein kleines DIN A5-Handbuch gedruckt. Auf einen Theoriepart folgen praktische Beispiele und Anwendungen mit verschiedenen Pferden unterschiedlichen Ausbildungsstandes und Talentes demonstriert, so dass man den Blick für das eigene Pferd schulen kann.

Der "kleine Cara" zeigt und demonstriert uns die Übungen für ein Pferd seines Ausbildungsstandes.

Der „kleine Cara“ zeigt und demonstriert uns die Übungen für ein Pferd seines Ausbildungsstandes.

Der Kurs ist in Deutsch und wurde in Zusammenarbeit mit Marc Lubetzki, dem bekannten Tierfilmer, erstellt. Er steht online zur Verfügung, man kauft den Zugang zu den Videos. Für mich ist das ein kleiner Wehrmutstropfen, da auch die – in meinem Fall – Telekom mit daran verdient. Wichtig finde ich: ich kann die Videos mit meinen iDingern, iPhone und iPad, auf dem Sofa oder im Stall ansehen. Tipp: auch wenn die Videos den Ausbildungsfortschritt der Pferde begleiten, ist es von Vorteil alle vorher mehrmals anzusehen, da sich dann der Zweck der Basisarbeit wesentlich besser erschließt. „Die Basis muss eine Basis für etwas sein, sonst ist sie keine Basis.“ – Bent Branderup. Und dann werden Sie auch diesen Satz verstehen.

Im Vergleich dazu der ältere Corazon.

Im Vergleich dazu der ältere Corazon.

Zuallererst lernen wir die gemeinsame Mensch-Pferd-Pferd-Mensch-Sprache. Diese Grundlage kann man gar nicht oft genug erwähnen.

In der Bodenarbeit stehen wir direkt am Pferd und verwenden einen Kappzaum. Wir bitten das Pferd sich richtig zu biegen, unterzutreten und die Grundbewegungsabläufe zu lernen. Ziel ist es, dass unser Pferd das von sich aus macht und nicht auf unseren Zug hin. Ziehen wir das Pferd, so haben wir immer von ihm einen Gegenzug, welcher die falschen Muskel zum Anspannen bringt, und wir damit das Gegenteil von dem, was wir wollen, erreicht haben. Dies ist das zweite Geheimnis der akademischen Reitkunst. Das Pferd trägt sich selbst. Erst wenn es dies kann, kann es später auch den Reiter mittragen. Es ist immer in Balance.

Die Longenarbeit baut logisch darauf auf. Somit ist sie in der akademischen Reitkunst mehr als ein Herumtreiben im Kreis, wie ich es leider immer noch so oft sehe. Das Pferd lernt ohne Hilfszügel sich selbst zu tragen, seine Balance zu finden, geschmeidig zu werden. Um dies zu erreichen, werden die Übungen an der Longe zu einem abwechslungsreichen und interessanten Ballett des Pferdes. Als ich vor über tausend Jahren mit dem Reiten angefangen habe, haben unsere Lehrer uns noch erklärt, wozu man dies oder jenes macht. Irgendwann gab es dann einen Bruch, und das Wissen schien verloren. Ich habe mal nachgerechnet: mein ältester Reitlehrer hat um 1900 als junger Mann das Reiten gelernt. Ich war damals sehr jung und er sehr alt. Er kam immer wieder an den kleinen Reitplatz, auf dem ich übte und es entwickelt sich eine Freundschaft. Wir beide bezogen uns auf Steinbrecht. Er erzählte von der Kavallerie, und wie das damals war. Ich schweife ab…

Gebogenes Gerade, Blickschulung, Positionierung, alles Themen, die heute nicht mehr in Reitschulen gelehrt werden. Hier steht das Wissen wieder zur Verfügung und ich meine, dass jeder Pferdemensch es nützlich finden kann, es in seine eigene Reitweise einzufügen, sei es im Spring-, Westernreiten oder auch der Doma Vaquera.

Damals war ich teilweise schon Autodidakt, heute bin ich es zur Gänze. Und hier greift der Kurs von Bent Branderup ein. Ich halte ihn dafür geeignet, mich und mein junges Pferd auf das Reiten vorzubereiten, so ich es mir vorstelle. Ich habe zwar das Glück in meiner Nähe eine Meisterin der akademischen Reitkunst zu haben, dennoch, selbst wenn ich es nutzen würde, würde ich doch die allermeist Zeit alleine arbeiten. Es wäre interessant zu erfahren, ob die Branderup-Videokurse alleine ausreichen, um sich und sein Pferd auszubilden. Für mich selbst denke ich ja – arrogant, wie ich bin – , und könnte ich es mal tatsächlich so durchführen und Príncipe und mich später zur Überprüfung Herrn Branderup vorstellen.

http://www.marc-lubetzki.com/8961

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Was mache ich nur mit der ständigen Kritik in meinem Stall?

Kraft und Wendigkeit auf der Stelle.  Aus dem Buch "L'instruction du roy en l'exercice de monter à cheval " von Antoine de la Baume Pluvinel (mit Dank an die Bayerische Staatsbibliothek)

Kraft und Wendigkeit auf der Stelle.
Aus dem Buch „L’instruction du roy en l’exercice de monter à cheval “ von Antoine de la Baume Pluvinel (mit Dank an die Bayerische Staatsbibliothek)

Immer wieder lese ich, dass Anhänger der Akademischen Reitweise von ihren Stallgenossen bekrittelt, belächelt oder gar beschimpft werden. Hierzu möchte ich in diesem Artikel eine Argumentationshilfe bieten.

Zuvor aber erst mal die Definition von „Kritik“.
Diese muss folgenden 3 Kriterien genügen:

Sie muss

1. berechtigt sein

Damit sind die Reitweisenkritiker schon mal komplett ausgeschossen. Sie haben keine Berechtigung zu dieser Kritik. Berechtigt wären sie, wenn es ihr Leben beträfe. Z. B. Wenn man seinen eigenen Dreck nicht wegräumt und es ein anderer machen muss. Die Reitweisen hingegen wirkten sich nicht auf das Leben der anderen aus.

