Meine Geschichte der Pilaren oder: so könnte es gewesen sein.

Auch zu Pluvinels Zeiten wurde für den Schwertkampf zu Pferde ausgebildet.

Auch zu Pluvinels Zeiten wurde für den Schwertkampf zu Pferde ausgebildet.

„Nein, nein, nein, so geht das nicht!“

Die jungen Männer rumpelten mit ihren Pferden zusammen, immer wieder versuchte der eine den anderen irgendwie zu treffen. Das war ein Geziehe und Gezerre, die Pferde wurden schon langsam bockig.

Der Blick des Lehrers schweifte umher und

fiel auf einen pilum – einen Wurfspeer[1]. Diesen nahm er und steckte ihn fest in den Boden.

„So, das ist euer Feind! Reitet vorbei und versucht ihn zu treffen.“

Für den nächsten Tag grub der Lehrer eine festere Stange tief in den Boden ein und steckte auf das obere Ende eine große Rübe.

Die jungen Männer übten nun Schlagen, Wenden, Schlagen, Wenden. Auch viele Jahrhunderte später wurde dieser Bewegungsablauf trainiert, auch trocken, ohne Pilum.

„So und nun umkreist euren Feind!“

„Euer Pferd muss dabei den Feind angucken, sonst könnte ihr doch dabei gar nicht vorwärts zustoßen!“

Und schon wieder begann das Geziehe und Gezerre. Zwei fielen sogar herunter.

Der Lehrer seufzte. „Alle erstmal absteigen!“ Nacheinander nahm er sich die Pferde vor und ließ sie das Pilum an deiner langen Leine umkreisen. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Pferde nach innen sahen. Dies trainierten die Reiter mit ihren Pferden die nächsten Wochen.

Diese neue Art des Kämpfens vom Pferd aus ist nötig, wenn man mit einer festen Waffe, wie Lanze oder Schwert anstatt mit einer „Fliegenden“ wie einem Speer oder Pfeil und Bogen kämpfen will. Auch möchte ich hier nochmal auf den Unterschied des Kampfes mit Lanze und Schwert hinweisen. Die Lanze ist eine Waffe für das Reiten im Galopp am Feind vorbei. Mit dem Schwert oder einer anderen Schlagwaffe sieht das schon anders aus. Hier braucht das Pferd große Beweglichkeit um diese Art zu kämpfen überhaupt zu ermöglichen. Umkreisen, Zustechen, Ausweichen. Aber weiter in unserer Geschichte:

Mittlerweile hat man aus der Longierhilfe einen festen Stamm im Boden gemacht, um den die Pferde ausgebildet wurden. Er war immer noch der Stellvertreter des Anzugreifenden.

„Die Pferde sind immer noch zu unbeweglich. Bis sie gewendet haben, dauert es viel zu lange. Sie müssten einfach sich wie spielende Hengste auf der Hinterhand wenden lassen.“ Der Lehrer nahm sich eines der besseren Tiere und versuchte es auf der Stelle traben zu lassen. Es wich mit der Hinterhand mal zu dieser, mal zu der anderen Seite aus. Also ließ er das Pferd von zwei Schülern halten, links und rechts und stellte noch einen dritten auf die andere Seite der Hinterhand, damit das Pferd nicht dorthin auswich. Das Pferd schien nun auch zu verstehen, was es sollte und trabte langsam vorwärts, während sich der ganze Zug langsam nach vorne bewegte.

„Sehr umständlich!“ Der Lehrer nahm ein zweites Pilum und grub dieses neben dem ersten ebenso tief in den Boden. Das Pferd band er dazwischen fest. Nun konnte er von hinten das Tier korrigieren. Wenn es zur Seite wollte, ließ er ihm mehr Leine, so dass die Pila an der Höhe der Flanken waren. Neben der Einzelstange, gab es für die Gymnastizierung der Pferde nun die Doppelstange, die Pila.

Hier verlassen wir unseren Lehrer und hoffen, dass er ein friedliches Ende fand.

