Des Reiters Sitz – Seminar der akademischen Reitkunst mit Bent Branderup März 2014 in Wendlmuth

Bent Branderup erklärt, welche Auswirkung die S- und die C-Linie der Halswirbelsäule auf den Schwung des Pferdes in der Bewegung haben.

Bent Branderup erklärt, welche Auswirkung die S- und die C-Linie der Halswirbelsäule auf den Schwung des Pferdes in der Bewegung haben.

„Wenn Du es fühlst, weißt Du es.“

Am 15. Und 16.März 2014 besuchte ich mein drittes Branderup-Seminar in Wendlmuth bei Bad Füssing. Sabine Oettel organisierte mit Bravour die sehr große Teilnehmerschaft. Und der Kuchen war sensationell – vielleicht auch, weil er für mich mit meiner Diät EIGENTLICH streng verboten ist.

Wie gesagt, dies war mein drittes Seminar, das ich als Zuschauer besuchte. Dennoch gab es für mich einen Unterschied zu den Vorherigen, und das lag nicht an der Themenwahl von Herrn Branderup. Ich habe seit dem letzten Seminar angefangen, die Onlinekurse einen nach dem anderen mir freizuschalten. Bodenarbeit, Longenarbeit, Handarbeit und Akademische Reitkunst, welche in Zusammenarbeit mit Herrn Lubetzki entstanden sind. Hierzu wird es später nach und nach Rezensionen von mir geben. Dann noch Diary of Swan und ganz neu: The Whip, welche Frau Bianca Grön aufgezeichnet hat.

Dadurch wurde meine Sicht auf die Themen immer dichter, denn obwohl sie sich scheinbar wiederholen – Herr Branderup muss ja auch die Neulinge thematisch mitnehmen – taucht immer wieder ein neuer Blickwinkel auf. Und immer leichter fällt es mir, die Lehrsätze, welche ich in meinem Leben gehört habe, zu sortieren, einzuordnen, als richtig zu erkennen oder zu verwerfen. Interessant ist dabei, dass je älter der Lehrsatz, je länger es her ist, dass ich er mir gelehrt wurde, desto richtiger ist er. Erst später kam der Unsinn hinzu. Beispiel: „Du muss so viel Kraft auf den Zügeln haben, dass es ungefähr 8 kg entspricht!“ (An alle physikalisch Gebildeten unter uns: hier gehe ich mal nicht auf den Unterschied zwischen Masse und Kraft ein…)

Die akademische Reitweise basiert auf der Biomechanik des Pferdes. Sie ist dem Pferd individuell angepasst, auf seinem Geist und seinem Körper, seinem seelischen Zustand und seinem Ausbildungsstand. Doch das ist nur die eine Seite. Genau so wichtig ist es, dass das Pferd mitmachen will, damit es etwas lernt. Und dies gilt nicht nur für Pferd. Da hatten es die Reiter und Pferde beim Seminar etwas schwer, da es natürlich ausgerechnet an diesem Wochenende fürchterlich stürmte und es unheimliche Geräusche gab. So wurde der Unterricht den Pferden angepasst und letztendlich machten die Pferde mit.

Bodenarbeit und der Sitz waren die Themen. Zu Fühlen, was die Hinterbeine des Pferdes machen, wie der Schwung durch das Pferd geht. Und natürlich die Grundlagen des Biegens. Die Reiter zeigten ihre Fortschritte vom Boden und vom Sattel aus. Herr Branderup nahm auch Prüfungen ab. Hier wollte ich eigentlich mehr schreiben…

Dieses Mal tue ich mir unheimlich schwer, diesen Artikel zu schreiben, denn ich schleiche immer noch wie eine Katze um den heißen Brei. Darum tipper ich meine Gedanken einfach mal so runter: es gehört so viel Wissen dazu um zu sehen, was da eigentlich passiert, dass ich bezweifle, dass verbildete Reiter dies können.

Hierzu mal ein Beispiel: ich saß recht weit hinten, und umso weiter weg vom Vortragenden, umso mehr wird geflüstert. Daher konnte ich recht gut die Gedanken der TeilnehmerInnen wahrnehmen. Als ein Reiter wunderbare Ansätze des Schulschritts mit seinem Pferd zeigte, hörte ich folgenden Kommentar: „Ich glaube, dass mit dieser Reiterei ist doch nix für mich, die können ja noch nicht mal richtig Schritt gehen. Das ist ja nur ein Herumgestoppsel.“

Heutige Reiter wissen gar nicht mehr, dass es den Schulschritt gibt, ein Schritt im Zwei-Takt. Mein Reitlehrer Ballmann vor tausenden von Jahren wusste das noch: wir haben den Mittelschritt und den starken Schritt, den ihr reiten könnt, wenn ihr richtig gut seit. Dann gibt es noch den Schulschritt, doch den lassen wir weg, er ist zu schwer zu reiten für uns, das ist nur was für die GANZ hohe Schule. – das GANZ hab ich noch ihm Ohr.