2. wahr sein

Wenn der Akademischen Reitweise von FN-Reitern vorgeworfen wird, sie sei zu sehr auf der Stelle, dann ist dies wahr. Sie hat ein anderes Ziel, dessen Erörterung der Inhalt dieses Artikels ist.
Hier ist auch nochmal zwischen Wahrheit und Meinung zu unterscheiden. Wenn ich zu jemanden sage, dass dessen Frisur richtig – unvorteilhaft – aussieht, dann ist das meine Meinung und keine Wahrheit. Wahrheit ist messbar und belegbar. Schrittlängen kann man messen.

3. spezifisch sein

Aussagen wie: „Das ist der größte Schmarrn, den ich jemals gesehen habe.“ sind keine Kritik, sondern Unsinn. Der Kritiker muss sagen, was genau er meint.

Man kann nun daraufhin den Kritiker mit einer mehr oder weniger scharfen Erwiderung über die mangelnde Berechtigung unterrichten.

Doch da es meist die Akademischen Reiter sind, welche sich mehr Gedanken machen, hier nun Information, welche man an die FN-Reiter weitergeben kann. Aus Rücksicht auf die Länge des Artikels, habe ich stark vereinfacht.

Die Grundlage aller Reitweisen ist gleich, das Pferd soll mit dem Nacken-Rückenband tragen um lange geritten werden zu können, Taktreinheit und all das. Es gibt Ausnahmen bei einigen Völkern, welche dann aber oft die Pferde wechseln, so dass die Belastung des einzelnen Pferde in Grenzen bleibt.

Beide Reitweisen haben ihre Berechtigung, keine ist besser oder schlechter als die andere. Sie haben nur verschieden Zielsetzungen:

Die – originale – Barocke Reitweisen gehen von der Arbeit mit dem Pferd auf der Stelle aus, sei es nun Kampf, Stiere hüten, Rinder einfangen. All dies spielt sich, wenn es hochkommt, auf ein paar hundert Meter ab. Tragkraft und damit Wendigkeit mussten gefördert werden. Auch das Westernreiten zählt hinzu. Gangarten, welche hauptsächlich geritten werden, sind Schritt und Galopp. Getrabt wird selten, beim Westernreiten wird hier der berühmte Jog geritten. Geübt und trainiert wird deshalb sozusagen auf der Stelle.

Ganz anders die FN-Reiterei. Sie basiert auf der Strecke. Pferde sollen schnell möglichst viel Strecke machen können, egal bei welchem Gelände. Hauptgangart ist der Trab, wie er auch heute noch bei Distanzritten verwendet wird. Der Wendepunkt

Feldübung mit Überwinden schweren Geländes, Das Königlich Bayerische 1. Ulanen-Regiment "Kaiser Wilhelm II. König von Preußen"

Feldübung mit Überwinden schweren Geländes, Das Königlich Bayerische 1. Ulanen-Regiment „Kaiser Wilhelm II. König von Preußen“

hierzu war in Europa wohl Waterloo, als der Herzog von Wellington Copenhagen ritt, einen englischen Vollblüter mit einer arabischen Großmutter. (Vielleicht war er deshalb so erfolglos als Rennpferde und so durchhaltefähig in der Schlacht. Wellington saß 15 Stunden auf Copenhagen in der Schlacht von Waterloo. Wer mehr oder bessere Informationen hat, darf mich gerne anschreiben.) Es gab hierdurch einen Wechsel im Pferdetyp.

Das Reitsystem, welches sich hieraus entwickelte, war auf Vorwärts, weite Schritte und Strecke bedacht. Immer wieder kann man lesen, wie die verschiedenen Reitmeister die Reiterei auf der Stelle als Gezappel und für das Pferd verderbend beschimpften. Diese Worte sind es ja, die man immer noch in den Reitställen zu hören bekommt. Sie mag auch berechtigt sein, wenn man nicht mehr vom Pferde aus in Einzelkämpfen kämpft, und der Transport von Truppen und Material im Vordergrund steht, wie man am Beispiel der Dragoner sehen kann. (Auch hier gibt es bestimmt Spezialisten, welche noch tiefer im Thema sind.) Beide Reitweisen üben auf dem Platz und in der Halle ihre Grundlagen und gymnastizieren ihre Pferde. Beide haben damals und heutzutage die Gesunderhaltung der Pferde im Vordergrund. Doch beide haben andere Ziele. Darüber kann man seine „Kritiker“ aufklären.

Ironisch ist es nur, dass gerade die „Streckenreiter“ nicht mehr Strecke reiten. Das Pferd pendelt zwischen Box und Halle. Dressur und Springreiten waren ursprünglich Übung und Vorbereitung für ein zuverlässiges Geländepferd, mit welchem man durch Dick und Dünn reiten konnte.
Hier ein schönes Beispiel:

Die Gymnastik ist zum Selbstzweck geworden. Doch diese Gefahr belauert jede Art der Reiterei. Ausgleich ist hier gefragt, und wenn es nur in Form von langen Spazierritten im fleißigem Schritt ist.

Es ist nie falsch, Wissen weiter zu geben und den „Kritikern“ gelassen und ruhig zu begegnen. Möglich dass dann der eine oder andere über die unterschiedlichen Ziele nachdenkt.