Natürlich ist das nicht in wenigen Monaten entstanden, sondern vielleicht über Jahrhunderte und unser Lehrer, war nicht einer, sondern viele. Die Entwicklung fand wahrscheinlich in vielen Reitervölkern unabhängig von einander statt. Ich bin der Meinung, dass zumindest das Pilum, die Einzelstange, schon sehr alt sein muss, da es eine ideale Trainingsmethode vom Pferd aus für einen Kurzwaffenkampf ist. Und es ist wahrscheinlich wesentlich älter als die in der Fußnote erwähnten Salier, sowie der Wortstamm des Wortes „Pilum“ wesentlich älter ist als das römische Reich. Aus ihm entstanden unter anderem auch das Lehnwort „Pfeil“. „Pilum“ scheint einer der Urwörter für Stange, Stock zu sein und wurde erst später spezialisiert wie bei den Römern zum Wurfspieß.

Das war meine Geschichte, warum die Pilaren „Pilaren“ heißen: das ist ganz einfach aus dem uralten Wort für Stange – pilum. So wenig Zauber ist dahinter, keine Legende, einfach nur eine Beschreibung dessen, was ist.

Kraft und Wendigkeit auf der Stelle.  Aus dem Buch "L'instruction du roy en l'exercice de monter à cheval " von Antoine de la Baume Pluvinel (mit Dank an die Bayerische Staatsbibliothek)

Kraft und Wendigkeit auf der Stelle.
Aus dem Buch „L’instruction du roy en l’exercice de monter à cheval “ von Antoine de la Baume Pluvinel (mit Dank an die Bayerische Staatsbibliothek)

Quellen:
[1]Römische Geburtsriten von Thomas Köves-Zulauf, 175-176:

405 E. Meyer 2,253 Vgl. Probert. 4,1,98-91: geminos…natos…ad patrios sua Pila referre Penatis. Angesichts der sonderbaren Form der „Salierlanzen“, angesichts des Umstande, dass die Salier als Abbild des ältesten römischen Heeres zu gelten haben, liegt es nahe, auch in den Saliern selbst eine Darstellung des Pilumnus populus zu sehen. Zu den Salierlanzen s. U.W.Scholz, Marskultur, 28: „ihr Aussehen entsprach offenbar nicht der später üblichen Lanzenform, es waren Lanzen einer höchst altertümlichen Zeit … Stab aus Holz, welcher sich vielleicht an beiden Enden knaufartig verdickte“ = archaisches pilum.

Bilder:
A. de Pluvinel. L’instruction du Roy en l’exercice de monter à cheval, 1629

Share this:
Share this page via Email Share this page via Stumble Upon Share this page via Digg this Share this page via Facebook Share this page via Twitter

Mein Tag bei der Finca Montana-Ventoso oder: ich kann’s noch!

Iris Ambros mit Elena. Danke Iris, dass ich dieses wundervolle Pferd reiten durfte.

Iris Ambros mit Elena.
Danke Iris, dass ich dieses wundervolle Pferd reiten durfte.

Zum ersten Mal nach gefühlten 100 Jahren, in Wirklichkeit dürfen es so 6 – 7 Jahre gewesen sein, ritt ich wieder. Lange Krankheit und meinen Squire verpasst, der in der Zwischenzeit untrainiert zu alt zum Reiten geworden ist, ließen mich auf dem Boden bleiben. Er ist nun 33 Jahre alt. Mein Kleiner ist noch zu jung, 3,5 Jahre alt, das Baby. Und mein Gewicht, dass ich durch das Nichtstun bekommen habe, empfinde ich ebenfalls als Handicap. Ich arbeite daran, was für eine Frau meines Alters gar nicht so einfach ist, doch es wird immer besser. Nicht, dass ich schwerer wäre, als ein erwachsener Mann, aber schließlich will man auf dem Pferd wie eine Elfe aussehen und nicht wie ein deplatzierter, gutgenährter Hobbit…

Über Facebook lernte ich Iris Ambros der Finca Montana-Ventoso kennen. Da stand mein Plan gleich schon fest: DAS ist genau das Richtige, um sich nach so langer Zeit wieder auf’s Pferd zu setzen, vor allem weil dort die Voraussetzung am besten war, dass ich und das Pferd uns verstehen. Eine liebe Freundin bot mir natürlich auch an, ihre Pferde mal zu reiten, doch sie ist eine erfolgreiche Springreiterin, und ich würde einfach danach falsch auf ihre Pferde einwirken. Schlecht für die Pferde, schlecht für meine Freundin, schlecht für mich.

