Medizinische Sattellehre – Kurs von Dr. Robert Stodulka

Dieses ist der Artikel 2 von 8 in der Serie Rezensionen
Dr. Stodulka erklärt uns die Anatomie und die Sattellage am lebenden Objekt

Dr. Stodulka erklärt uns die Anatomie und die Sattellage am lebenden Objekt

Príncipe ist nur 3,5 Jahre alt. Ich werden ihn nicht reiten, bevor er 4 ist. Dennoch möchte ich vorher für ihn einen Sattel haben, um ihn auf das Reiten vorzubreiten und mit den Übungen vom Boden aus und aus Hand daran zu gewöhnen. Alle Sättel aus meinem Fundus – 40 Jahre eigene Pferde – sind komplett ungeeignet, sie passen nicht mal annähernd. Der Malibaud könnte passen, wenn Príncipe die Rückenmuskulatur aufgebaut hat. Im Moment könnte die Wirbelsäule an die Kammer stoßen, wenn Belastung auf dem Sattel ist.

Also es muss ein passender Sattel her. Mein Problem: ich habe zurzeit kein Pferd, auf dem ich den Sattel probereiten könnte. Squire ist mir mit seinen 32 Jahren einfach zu alt, Príncipe – wie gesagt – zu jung. Also Hals über Kopf in das Sattelthema gestürzt, das Leben ist zu kurz für halbe Sache.

Und schon läuft mir der geeignete Kurs über den Weg: Medizinische Sattellehre von Dr. Robert Stodulka

Am 2.11.2013 wurde er auf dem Pegasus Hof bei Zolling im Norden Münchens angeboten.

Meine Navi führten mich und Sheldon, den süßen Quengelhund (der eigentlich sehr brav war), zu einem alten Gutshof, der mit Stallungen, Außenanlage und Reithalle alles hat, was man für Veranstaltungen und Fortbildungen braucht. Und als ich noch das liebevoll aufgebaute Buffet sah, von dem man sich beliebig bedienen konnte, wusste ich, hier bin ich goldrichtig. Es war alles da, damit ich meine Diätvorgaben nicht vernachlässigen musste.

Dr. Stodulka führte uns zuerst Mal in die Geschichte des Sattels ein. Hochinteressant, da hätte ich gerne noch mehr gehört. Dann kam die Anatomie des Pferdes dran. Er erklärte, wo der Sattel sitzen darf und wo nicht. Die Schulter muss genügend Bewegungsfreiraum haben und der Sattel darf hinten nicht über die Brustwirbel hinaus gehen. Soweit hatte ich es auch noch damals gelernt. Nur warum gehen dann viele Pferde so unentspannt, kurztrittig oder gar bockig? Und hier kam uns das Wissen von Dr. Stodulka entgegen: es gibt auch in dem Sattel- und Gurtbereich schmerzhafte Punkte für das Pferd. Es ist eine hohe Kunst der Sattlerei, die Punkte belastungsfrei zu halten. Es sind der untere, rückwärtige Rand und der rückwärtige Ansatz des Trapezmuskels. Und genau da liegt der Sattel drauf. Ein Sattelbaum muss also so gewölbt sein, dass er auf diese Punkte keine Belastung gibt.

Es wurde besprochen, wie das Kopfeisen zu liegen hat und wie man dies mit einer Handprobe, die an dieser Stelle noch einfach ist, prüfen kann. Schwierig wird es direkt unter dem Sattel, vor allem, wenn der Reiter darauf sitzt. Eine Prüfung scheint hier unmöglich – bisher. Zu diesem Zweck wurde von einem Team um Dr. Stodulka ein 3D-Satteldruckmesssystem entwickelt, das seine Daten kabellos überträgt. Damit kann dann endlich der Druck des Sattels unter realen Bedingungen gemessen und abgebildet werden. Auch wenn ein Sattel von außen betrachtet scheinbar korrekt sitzt, deckt dieses System auf, was unsere Pferde auf Dauer krank und lahm macht.

Doch auch die Lage des Bauchgurtes darf nicht vernachlässigt werden. Dr. Stodulka bevorzugt den guten, alten Schnurrgurt, einen Langgurt. Bekommt man den eigentlich noch?