Links:
http://www.reitverein-guenzburg.de/geschichte_1__bayr__ulanenregiment.htm

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Rezension: „Meilensteine österreichischer Reitkunst“ von Werner Poscharnigg

Dieses ist der Artikel 4 von 8 in der Serie Rezensionen
Isabellfarbener Hengst der kaiserlichen Reitschule J.G. Hamilton ca. 1702 Fotos mit freundlicher Genehmigung des Autors

Isabellfarbener Hengst der kaiserlichen Reitschule J.G. Hamilton ca. 1702
Fotos mit freundlicher Genehmigung des Autors

Der Titel lässt ein eingeschränktes Thema vermuten, doch dem ist nicht so. Tatsächlich handelt es sich hierbei um die Geschichte der europäischen Reitkunst. Erst am Schluss wird es etwas österreichischer. Doch selbst hier werden Querverweise auf die Entwicklung in Deutschland gezogen.

In der ersten Hälfte des Buches erörtert Dr. Werner Poscharnigg die wichtigsten Meilensteine der Reitkunst in Europa. Er beginnt zwar im 15. Jahrhundert, schlägt aber den Bogen zurück zu Xenophon, um dann im Turniergetümmel der Ritter zu landen. In Wort und Bild wird das Letztere so plastisch geschildert, dass man vermeint dabei zu sein und es hören und riechen zu können. Doch schnell geht die Reise weiter, schon tauchen Pluvinel auf und Guérinière. Beides alte Bekannte. Doch, was ist das? Sägt er da nicht an Guérinières Thron als Erfinder des Schulterherein, so wie es allgemein dargestellt ist? Tatsächlich war es ein anderer, welcher diese Übung zuerst formulierte: Galiberto um 1635. Galiberto? Dann taucht ein Johann Christoph Regner, Edler von Regenthal, auf. Zitat: „Er reite, „ohne dass man die geringste Bewegung seitens des Reiters bemerkt. Das Pferd muss unter ihm in perfekter Einheit und völliger Freiheit arbeiten“… “ und „Es finden sich unter meinem dressierten Pferden viele, die sich fast nach des Reiters Gedanken führen und regieren lassen. Mann sieht keine Zaumzügel angezogen oder angespannt, sondern völlig flattern, als wären sie von nichts gehalten, und dennoch stehen die Pferde in ihrer schönsten Haltung mit dem Kopf perfekt senkrecht.“ So habe ich es damals – vor Ewigkeiten – auch gelernt.

Weiter geht die Reise in die Gegenwart über bekannte und unbekannte Reitmeister. Die schöne Kaiserin Elisabeth reitet tollkühn an uns vorbei. Dann führt uns Poscharnigg in die traurige und nicht ruhmreiche Geschichte der Kavallerie. Doch schon taucht Hoffnung auf am Himmel der Wiener Hofreitschule in Form von Podhajsky, deren Historie uns durch die behandelten Zeiten begleitet.

Angekommen in der Gegenwart gibt es eine Retrospektive unserer Reise auf die Meister am Ende des Buches.

All die bekannten und unbekannten Meister werden nicht nur im Hinblick auf ihre Reitkunst und deren Einfluss besprochen, sondern auch ihr Umgang mit dem Pferd als fühlendes Lebewesen.

Ich hätte gerne noch viel mehr gelesen und gewusst, doch es ist erstaunlich, wieviel Information Poscharnigg in die knapp 200 Seiten verpackt. Für mich als Reitgeschichtsinteressierte ein Schlüsselwerk für weitere Nachforschungen. Die Quellenangaben am Ende des Buches zeichnen den wissenschaftlichen Ansatz des Autors aus.

Somit ist dies Buch nicht nur spannend zu lesen, sondern auch ein Nachschlagewerk und Wegweiser für weitere Forschungen.

„Meilensteine österreichischer Reitkunst“ von Werner Poscharnigg
ISBN-13: 978-1481930093
ISBN-10: 1481930095

Alois Podhajsky 1934 Fotos mit freundlicher Genehmigung des Autors

Alois Podhajsky 1934
Fotos mit freundlicher Genehmigung des Autors

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Besprechung der Überarbeitung: Akademische Reitkunst: Eine Reitlehre für anspruchsvolle Freizeitreiter von Bent Branderup

Dieses ist der Artikel 3 von 8 in der Serie Rezensionen
Bent Branderup stellt seine komplett überarbeitete Ausgabe der "Akademischen Reitkunst" vor.

Bent Branderup stellt seine komplett überarbeitete Ausgabe der „Akademischen Reitkunst“ vor.

Die Ausgabe „Akademische Reitkunst: Eine Reitlehre für anspruchsvolle Freizeitreiter“ ist 2013 überarbeitet worden. Naja, denkt man, na und? Lohnt es sich überhaupt die neue Ausgabe anzuschaffen?

Gleich vorneweg: es ist ein komplett anderes Buch, mit vielen neuen Ansätzen und Erklärungen. Schritt für Schritt wird der Leser nicht nur in die Welt der akademischen Reiterei eingeführt, sondern kann diese für sein Pferd umsetzen. All das, was in der ersten Ausgabe angeschnitten wurde, ist nun präziser ausgearbeitet worden.

Zuerst werden die Grundlagen besprochen, Ausrüstung und Handwerkszeug, der Sitz, Schenkelhilfen und Zügel. Dann führt uns Bent Branderup durch die akademische Ausbildung der Pferde, zunächst vom Boden aus, später zusammen mit Reitlektionen. Wir begeben uns also auf eine Reise, welche Jahre dauert. Sie beginnt im Stand ohne Reiter mit den ersten – richtigen – Biegeübungen und endet bei der Kapriole. Alles geschieht am lockeren Zügel, ohne Hilfszügel, in ruhiger Selbsthaltung. Gerade dies kommt in diesem Buch besonders zur Geltung.