Auch ich bin immer noch am sortieren und lernen. Mokierte sich doch auch unser geliebter Steinbrecht über Baucher mit seinem „Galopp rückwärts“ – und versperrt damit die Akzeptanz des terre à terre. (Warum macht er das nur? Steinbrecht kannte meiner Meinung nach als Newcastle-Fanboi das terre à terre. Sein Mentor Seeger hasste Baucher so sehr, dass er sogar ein Buch geschrieben hat, um diesen zu diskreditieren. Hat Steinbrecht es deshalb in seine eigenen Aufzeichnungen geschrieben, oder kommen die Worte doch von Plinzner?)

Es ist zwar fast unmöglich zu wissen, was man nicht weiß, aber vielleicht ist es keine schlechte Idee, das Vorwissen für die Teilnehmer zu erhöhen. Klar kann man in Blogs wie diesem schreiben, dennoch bezweifle ich, dass es gelesen wird. Eine andere Idee will ich mal an die Seminarveranstalter weitergeben: Schulschritt, terre à terre, wie sieht eine richtige Levade aus, usw. Was gibt es sonst noch außer Schritt, Trab, Galopp, Tölt und Pass.

Dies ist nun kein beschreibender Artikel über ein Seminar geworden, und ich habe meine Gedanken immer noch nicht ganz geordnet. Dennoch, denn es geht ums Lernen. Wie Joda schon sagte: „Alles, was du gelernt, vergessen du musst!“ Alles in Frage stellen und prüfen. Sich auf eine Reise mit dem Pferd zusammen begeben und von einander lernen. Und das gefällt mir an der Art der akademischen Reitweise, wenn ich etwas falsch mache, sagt mir mein Pferd einfach: „nö, falsch“, weil sie ihm die Möglichkeit dazu lässt.

Was kann ein Seminar besseres auslösen?

 

Ballotade-Prüfung von Sabine Oettel mit  ihrem Frederiksborger Jarl

Ballotade-Prüfung von Sabine Oettel mit ihrem Frederiksborger Jarl

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Rezension: Bodenarbeit – ein Videokurs von Bent Branderup

Dieses ist der Artikel 5 von 8 in der Serie Rezensionen
Veranschaulichen und erklären, was "Biegen" eigentlich ist. Hier das Führen der Schulter als Vorbereitung zum Kruppeherein. Das Schulterherein als Grundlage zum Kruppeherein.

Veranschaulichen und erklären, was „Biegen“ eigentlich ist. Hier das Führen der Schulter als Vorbereitung zum Kruppeherein. Das Schulterherein als Grundlage zum Kruppeherein.

„Das Pferd muss zuhören wollen.“ Mit dieser Aussage begrüßt uns Bent Branderup und verrät uns damit sein erstes Geheimnis der akademischen Reitkunst. Eine freundschaftliche Schüler-Lehrer-Beziehung, basierend auf gegenseitigen Respekt und Sympathie, ist die Grundlage allen weiteren Vorgehens. Horsemanship mit Ruhe und Gelassenheit (mein Lieblingsgefühl) ohne Longengefuchtel, Showeinlagen oder Dominanzrechtfertigungen. Lieber Herr Branderup, falls Sie dies lesen, machen Sie doch mal eine kleine Videoreihe über dieses Thema.

Erst, wenn die Beziehung zwischen Pferd und Mensch stimmt, können wir mit der „Arbeit“ beginnen. Im Bodenarbeitteil der Videoreihe des Kurses lernen wir, wie wir mit unserem Pferd zusammen Schritt für Schritt seine Balance, Geschmeidigkeit und Taktreinheit aufbauen. Im ersten Teil? Ja, Überraschung: der Kurs besteht aus 2 Teilen, Bodenarbeit und Longenarbeit, mit insgesamt 27 Lehrvideos , 4 Bonusvideos und einem Skript, welches man sich downloaden kann. Ich habe mir daraus ein kleines DIN A5-Handbuch gedruckt. Auf einen Theoriepart folgen praktische Beispiele und Anwendungen mit verschiedenen Pferden unterschiedlichen Ausbildungsstandes und Talentes demonstriert, so dass man den Blick für das eigene Pferd schulen kann.