Im Praxisteil in der Halle wurden dann verschiedene Pferde und Sättel besprochen, bei denen wir unser Wissen festigen konnten.

Im Kurs wurde vor allem der englische Sattel und seine Schwierigkeiten besprochen. Das ist für die meisten Reiter, vor allem, wenn sie auf Turniere gehen wollen, das Hauptthema.

Ich selber halte den englischen Sattel, außer fürs kurze Springreiten, für jegliche andere Art der Reiterei vollkommen ungeeignet. Bei Distanzen und Wanderritten sind englische Sättel ein No-Go, egal wie gut sie passen. Die Auflagefläche ist einfach zu klein. Auch für die Dressur sind sie, meiner Meinung nach, ungeeignet. Er wird immer als die letztendliche und logische Entwicklung der Sattelgeschichte dargestellt, dabei war es ein Spezialsattel für die Jagdreiterei, damit der Reiter beim Sturz des Pferde aus dem Sattel und damit nicht zu Tode kam. Allein schon mal einem „Sport“ zu frönen, bei dem man mit Stürzen und Verletzungen des Pferdes rechnet… der Reiter kann sich von mir aus gerne den Hals brechen, er nimmt daran ja freiwillig teil.

Auch die Kavallerie hatte für die langen Stecken Bocksättel. Welcher Doddel kam nur auf die Idee, den englischen Sattel zum Standard zu machen? Aber wir haben das Teil nun mal als FN-Standard definiert, daher kann ich deren Benutzer nur raten, diesen auf dem eigenen Pferd zu untersuchen, damit man nicht still und leise seinem geliebten Tier Schäden anreitet.

Mein Sattelthema sind die Barocksättel und der Vaquero. Dr. Stodulka behandelte auch diese Fragen. Leider gab er mir keine Sattelempfehlung, egal, wie ich ihn nervte.

Was nahm ich für meine Sattelsuche mit? Erst Mal die Erkenntnis, wie komplex das Thema ist. Zweitens, wie viel Wissen ein Sattelmacher – und Verkäufer – haben muss, und ich bezweifle dies bei vielen mittlerweile. Und drittens, dass man selber gar nicht genug Wissen haben kann. Meine Pferde sind sehr alt geworden und sind immer frei gelaufen, doch es hätte anders kommen können. Wir haben Glück gehabt, doch ich will dies nicht mehr dem Glück überlassen.

 

Dr. Robert Stodulka: http://www.pferdepraxis.co.at

Pegasus Hof: http://www.hofgut-pegasus.de/

Satteldruckmessung: http://www.pferdepraxis.co.at/dualreha/sattelmessung.html

 

Share this:
Share this page via Email Share this page via Stumble Upon Share this page via Digg this Share this page via Facebook Share this page via Twitter

Des Reiters Hand

Bent Branderup theoretische Grundlagen. Die Theorie ist wichtiger, als man so denkt!

Bent Branderup theoretische Grundlagen.
Die Theorie ist wichtiger, als man so denkt!

Mein zweites Seminar bei Bent Branderup.

Organisiert hat dies wiederum Sabine Oettel in Wendlmuth nahen Bad Füssing auf der neuen Reitanlage der Familie Andraschko. Auch dieses Mal war es doch recht kalt, aber die Halle machte uns wetterunabhängig.

Wie bei allen Seminaren gab es zuerst die Theorie um das später Gesehene richtig einordnen zu können. Thema dieses Seminares war die Reiterhand – und für mich besonders passend – und wie ich sie mit meinem Pferd vom Boden aus schulen kann.

Dazu muss man wissen, dass die akademische Reitweise alle Lektionen vom Boden aus anfängt, verfeinert oder auch vertieft, je nach Veranlagung des Pferdes. „Die Dressur ist für das Pferd da, nicht das Pferd für die Dressur!“ Bent Branderup

Somit simulieren wir also vom Boden aus die Reiterhand, als würden wir auf dem Pferd sitzen. Die akademische Reitkunst nennt dies: Arbeit an der Hand. Die Bodenarbeit ist an der je nachdem weniger oder mehr langen Longe, die Arbeit an der Hand direkt am Pferd mit den zwei oder vier Zügeln, welche am besten dort gehalten werden, wo sich auch beim Reiten die Hand befindet. Ist das Pferd für seinen Ausbilder dafür zu groß, kann dieser sich etwas erhöht stellen und somit wenigstens im Stand üben. Ansonsten bleibt seine Hand unten am Kopf und er arbeitet mit seinem Pferd von dort aus und überspringt die Handhaltung über dem Widerrist.