Es wird definiert, was zum Beispiel Balance, Durchlässigkeit und Schwung ist. Ich hätte mir gewünscht, dass Bent Branderup auch das Geraderichten einmal klar in seinem Buch erklärt hätte, so wie er es bei den Kursen macht, denn es gibt bezüglich diesem besonders viele Missverständnisse, welche zu blendendem und taktunreinem „Vorderhandtrab“ führen. Tatsächlich sind alle Lektionen dafür da, das Pferd geradezurichten und somit Reiten auf eine gesundheitlich wichtige Basis zu stellen. Doch ein anderes, mit Missverständnissen belastetes Thema, wird angesprochen: die Leichtigkeit. Suchende, welche sich von der kraftfordernden Zügelhand der FN abwenden, verfangen sich hier in anderen gesundheitsschädlichen Fallen.

Neu am Buch sind die Links zu den Videos, welche auf der Homepage von Bent Branderup zur Verfügung stehen. Die alte Ausgabe hatte eine DVD mit dabei, in welcher die Lektionen teilweise nochmals erklärt wurden. Nun sind die Trailer zu weiteren Videos, welche das jeweilige Thema behandeln, direkt im Buch über QR-Code abrufbar. Zurzeit der Erstellung dieses Artikels ist zwar das Video, zu welchem der Code auf dem Umschlag auf Youtube leitet, per iPhone abrufbar, die anderen im Buch leider nicht. Hierzu muss man den gefundenden Link noch in den Computer eintippen und dabei das htm am Ende durch html ersetzen. Es wurde mir versichert, dass man allerdings daran arbeitet, dass diese links auch auf dem iPhone funktionieren. Daher ist dieser Artikel auch so lange nach dem Erscheinen des Buchs veröffentlicht, ich wollte ursprünglich auf die Lösung warten. Wenn diese dann kommt, werde ich dies mitteilen und die Zeilen hier ändern. Nun sind auch die anderen Videos im Buch mit dem iPhone abrufbar, das Team hat das Problem gelöst.

Vergleiche ich die Videos mit der in der alten Ausgabe enthaltenen DVD, dann empfinde ich diese als Rückschritt. Allerdings kenne ich kein bisher einziges anderes Buch über Reiterei, welches überhaupt die Möglichkeit bietet, das Gelesene in bewegten Bildern zu sehen. Und obwohl die Videos Trailer und damit Werbung für die entsprechende Video-Kurs-Reihe ist, sind sie eine wichtige Ergänzung für die geschriebenen Erklärungen. Auf meiner Reise mit Príncipe werden ich mir diese Videokurse nach und nach freischalten, sie kommen meiner Art als Autodidakt und Besserwisser, mit dem jeder Lehrer so seine Schwierigkeiten hat, sehr entgegen.

Geeignet ist das Buch – und auch die Akademische Reitkunst – für alle, welche mit ihrem Pferd eine schöne Zeit verbringen, ohne falschen Ehrgeiz sich und sein Tier weiterbilden und nicht zuletzt gymnastizieren und gesund erhalten möchten. Nachdem, was ich so in Hallen und auf Reitplätzen sehe, könnte so eine fundierte Grundausbildung von Reiter und Pferd keinem schaden, auch wenn später Springturniere das Ziel der Reiterei sein sollen.

„Akademische Reitkunst“ hört sich sehr hochtrabend und unverständlich an und steht im Gegensatz zu den einfachen Grundregeln, welche sehr verständlich im Buch mit Wort, Bild und Videos erklärt sind. Man muss sich nicht das Gehirn verrenken, Zeitgeschichte bezüglich der Pferde studiert haben oder Textinterpretationstechniken oder Sekundärliteratur zu Rate ziehen, um zu verstehen, was der Autor meint. Von meiner umfangreichen Reitliteratur gehört dieses Buch zu den am meisten an der Praxis orientierten.

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Medizinische Sattellehre – Kurs von Dr. Robert Stodulka

Dieses ist der Artikel 2 von 8 in der Serie Rezensionen
Dr. Stodulka erklärt uns die Anatomie und die Sattellage am lebenden Objekt

Dr. Stodulka erklärt uns die Anatomie und die Sattellage am lebenden Objekt

Príncipe ist nur 3,5 Jahre alt. Ich werden ihn nicht reiten, bevor er 4 ist. Dennoch möchte ich vorher für ihn einen Sattel haben, um ihn auf das Reiten vorzubreiten und mit den Übungen vom Boden aus und aus Hand daran zu gewöhnen. Alle Sättel aus meinem Fundus – 40 Jahre eigene Pferde – sind komplett ungeeignet, sie passen nicht mal annähernd. Der Malibaud könnte passen, wenn Príncipe die Rückenmuskulatur aufgebaut hat. Im Moment könnte die Wirbelsäule an die Kammer stoßen, wenn Belastung auf dem Sattel ist.

Also es muss ein passender Sattel her. Mein Problem: ich habe zurzeit kein Pferd, auf dem ich den Sattel probereiten könnte. Squire ist mir mit seinen 32 Jahren einfach zu alt, Príncipe – wie gesagt – zu jung. Also Hals über Kopf in das Sattelthema gestürzt, das Leben ist zu kurz für halbe Sache.

Und schon läuft mir der geeignete Kurs über den Weg: Medizinische Sattellehre von Dr. Robert Stodulka

Am 2.11.2013 wurde er auf dem Pegasus Hof bei Zolling im Norden Münchens angeboten.

Meine Navi führten mich und Sheldon, den süßen Quengelhund (der eigentlich sehr brav war), zu einem alten Gutshof, der mit Stallungen, Außenanlage und Reithalle alles hat, was man für Veranstaltungen und Fortbildungen braucht. Und als ich noch das liebevoll aufgebaute Buffet sah, von dem man sich beliebig bedienen konnte, wusste ich, hier bin ich goldrichtig. Es war alles da, damit ich meine Diätvorgaben nicht vernachlässigen musste.