Der "kleine Cara" zeigt und demonstriert uns die Übungen für ein Pferd seines Ausbildungsstandes.

Der „kleine Cara“ zeigt und demonstriert uns die Übungen für ein Pferd seines Ausbildungsstandes.

Der Kurs ist in Deutsch und wurde in Zusammenarbeit mit Marc Lubetzki, dem bekannten Tierfilmer, erstellt. Er steht online zur Verfügung, man kauft den Zugang zu den Videos. Für mich ist das ein kleiner Wehrmutstropfen, da auch die – in meinem Fall – Telekom mit daran verdient. Wichtig finde ich: ich kann die Videos mit meinen iDingern, iPhone und iPad, auf dem Sofa oder im Stall ansehen. Tipp: auch wenn die Videos den Ausbildungsfortschritt der Pferde begleiten, ist es von Vorteil alle vorher mehrmals anzusehen, da sich dann der Zweck der Basisarbeit wesentlich besser erschließt. „Die Basis muss eine Basis für etwas sein, sonst ist sie keine Basis.“ – Bent Branderup. Und dann werden Sie auch diesen Satz verstehen.

Im Vergleich dazu der ältere Corazon.

Im Vergleich dazu der ältere Corazon.

Zuallererst lernen wir die gemeinsame Mensch-Pferd-Pferd-Mensch-Sprache. Diese Grundlage kann man gar nicht oft genug erwähnen.

In der Bodenarbeit stehen wir direkt am Pferd und verwenden einen Kappzaum. Wir bitten das Pferd sich richtig zu biegen, unterzutreten und die Grundbewegungsabläufe zu lernen. Ziel ist es, dass unser Pferd das von sich aus macht und nicht auf unseren Zug hin. Ziehen wir das Pferd, so haben wir immer von ihm einen Gegenzug, welcher die falschen Muskel zum Anspannen bringt, und wir damit das Gegenteil von dem, was wir wollen, erreicht haben. Dies ist das zweite Geheimnis der akademischen Reitkunst. Das Pferd trägt sich selbst. Erst wenn es dies kann, kann es später auch den Reiter mittragen. Es ist immer in Balance.

Die Longenarbeit baut logisch darauf auf. Somit ist sie in der akademischen Reitkunst mehr als ein Herumtreiben im Kreis, wie ich es leider immer noch so oft sehe. Das Pferd lernt ohne Hilfszügel sich selbst zu tragen, seine Balance zu finden, geschmeidig zu werden. Um dies zu erreichen, werden die Übungen an der Longe zu einem abwechslungsreichen und interessanten Ballett des Pferdes. Als ich vor über tausend Jahren mit dem Reiten angefangen habe, haben unsere Lehrer uns noch erklärt, wozu man dies oder jenes macht. Irgendwann gab es dann einen Bruch, und das Wissen schien verloren. Ich habe mal nachgerechnet: mein ältester Reitlehrer hat um 1900 als junger Mann das Reiten gelernt. Ich war damals sehr jung und er sehr alt. Er kam immer wieder an den kleinen Reitplatz, auf dem ich übte und es entwickelt sich eine Freundschaft. Wir beide bezogen uns auf Steinbrecht. Er erzählte von der Kavallerie, und wie das damals war. Ich schweife ab…

Gebogenes Gerade, Blickschulung, Positionierung, alles Themen, die heute nicht mehr in Reitschulen gelehrt werden. Hier steht das Wissen wieder zur Verfügung und ich meine, dass jeder Pferdemensch es nützlich finden kann, es in seine eigene Reitweise einzufügen, sei es im Spring-, Westernreiten oder auch der Doma Vaquera.

Damals war ich teilweise schon Autodidakt, heute bin ich es zur Gänze. Und hier greift der Kurs von Bent Branderup ein. Ich halte ihn dafür geeignet, mich und mein junges Pferd auf das Reiten vorzubereiten, so ich es mir vorstelle. Ich habe zwar das Glück in meiner Nähe eine Meisterin der akademischen Reitkunst zu haben, dennoch, selbst wenn ich es nutzen würde, würde ich doch die allermeist Zeit alleine arbeiten. Es wäre interessant zu erfahren, ob die Branderup-Videokurse alleine ausreichen, um sich und sein Pferd auszubilden. Für mich selbst denke ich ja – arrogant, wie ich bin – , und könnte ich es mal tatsächlich so durchführen und Príncipe und mich später zur Überprüfung Herrn Branderup vorstellen.

http://www.marc-lubetzki.com/8961

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