So fand ich dann in Iris, dass wir nahezu den selben Pferdeherzschlag haben. Und nach langem Wetterhinundher war es endlich soweit, und ich fuhr recht aufgeregt nach Weissenhaid bei Weissenstadt. (Liebe Unternehmer, falls jemand von Euch das liest, investiert mal in die Gegend, hier findet Ihr die Fachleute, die woanders so dringend gesucht werden.)

Empfangen wurde ich in einem bezaubernden Wohnzimmer, ganz nach meinem Geschmack. Beim Kaffee tauschten wir uns aus und legten die Richtung fest.

Dann ging es in den Stall und „mein“ Pferd wurde gesattelt. Ihr seht es auf dem Foto oben. Hier, liebe Iris, danke ich Dir für das Vertrauen in mich diese wunderschöne und so gut ausgebildete Stute reiten zu dürfen.

Ein Stall voller Schätze

Ein Stall voller Schätze

Sehr sympathisch war, dass wir eine Aufstieghilfe benutzten. Sie hat einfach zu viele Vorteile, um sie nicht zu nutzen. Und noch ein Wort zum Sattel: es war ein Wintec Isabell Werth. Ich bin selten einen Sattel geritten, in dem man so tief und definiert saß. Man sitzt in ihm so, wie man es sich vorstellt, in einem Barocksattel zu sitzen. Nur die Kniepauschen werden wir das nächste mal wegmachen, da Iris Elfe, ich Hobbit.

Und da saß ich also nach langer Zeit wieder auf dem Pferd. Und: mein Körper setzte sich von ganz alleine richtig hin. Ich spürte im Schritt die Bewegungen der Stute, den Schwung des Rückens. Sehr ungewohnt. Ich bin mal gespannt, wie sich Príncipe anfühlen wird. Bin ich doch Vollblutaraber gewohnt.

Iris gab mir keinen Unterricht, sondern ließ mich machen. Es war herrlich. Wendungen, Traversalen in den Grundgangarten, Versammlungen. Ich hatte nichts verlernt, alle meine Stärken waren noch da – und auch die Schwächen, wie angaloppieren aus dem Stand auf der linken Hand. Elena, so heißt das Zaubertier, verstand mich. So konnte ich sogar Piaffe und Passage mit ihr reiten. Wenn etwas nicht klappe, sagte ich Iris, was ich falsch machte, sie gab mir kleine Korrekturen und Verbesserungen.Von unten sah es bestimmt nicht so gut aus, wie es sich von oben anfühlte, und es gibt sicherlich Abzüge in der B-Note, aber das war nicht wichtig. Wichtig war, dass ich mein Selbstgefühl auf dem Pferd nicht verloren hatte, trotz lange Zeit, trotz Gewicht, trotz Unkenrufe.

Doch meine Fitness ist dahin. Man merkt halt einfach, wenn man nicht die richtigen Muskeln trainiert. Auch hier muss ich bis zum Sommer noch einiges tun. Aber ich werde sowieso mit Príncipe langsam anfangen, so trainiere ich uns beide.

Der Tag hielt, was er versprach. Wir saßen danach noch lange zusammen, fachsimpelten dann auch mit Wolfgang Rubner, welcher noch dazukam. Kaffee und Kuchen, Pferdegespräche, was will man mehr?

Zum Schluss stießen wir stilgerecht mit einem Sherry auf den wunderschönen Tag an: ¡Salud

Entspannung ist wichtig.

Entspannung ist wichtig.

 

Links:

https://www.facebook.com/finca.montanaventoso

Wolfgang Rubner,
Weissenhaid 14 A,
95163 Weissenstadt
Tel: 015144510201 oder über Facebook PN  oder wrubner@gmx.net

https://www.facebook.com/groups/1404519049799557/

 

 

Share this:
Share this page via Email Share this page via Stumble Upon Share this page via Digg this Share this page via Facebook Share this page via Twitter