Dr. Stodulka führte uns zuerst Mal in die Geschichte des Sattels ein. Hochinteressant, da hätte ich gerne noch mehr gehört. Dann kam die Anatomie des Pferdes dran. Er erklärte, wo der Sattel sitzen darf und wo nicht. Die Schulter muss genügend Bewegungsfreiraum haben und der Sattel darf hinten nicht über die Brustwirbel hinaus gehen. Soweit hatte ich es auch noch damals gelernt. Nur warum gehen dann viele Pferde so unentspannt, kurztrittig oder gar bockig? Und hier kam uns das Wissen von Dr. Stodulka entgegen: es gibt auch in dem Sattel- und Gurtbereich schmerzhafte Punkte für das Pferd. Es ist eine hohe Kunst der Sattlerei, die Punkte belastungsfrei zu halten. Es sind der untere, rückwärtige Rand und der rückwärtige Ansatz des Trapezmuskels. Und genau da liegt der Sattel drauf. Ein Sattelbaum muss also so gewölbt sein, dass er auf diese Punkte keine Belastung gibt.

Es wurde besprochen, wie das Kopfeisen zu liegen hat und wie man dies mit einer Handprobe, die an dieser Stelle noch einfach ist, prüfen kann. Schwierig wird es direkt unter dem Sattel, vor allem, wenn der Reiter darauf sitzt. Eine Prüfung scheint hier unmöglich – bisher. Zu diesem Zweck wurde von einem Team um Dr. Stodulka ein 3D-Satteldruckmesssystem entwickelt, das seine Daten kabellos überträgt. Damit kann dann endlich der Druck des Sattels unter realen Bedingungen gemessen und abgebildet werden. Auch wenn ein Sattel von außen betrachtet scheinbar korrekt sitzt, deckt dieses System auf, was unsere Pferde auf Dauer krank und lahm macht.

Doch auch die Lage des Bauchgurtes darf nicht vernachlässigt werden. Dr. Stodulka bevorzugt den guten, alten Schnurrgurt, einen Langgurt. Bekommt man den eigentlich noch?

Im Praxisteil in der Halle wurden dann verschiedene Pferde und Sättel besprochen, bei denen wir unser Wissen festigen konnten.

Im Kurs wurde vor allem der englische Sattel und seine Schwierigkeiten besprochen. Das ist für die meisten Reiter, vor allem, wenn sie auf Turniere gehen wollen, das Hauptthema.

Ich selber halte den englischen Sattel, außer fürs kurze Springreiten, für jegliche andere Art der Reiterei vollkommen ungeeignet. Bei Distanzen und Wanderritten sind englische Sättel ein No-Go, egal wie gut sie passen. Die Auflagefläche ist einfach zu klein. Auch für die Dressur sind sie, meiner Meinung nach, ungeeignet. Er wird immer als die letztendliche und logische Entwicklung der Sattelgeschichte dargestellt, dabei war es ein Spezialsattel für die Jagdreiterei, damit der Reiter beim Sturz des Pferde aus dem Sattel und damit nicht zu Tode kam. Allein schon mal einem „Sport“ zu frönen, bei dem man mit Stürzen und Verletzungen des Pferdes rechnet… der Reiter kann sich von mir aus gerne den Hals brechen, er nimmt daran ja freiwillig teil.

Auch die Kavallerie hatte für die langen Stecken Bocksättel. Welcher Doddel kam nur auf die Idee, den englischen Sattel zum Standard zu machen? Aber wir haben das Teil nun mal als FN-Standard definiert, daher kann ich deren Benutzer nur raten, diesen auf dem eigenen Pferd zu untersuchen, damit man nicht still und leise seinem geliebten Tier Schäden anreitet.

Mein Sattelthema sind die Barocksättel und der Vaquero. Dr. Stodulka behandelte auch diese Fragen. Leider gab er mir keine Sattelempfehlung, egal, wie ich ihn nervte.

Was nahm ich für meine Sattelsuche mit? Erst Mal die Erkenntnis, wie komplex das Thema ist. Zweitens, wie viel Wissen ein Sattelmacher – und Verkäufer – haben muss, und ich bezweifle dies bei vielen mittlerweile. Und drittens, dass man selber gar nicht genug Wissen haben kann. Meine Pferde sind sehr alt geworden und sind immer frei gelaufen, doch es hätte anders kommen können. Wir haben Glück gehabt, doch ich will dies nicht mehr dem Glück überlassen.

 

Dr. Robert Stodulka: http://www.pferdepraxis.co.at

Pegasus Hof: http://www.hofgut-pegasus.de/

Satteldruckmessung: http://www.pferdepraxis.co.at/dualreha/sattelmessung.html

 

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Des Reiters Hand

Bent Branderup theoretische Grundlagen. Die Theorie ist wichtiger, als man so denkt!

Bent Branderup theoretische Grundlagen.
Die Theorie ist wichtiger, als man so denkt!

Mein zweites Seminar bei Bent Branderup.

Organisiert hat dies wiederum Sabine Oettel in Wendlmuth nahen Bad Füssing auf der neuen Reitanlage der Familie Andraschko. Auch dieses Mal war es doch recht kalt, aber die Halle machte uns wetterunabhängig.

Wie bei allen Seminaren gab es zuerst die Theorie um das später Gesehene richtig einordnen zu können. Thema dieses Seminares war die Reiterhand – und für mich besonders passend – und wie ich sie mit meinem Pferd vom Boden aus schulen kann.

Dazu muss man wissen, dass die akademische Reitweise alle Lektionen vom Boden aus anfängt, verfeinert oder auch vertieft, je nach Veranlagung des Pferdes. „Die Dressur ist für das Pferd da, nicht das Pferd für die Dressur!“ Bent Branderup

Somit simulieren wir also vom Boden aus die Reiterhand, als würden wir auf dem Pferd sitzen. Die akademische Reitkunst nennt dies: Arbeit an der Hand. Die Bodenarbeit ist an der je nachdem weniger oder mehr langen Longe, die Arbeit an der Hand direkt am Pferd mit den zwei oder vier Zügeln, welche am besten dort gehalten werden, wo sich auch beim Reiten die Hand befindet. Ist das Pferd für seinen Ausbilder dafür zu groß, kann dieser sich etwas erhöht stellen und somit wenigstens im Stand üben. Ansonsten bleibt seine Hand unten am Kopf und er arbeitet mit seinem Pferd von dort aus und überspringt die Handhaltung über dem Widerrist.

