Besprechung: Das Video „Diary of Swan“ von Bent Branderup und Bianca Grön

Dieses ist der Artikel 1 von 8 in der Serie Rezensionen

Diary of Swan Einen Dank an Bianca Grön, welche mir dieses Foto für den Artikel zur Verfügung gestellt hat. Den Link zum Trailer findet Ihr am Ende des Artikels

Diary of Swan
Einen Dank an Bianca Grön, welche mir dieses Foto für den Artikel zur Verfügung gestellt hat.
Den Link zum Trailer findet Ihr
am Ende des Artikels

Schon länger überlegte ich mir das Video „Diary of Swan“ von Bent Branderup und Bianca Grön anzuschaffen. „Anzuschaffen“ ist nicht der richtige Ausdruck, denn man bekommt nur einen Onlinezugang zum Video. Dies war auch der Punkt, der mich so lange zögern ließ. Dennoch konnte ich der Versuchung nicht widerstehen.

Bent Branderup zeigt in diesem Video von 2:20 Std. Länge die Ausbildung seines PRE-Hengstes, welchen er „Swan“ nach einem historischem, diesem ähnlichen Pferd, getauft hatte. Wir begleiten das erste Jahr, vom rohen Pferd bis zum eingerittenen Youngster.

Interessant sind zwei Vorgaben: erstens, Swan ist ein wirklich rohes Pferd, aufgewachsen mit Gleichaltrigen sozusagen in der Wildnis, wie es heute noch in Spanien häufig praktiziert wird. Und zweitens, Swan ist vier Jahre alt, als die Arbeit beginnt. Dies war früher übrigens das übliche Alter um mit der Ausbildung der Pferde anzufangen.

Die Ausbildung beginnt Branderup immer sorgfältig vom Boden aus. Erst wenn ein Schritt der Gymnastizierung geschafft ist, beginnt er mit dem nächsten. Ich sage „Gymnastizierung“, weil der Begriff „Übung“ hier irreführen kann. Es werden nicht, wie bei der FN, Übungen abgeritten, deren Zweck den Reitschülern längst nicht mehr bekannt ist, und das Pferd dabei mehr oder weniger zufällig gymnastiziert wird, sondern alle Übungen im Video dienen der Gymnastizierung der einzelnen Muskelgruppen. Auch muss Swan erst die Hilfen lernen und begreifen. Ganz besonders gefällt mir eine Stelle im Video, das mit einem Klavierstück unterlegt ist, welches das Lernen und Üben nochmals verdeutlicht.

Bent Branderup trainiert Swan über Schulterherein und Kruppeherein wie es auch Guérinière getan hat und vor diesem bestimmt auch bereits andere. Swan baut, wie man sehen kann, in dieser Zeit Muskel auf, wird geschmeidig und gewinnt an Selbstvertrauen.

Nun habe ich ja Príncipe, welcher demnächst 3 Jahre alt wird. Natürlich ist er schon in der „Ausbildung“ bei mir, was aber nicht einreiten und longieren bedeutet, sondern Freundschaft und Vertrauensaufbau – und Respekt, junge Hengste brauchen auch dies. „Vorarbeiten“ werde ich erst im Herbst, wenn er 3,5 Jahre alt ist, richtig anfangen dann mit 4 im nächsten Sommer. Leider sagt Bent Branderup nicht, wie oft und wie lange er mit Swan diese Gymnastik betreibt. Ich werde sie am Anfang nicht länger als 20 min halten, vielleicht zwei mal am Tag. Es wird Tage ohne Training geben, weil ich beruflich unterwegs bin. Aus meiner Erfahrung raus wird es jungen Pferden sehr bald langweilig, wenn man immer wieder zu lange das gleiche macht. Auch werde ich etwas anders vorgehen müssen, da ich keine Hilfe von unten habe und bei der Ausbildung der Pferde alleine bin. Ich weiß, das ist nicht ideal und eigentlich auch gefährlich. Doch habe ich meinen Schülern bisher immer sehr vertraut. Wie auch Bent Branderup im Video klar macht, ist das Halten auf Kommando fundamental.

Vertraut machen mit dem Sattel, immer alles erst mal vom Boden aus, biegen, entspannen. Dann vorsichtig das erste Reiten, vorerst noch an der Longe, bis zum Gymnastizieren vom Sattel aus. Ganz nebenbei lernt man was über den Sitz, die Hilfen, Einwirkung von Caveçon und Kandare.

Wir verlassen Branderup und Swan ein gutes Jahr später, Swan versteht die Hilfen und beherrscht im Schritt und Trab die Grundlagen der Seitengänge.

Haben sich die 49,00 € für mich gelohnt? Ja, auf jeden Fall. Ein Aha-Erlebnis für mich war der Gebrauch der Gerte als Verlängerung des Arms und als „Zeigestab“. Diese habe ich bisher zwar von Boden aus verwendet, aber beim Reiten weggelassen, da ich bisher sie nach FN nur als vorwärts treibende Komponente wahrgenommen habe und Vorwärtstreibend bei Vollblutarabern eher kontraproduktiv ist. Wie Branderup sie verwendet ist sie offensichtlich eine sehr große Hilfe, welche ich bei Príncipe verwenden werde. Ich bin sicher, jeder kann hier sein Aha-Erlebnis finden. Des weiteren ist das Video keine Schönmalerei, sondern ein realistisches Tagebuch. Mal geht es schnell vorwärts, mal sehr langsam. Doch das spielt keine Rolle, wenn jede Lehrstunde mit einer kleinen Verbesserung endet. Das Ziel ist nicht eine möglichst schnelle Ausbildung, sondern eine solide für viele Jahre mit dem Pferd in Freundschaft.

Somit finde ich das Video nicht nur für erfahrene Ausbilder, welche reflektieren wollen, empfehlenswert, sondern auch für Anfänger, da man mit Swan ebenfalls die Hilfen erklärt bekommt. Nicht geeignet ist es wohl für Reiter, welche ihre Pferde als „Kracher“ reiten wollen. Viel zu fein und viel zu unspektakulär ist die Gymnastik. Für Umdenker ist das Video allerdings ein geeigneter Einstieg.

Was ich noch erwähnen sollte: das Video ist in einem sehr gut verständlichen Englisch.

Hier der Link für den Trailer:
http://www.bentbranderupshop.com/movieplayer/player/play/id/12/

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