In der Praxis übten dann die Teilnehmer mit ihren Pferden unter den Augen des Meisters, diese Handarbeit. Dabei war erst mal wichtig, ein Gefühl für die Reaktion des Pferdes in der Hand zu bekommen, ob es sich feststellt oder nachgibt. Ob Paraden tatsächlich durch gehen oder nur vom Genick oder offenen Maul „geschluckt“ werden. So konnten die Teilnehmer lernen, wie es sich richtig anfühlt. (Hier eine Anmerkung von mir: wenn ich bedenke, mit wie viel Kraft es heutzutage üblich ist, dem Pferd im Maul zu hängen, wird mir ganz übel. Mein Reitlehrer von damals gab Reitern mit harten Händen ein Pferd mit Polokandare gezäumt. Dieses warf den Reiter dann kurzerhand ab, wenn er wieder zulangte, es hatte die Lizenz dazu. Jeder Reiter, der das hinter sich hatte, ritt nur noch mit Samtpfötchen.)

Der erste Tag endete sehr spät, und ich konnte, nachdem ich meinen kleinen Quängelhund nach Hause gebracht hatte, noch am gemeinsamen Abendessen teilnehmen.

Der zweite Tag begann wieder mit Theorie, dabei wurde auch ein aktuelles Thema erörtert: wie schwer darf ein Reiter sein. Bent Branderup erklärte, dass es nicht so sehr auf das Gewicht ankommt, sondern auf das Können. Hier muss ich etwas grinsen, denn seinen Sattel gibt es nicht in verschiedenen Größen für den Reiter. Ein zu dicker Reiter passt da halt nicht rein und muss erst mal abspecken. Einer der besten Reiter der Welt, Nuno Oliveira wog 110 kg, nur mal so als Information.

Beide Themen betrafen mich. Die Arbeit an der Hand, da Príncipe im Moment genau an der Stelle ist, wo ich von der Bodenarbeit in die Handarbeit gehen kann. Aber auch die Bedenken wegen des Gewichts. Ich wiege nicht mehr als ein normaler Mann, dennoch unterziehen ich mich gerade einer Diät, wegen Príncipe.

Auch dieses Mal hatten wir unter anderem Teilnehmer mit ihren Pferden dabei, die zwar auch letztes Mal teilnahmen, welchen dennoch die Grundlagen fehlten. Trotzdem konnte ich am Körperbau ihrer Pferde eine positive Entwicklung feststellen, auch wenn diese Reiter offensichtlich in ihren Heimatställen keine Unterstützung und Hilfe bekamen. Bent Branderup empfahl diesen Teilnehmern, sich erst einmal an seine Schüler zu wenden, bevor sie einen Kurs bei ihm selbst belegen.

Um 14 Uhr war der Kurs dann vorbei. Schade.

Mal sehen, was Príncipe und mir das nächste Jahr bringt, wie weit wir kommen. Gerne würde ich ihn bei den Andraschoks und Sabine Oettel mal eine Woche einstellen, damit er lernt, auch in fremder Umgebung konzentriert zu arbeiten.

Ein paar Worte mit auf den Weg. (Der Hund liegt da freiwillig. Er hat sich vor versammelter Mannschaft sein Plätzchen gesucht.)

Ein paar Worte mit auf den Weg.
(Der Hund liegt da freiwillig. Er hat sich vor versammelter Mannschaft sein Plätzchen gesucht.)

Bent Branderup:     www.bentbranderuptrainer.com

Sabine Oettel:         http://www.akademische-reitkunst.at/

Familie Andraschko:     http://www.der-barockreiter.de/

Share this:
Share this page via Email Share this page via Stumble Upon Share this page via Digg this Share this page via Facebook Share this page via Twitter