In der Praxis übten dann die Teilnehmer mit ihren Pferden unter den Augen des Meisters, diese Handarbeit. Dabei war erst mal wichtig, ein Gefühl für die Reaktion des Pferdes in der Hand zu bekommen, ob es sich feststellt oder nachgibt. Ob Paraden tatsächlich durch gehen oder nur vom Genick oder offenen Maul „geschluckt“ werden. So konnten die Teilnehmer lernen, wie es sich richtig anfühlt. (Hier eine Anmerkung von mir: wenn ich bedenke, mit wie viel Kraft es heutzutage üblich ist, dem Pferd im Maul zu hängen, wird mir ganz übel. Mein Reitlehrer von damals gab Reitern mit harten Händen ein Pferd mit Polokandare gezäumt. Dieses warf den Reiter dann kurzerhand ab, wenn er wieder zulangte, es hatte die Lizenz dazu. Jeder Reiter, der das hinter sich hatte, ritt nur noch mit Samtpfötchen.)

Der erste Tag endete sehr spät, und ich konnte, nachdem ich meinen kleinen Quängelhund nach Hause gebracht hatte, noch am gemeinsamen Abendessen teilnehmen.

Der zweite Tag begann wieder mit Theorie, dabei wurde auch ein aktuelles Thema erörtert: wie schwer darf ein Reiter sein. Bent Branderup erklärte, dass es nicht so sehr auf das Gewicht ankommt, sondern auf das Können. Hier muss ich etwas grinsen, denn seinen Sattel gibt es nicht in verschiedenen Größen für den Reiter. Ein zu dicker Reiter passt da halt nicht rein und muss erst mal abspecken. Einer der besten Reiter der Welt, Nuno Oliveira wog 110 kg, nur mal so als Information.

Beide Themen betrafen mich. Die Arbeit an der Hand, da Príncipe im Moment genau an der Stelle ist, wo ich von der Bodenarbeit in die Handarbeit gehen kann. Aber auch die Bedenken wegen des Gewichts. Ich wiege nicht mehr als ein normaler Mann, dennoch unterziehen ich mich gerade einer Diät, wegen Príncipe.

Auch dieses Mal hatten wir unter anderem Teilnehmer mit ihren Pferden dabei, die zwar auch letztes Mal teilnahmen, welchen dennoch die Grundlagen fehlten. Trotzdem konnte ich am Körperbau ihrer Pferde eine positive Entwicklung feststellen, auch wenn diese Reiter offensichtlich in ihren Heimatställen keine Unterstützung und Hilfe bekamen. Bent Branderup empfahl diesen Teilnehmern, sich erst einmal an seine Schüler zu wenden, bevor sie einen Kurs bei ihm selbst belegen.

Um 14 Uhr war der Kurs dann vorbei. Schade.

Mal sehen, was Príncipe und mir das nächste Jahr bringt, wie weit wir kommen. Gerne würde ich ihn bei den Andraschoks und Sabine Oettel mal eine Woche einstellen, damit er lernt, auch in fremder Umgebung konzentriert zu arbeiten.

Ein paar Worte mit auf den Weg. (Der Hund liegt da freiwillig. Er hat sich vor versammelter Mannschaft sein Plätzchen gesucht.)

Ein paar Worte mit auf den Weg.
(Der Hund liegt da freiwillig. Er hat sich vor versammelter Mannschaft sein Plätzchen gesucht.)

Bent Branderup:     www.bentbranderuptrainer.com

Sabine Oettel:         http://www.akademische-reitkunst.at/

Familie Andraschko:     http://www.der-barockreiter.de/

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Der erste Spaziergang

Verwackelt aber glücklich, unterwegs aus der Hüfte geschossen mit meinem iPhone.

Verwackelt aber glücklich, unterwegs aus der Hüfte geschossen mit meinem iPhone.

Heute Morgen die übliche Routine: um 6 Uhr die Hengste reinholen zum Fressen. Ich füttere sie im Stall, dann hat Squire mit seinen 32 Jahren genug Zeit, in Ruhe sein Futter zu sich zu nehmen. Príncipe braucht bei weitem nicht so lange zum Fressen, daher haben wir es uns in den letzten Wochen zur Gewohnheit gemacht, etwas auf dem Reitplatz zu üben, während Squire noch frisst. Doch irgendwie hatten wir dazu heute beide keine Lust. Gestern Abend hatte ich schon geplant, zum ersten Mal richtig raus zu gehen.

Also gingen wir los, so wie wir waren. Er trug seine Serreta und ich noch mein „Zeigestab“, eine lange recht steife Dressurgerte.

Ich mag die Serreta, obwohl sie von vielen als „scharfes Mittel“ verschrien ist. Ihr großer Vorteil ist, dass sie nicht verrutscht. Normalerweise gibt man mit ihr zarte Signale, allein das Gewicht des Zügels reicht. Nichtsdestotrotz hat Príncipe schon Riesensätze gemacht, weil er sich erschrak. Alle anderen gebisslosen Zäume rutschen dann über ein Auge, was die Sache verschlimmert. Leider auch die von Tellington empfohlene Kettenverschnallung, die ich nicht so gerne hab. Weiter kann ich mit der Serreta einem temperamentvollen Junghengst sanft den Kopf von den Stuten wegdrehen, welche offensichtlich einen Heidenspaß dabei empfinden, ihn von der Weide aus anzumachen. Dann steht er mit dem Rücken zu ihnen und ich kann ihn einladen, den Kopf zu senken. Nach ein paar Übungen und viel Schmuserei zeigt er den „Weibern“ die kalte Schulter.

