Besprechung der Überarbeitung: Akademische Reitkunst: Eine Reitlehre für anspruchsvolle Freizeitreiter von Bent Branderup

Dieses ist der Artikel 3 von 8 in der Serie Rezensionen
Bent Branderup stellt seine komplett überarbeitete Ausgabe der "Akademischen Reitkunst" vor.

Bent Branderup stellt seine komplett überarbeitete Ausgabe der „Akademischen Reitkunst“ vor.

Die Ausgabe „Akademische Reitkunst: Eine Reitlehre für anspruchsvolle Freizeitreiter“ ist 2013 überarbeitet worden. Naja, denkt man, na und? Lohnt es sich überhaupt die neue Ausgabe anzuschaffen?

Gleich vorneweg: es ist ein komplett anderes Buch, mit vielen neuen Ansätzen und Erklärungen. Schritt für Schritt wird der Leser nicht nur in die Welt der akademischen Reiterei eingeführt, sondern kann diese für sein Pferd umsetzen. All das, was in der ersten Ausgabe angeschnitten wurde, ist nun präziser ausgearbeitet worden.

Zuerst werden die Grundlagen besprochen, Ausrüstung und Handwerkszeug, der Sitz, Schenkelhilfen und Zügel. Dann führt uns Bent Branderup durch die akademische Ausbildung der Pferde, zunächst vom Boden aus, später zusammen mit Reitlektionen. Wir begeben uns also auf eine Reise, welche Jahre dauert. Sie beginnt im Stand ohne Reiter mit den ersten – richtigen – Biegeübungen und endet bei der Kapriole. Alles geschieht am lockeren Zügel, ohne Hilfszügel, in ruhiger Selbsthaltung. Gerade dies kommt in diesem Buch besonders zur Geltung.

Es wird definiert, was zum Beispiel Balance, Durchlässigkeit und Schwung ist. Ich hätte mir gewünscht, dass Bent Branderup auch das Geraderichten einmal klar in seinem Buch erklärt hätte, so wie er es bei den Kursen macht, denn es gibt bezüglich diesem besonders viele Missverständnisse, welche zu blendendem und taktunreinem „Vorderhandtrab“ führen. Tatsächlich sind alle Lektionen dafür da, das Pferd geradezurichten und somit Reiten auf eine gesundheitlich wichtige Basis zu stellen. Doch ein anderes, mit Missverständnissen belastetes Thema, wird angesprochen: die Leichtigkeit. Suchende, welche sich von der kraftfordernden Zügelhand der FN abwenden, verfangen sich hier in anderen gesundheitsschädlichen Fallen.

Neu am Buch sind die Links zu den Videos, welche auf der Homepage von Bent Branderup zur Verfügung stehen. Die alte Ausgabe hatte eine DVD mit dabei, in welcher die Lektionen teilweise nochmals erklärt wurden. Nun sind die Trailer zu weiteren Videos, welche das jeweilige Thema behandeln, direkt im Buch über QR-Code abrufbar. Zurzeit der Erstellung dieses Artikels ist zwar das Video, zu welchem der Code auf dem Umschlag auf Youtube leitet, per iPhone abrufbar, die anderen im Buch leider nicht. Hierzu muss man den gefundenden Link noch in den Computer eintippen und dabei das htm am Ende durch html ersetzen. Es wurde mir versichert, dass man allerdings daran arbeitet, dass diese links auch auf dem iPhone funktionieren. Daher ist dieser Artikel auch so lange nach dem Erscheinen des Buchs veröffentlicht, ich wollte ursprünglich auf die Lösung warten. Wenn diese dann kommt, werde ich dies mitteilen und die Zeilen hier ändern. Nun sind auch die anderen Videos im Buch mit dem iPhone abrufbar, das Team hat das Problem gelöst.

Vergleiche ich die Videos mit der in der alten Ausgabe enthaltenen DVD, dann empfinde ich diese als Rückschritt. Allerdings kenne ich kein bisher einziges anderes Buch über Reiterei, welches überhaupt die Möglichkeit bietet, das Gelesene in bewegten Bildern zu sehen. Und obwohl die Videos Trailer und damit Werbung für die entsprechende Video-Kurs-Reihe ist, sind sie eine wichtige Ergänzung für die geschriebenen Erklärungen. Auf meiner Reise mit Príncipe werden ich mir diese Videokurse nach und nach freischalten, sie kommen meiner Art als Autodidakt und Besserwisser, mit dem jeder Lehrer so seine Schwierigkeiten hat, sehr entgegen.

Geeignet ist das Buch – und auch die Akademische Reitkunst – für alle, welche mit ihrem Pferd eine schöne Zeit verbringen, ohne falschen Ehrgeiz sich und sein Tier weiterbilden und nicht zuletzt gymnastizieren und gesund erhalten möchten. Nachdem, was ich so in Hallen und auf Reitplätzen sehe, könnte so eine fundierte Grundausbildung von Reiter und Pferd keinem schaden, auch wenn später Springturniere das Ziel der Reiterei sein sollen.

„Akademische Reitkunst“ hört sich sehr hochtrabend und unverständlich an und steht im Gegensatz zu den einfachen Grundregeln, welche sehr verständlich im Buch mit Wort, Bild und Videos erklärt sind. Man muss sich nicht das Gehirn verrenken, Zeitgeschichte bezüglich der Pferde studiert haben oder Textinterpretationstechniken oder Sekundärliteratur zu Rate ziehen, um zu verstehen, was der Autor meint. Von meiner umfangreichen Reitliteratur gehört dieses Buch zu den am meisten an der Praxis orientierten.

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