Ich schweife ab. Also gingen wir los. Das erste Hindernis war der Brennnesseldschungel, durch den ich mich unten aus dem Grundstück kämpfen musste. Mein Prinzchen blieb geduldig hinter mir und folgte Schritt für Schritt. Die Leine hing durch, ich musste ihn nicht halten. Uff, endlich standen wir auf dem Weg. Er hob den Kopf – und ich war wie immer beeindruckt, wie groß er dann ist. Ich ließ ihn sich umsehen, dann lud ich ihn mit einer zarten Parade ein, den Kopf zu senken. Es war wirklich nur eine kleine Erinnerung und er steckte seine Nase unter meinen Arm. Mein Herz hüpfte vor Freude.

Nur ein paar Meter weiter ist schon der Scherbach, welcher zwar versteckt in einer Röhre den Weg kreuzt, aber dafür umso lauter zu hören ist. Bis zu diesem Punkt sind wir das letzte Mal, vor einem Jahr als er noch „neu“ bei mir war, gekommen. Er hatte sich damals schrecklich aufgeregt und war gar nicht mehr zu beruhigen, so dass ich nach ein paar Gehorsamkeitsübungen wie Rückwärtsrichten umgekehrt bin. Das Vertrauensverhältnis war einfach noch nicht fest genug.

Heute ganz anders: natürlich hat er geguckt und war etwas beunruhigt, aber ich konnte diesmal wieder seinen Kopf senken, und seine Neugier wurde dann doch größer als die Angst. Ich ließ im Zeit sich alles anzusehen. Als wir weitergingen schnaubte er ab.

Ein paar Meter weiter kam der Betonpoller vom Nachbarn. Uiuiuiui, wie gefährlich. Ich stellte mich betont gelassen hin und überließ es ihm, sich selber damit vertraut zu machen. Wichtig hierbei ist es, die Leine immer ohne Zug zu haben. Príncipe sah immer wieder zu mir, wie ich reagiere. Ich gähnte – was übrigens ein guter Trick ist. Der Poller ist ja soooo langweilig. Príncipe stupste ihn mit der Nase an, damit war alles klar. Beton, uninteressant.

Während des ganzen Spaziergangs hielt ich meine Leine, kürzer als eine Longe, aber länger als eine normale Führleine, aus Leder und relativ schmal, so dass sie gut durch die Hand gleitet – also ich hielt meine Leine aufgerollt in der linken Hand, aber mit so viel Strecke in der Rechten, dass ich ihn sofort halten, aber auch sehr weit nachgeben konnte. Die Leine zwischen meiner rechten Hand und der Serreta hing recht weit durch. Príncipe lief während er ganzen Strecke neben mir, ohne dass ich ihn mit der Leine dirigieren musste, er ging sozusagen mit mir. Ich ließ ihn dort schnuppern, da ein Blättchen fressen, rumgucken, zu mir kommen, anhalten, um etwas genauer zu untersuchen. Alles mit durchhängender Leine. Hier nun zu erziehen, dass man unterwegs nichts frisst, wäre nicht hilfreich gewesen. Schnuppern, schmecken, sehen, hören, die neue Umgebung, zum ersten Mal ohne Stress von den anderen ganz getrennt und bewusst die Situation zu erfassen und zu erleben, war mir sehr wichtig. Und was den Spaziergang so besonders machte: nach jedem Neuen kam er mit der Nase zu meinem Arm und nahm Kontakt auf.

Sehr schön zu sehen war auch, dass Príncipe von selbst den Hals richtig stellte, so wie ich es auf dem Reitplatz nicht besser hätte machen können. Dies bestärkte mich in der Auffassung, dass ein gelassenes Pferd immer die Muskeln richtig bewegt.

Noch über einen Minirauschebach und dann wieder zurück. Durchs Dorf wollte ich beim ersten Mal dann doch noch nicht.

Auf dem Rückweg war er genau so gelassen und neugierig, wie auf dem Hinweg. Dennoch gab es viel Neues zu sehen, die Schilder sahen nun ganz anders aus. Nun guckte er in den Wald hinauf und nicht zum Bach hinunter. Keinerlei Stalldrang, toll!

Auf dem Reitplatz ist er noch verwirrt, wenn ich neben ihm laufen will, also rennen, dann bleibt er stehen und sieht mich groß an, anstatt neben mir her zutraben. Ganz anders hier draußen, da machte es für ihn offensichtlich Sinn. Also trabten wir eine Weile nebeneinander – er besser als ich, natürlich. Jabbsss. Danach wieder weiter im entspannten Schritt. Wichtig ist immer, unaufgeregt zu bleiben.

Dann wieder einen Nasenstupser an den Betonpoller und wieder über den Bach. Letzte „Übung“ schön hinter mir in der Spur bleiben, durch die Brennnesseln. Boa, toll, wie lange habe ich da mit anderen üben müssen, bis das klappte. Wenn man Wanderreiten will, ist dies eine der wichtigsten Übungen.

Squire begrüßte uns laut, er hat wohl schon Ausschau gehalten.

Mit diesem ersten Spaziergang habe ich mir einen meiner großen Lebensträume erfüllt: unterwegs zu sein in Gelassenheit mit meinem eigenen Andalusier.

Danke Príncipe!

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Besprechung: Das Video „Diary of Swan“ von Bent Branderup und Bianca Grön

Dieses ist der Artikel 1 von 8 in der Serie Rezensionen

Diary of Swan Einen Dank an Bianca Grön, welche mir dieses Foto für den Artikel zur Verfügung gestellt hat. Den Link zum Trailer findet Ihr am Ende des Artikels

Diary of Swan
Einen Dank an Bianca Grön, welche mir dieses Foto für den Artikel zur Verfügung gestellt hat.
Den Link zum Trailer findet Ihr
am Ende des Artikels

Schon länger überlegte ich mir das Video „Diary of Swan“ von Bent Branderup und Bianca Grön anzuschaffen. „Anzuschaffen“ ist nicht der richtige Ausdruck, denn man bekommt nur einen Onlinezugang zum Video. Dies war auch der Punkt, der mich so lange zögern ließ. Dennoch konnte ich der Versuchung nicht widerstehen.

Bent Branderup zeigt in diesem Video von 2:20 Std. Länge die Ausbildung seines PRE-Hengstes, welchen er „Swan“ nach einem historischem, diesem ähnlichen Pferd, getauft hatte. Wir begleiten das erste Jahr, vom rohen Pferd bis zum eingerittenen Youngster.

Interessant sind zwei Vorgaben: erstens, Swan ist ein wirklich rohes Pferd, aufgewachsen mit Gleichaltrigen sozusagen in der Wildnis, wie es heute noch in Spanien häufig praktiziert wird. Und zweitens, Swan ist vier Jahre alt, als die Arbeit beginnt. Dies war früher übrigens das übliche Alter um mit der Ausbildung der Pferde anzufangen.

Die Ausbildung beginnt Branderup immer sorgfältig vom Boden aus. Erst wenn ein Schritt der Gymnastizierung geschafft ist, beginnt er mit dem nächsten. Ich sage „Gymnastizierung“, weil der Begriff „Übung“ hier irreführen kann. Es werden nicht, wie bei der FN, Übungen abgeritten, deren Zweck den Reitschülern längst nicht mehr bekannt ist, und das Pferd dabei mehr oder weniger zufällig gymnastiziert wird, sondern alle Übungen im Video dienen der Gymnastizierung der einzelnen Muskelgruppen. Auch muss Swan erst die Hilfen lernen und begreifen. Ganz besonders gefällt mir eine Stelle im Video, das mit einem Klavierstück unterlegt ist, welches das Lernen und Üben nochmals verdeutlicht.

Bent Branderup trainiert Swan über Schulterherein und Kruppeherein wie es auch Guérinière getan hat und vor diesem bestimmt auch bereits andere. Swan baut, wie man sehen kann, in dieser Zeit Muskel auf, wird geschmeidig und gewinnt an Selbstvertrauen.

Nun habe ich ja Príncipe, welcher demnächst 3 Jahre alt wird. Natürlich ist er schon in der „Ausbildung“ bei mir, was aber nicht einreiten und longieren bedeutet, sondern Freundschaft und Vertrauensaufbau – und Respekt, junge Hengste brauchen auch dies. „Vorarbeiten“ werde ich erst im Herbst, wenn er 3,5 Jahre alt ist, richtig anfangen dann mit 4 im nächsten Sommer. Leider sagt Bent Branderup nicht, wie oft und wie lange er mit Swan diese Gymnastik betreibt. Ich werde sie am Anfang nicht länger als 20 min halten, vielleicht zwei mal am Tag. Es wird Tage ohne Training geben, weil ich beruflich unterwegs bin. Aus meiner Erfahrung raus wird es jungen Pferden sehr bald langweilig, wenn man immer wieder zu lange das gleiche macht. Auch werde ich etwas anders vorgehen müssen, da ich keine Hilfe von unten habe und bei der Ausbildung der Pferde alleine bin. Ich weiß, das ist nicht ideal und eigentlich auch gefährlich. Doch habe ich meinen Schülern bisher immer sehr vertraut. Wie auch Bent Branderup im Video klar macht, ist das Halten auf Kommando fundamental.

Vertraut machen mit dem Sattel, immer alles erst mal vom Boden aus, biegen, entspannen. Dann vorsichtig das erste Reiten, vorerst noch an der Longe, bis zum Gymnastizieren vom Sattel aus. Ganz nebenbei lernt man was über den Sitz, die Hilfen, Einwirkung von Caveçon und Kandare.

Wir verlassen Branderup und Swan ein gutes Jahr später, Swan versteht die Hilfen und beherrscht im Schritt und Trab die Grundlagen der Seitengänge.

Haben sich die 49,00 € für mich gelohnt? Ja, auf jeden Fall. Ein Aha-Erlebnis für mich war der Gebrauch der Gerte als Verlängerung des Arms und als „Zeigestab“. Diese habe ich bisher zwar von Boden aus verwendet, aber beim Reiten weggelassen, da ich bisher sie nach FN nur als vorwärts treibende Komponente wahrgenommen habe und Vorwärtstreibend bei Vollblutarabern eher kontraproduktiv ist. Wie Branderup sie verwendet ist sie offensichtlich eine sehr große Hilfe, welche ich bei Príncipe verwenden werde. Ich bin sicher, jeder kann hier sein Aha-Erlebnis finden. Des weiteren ist das Video keine Schönmalerei, sondern ein realistisches Tagebuch. Mal geht es schnell vorwärts, mal sehr langsam. Doch das spielt keine Rolle, wenn jede Lehrstunde mit einer kleinen Verbesserung endet. Das Ziel ist nicht eine möglichst schnelle Ausbildung, sondern eine solide für viele Jahre mit dem Pferd in Freundschaft.

Somit finde ich das Video nicht nur für erfahrene Ausbilder, welche reflektieren wollen, empfehlenswert, sondern auch für Anfänger, da man mit Swan ebenfalls die Hilfen erklärt bekommt. Nicht geeignet ist es wohl für Reiter, welche ihre Pferde als „Kracher“ reiten wollen. Viel zu fein und viel zu unspektakulär ist die Gymnastik. Für Umdenker ist das Video allerdings ein geeigneter Einstieg.

Was ich noch erwähnen sollte: das Video ist in einem sehr gut verständlichen Englisch.

Hier der Link für den Trailer:
http://www.bentbranderupshop.com/movieplayer/player/play/id/12/

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