Der Mensch muss verpferdet werden

Um dieses schöne Foto zu machen, ging ich wegen der Augenhöhe sogar auf die Knie *g Herr Branderup, danke für das interessante Seminar.

Um dieses Foto zu machen, ging ich wegen der Augenhöhe sogar auf die Knie *g
Herr Branderup, danke für das interessante Seminar.

Dies lehrte uns Bent Branderup auf dem Seminar letztes Wochenende.

Wie Ihr wisst, will ich nach meinem Dornröschenschlaf an meine alten Reitlehren anknüpfen. Im Internet bin ich dann auf Bent Branderup gestoßen und habe mir seine Bücher und DVD besorgt. Auch in youtube lässt sich einiges über ihn finden. Es schien mir interessant genug um es weiterzuverfolgen.

Sabine Oettel, welche die „Ritterprüfung“ bei Bent Branderup abgelegt hatte, organisierte ein Seminar in dem mir nahen Bad Füssing auf der neuen Reitanlage mit Halle und allem drum und dran der Familie Andraschko. Das machte den Kurs wetterunabhängig. Kalt war es dennoch und wir hatten uns alle in warme Decken eingemummelt. Die Andraschkos versorgten die Teilnehmer mit Kaffee, Kuchen und einer ausgezeichneten Gulaschsuppe – für 1 €. (Den Kuchen ließ ich stehen – seufz -, sollen bei mir doch bis Ende des Jahres 20 kg runter.)

Zuerst gab es Theorie. Die Biomechanik des Pferdes und der entsprechend darauf eingehende Sitz. Nach all dem Baucher und Racinet endlich jemand, der das ausführlich erklärte, was mir meine alten Lehrer beibrachten. Ich bin also doch nicht so ganz alleine damit.

Nach der Theorie ging’s in die Praxis. Reiter stellten sich und ihre Pferde vor. Herr Branderup zeigte eine Engelsgeduld. Jeder Teilnehmer nahm etwas aus dem Kurs mit. Er korrigierte nicht nur den Sitz, er zeigte, wie man ein Pferd dazu bringt, aufmerksam seinem Lehrer gegenüber zu sein. Es waren Pferde allen Ausbildungsstandes da, er machte keinen Unterschied, sondern passte seine Unterweisungen dem jeweiligen Paar an.

Der erste Tag ging von 9 Uhr bis wohl nach 20 Uhr. Leider konnte ich nicht bis ganz zum Schluss bleiben, da meine eigenen Pferde aus dem Schlamm geholt und gefüttert werden mussten.

Auch der zweite Tag begann mit Theorie: Aufstellen eines Lehrplanes für das eigene Pferd und der Ablauf eines Trainings. Branderup hat Recht, wenn er sagt, dass wir alle mehr oder weniger Autodidakten sind und uns selbst weiterbilden. Dies traf und trifft besonders für mich zu, und ich denke für die meisten anderen Teilnehmer auch. Habe ich mich doch aus der FN-Schule schon vor Jahrzehnten verabschieden, weil nicht das, was in den Richtlinien für Reiten und Fahren etwas drinsteht, mir nicht gefällt, sondern weil die FN-Reitlehrer gerade das NICHT unterrichten. Vorne halten, hintern treiben und immer schön linksrechtslinksrechts… Ihr kennt das ja – DAS wird unterrichtet und hat mit den Richtlinien so gar nichts zu tun.

Auch hier war der Ausbildungsstand der Pferde und Reiter nicht ausschlaggebend, sondern dass man mit jeder Lehrstunde eine, wenn auch kleine, Verbesserung erreicht. Und damit es dann tatsächlich eine Verbesserung ist, muss man die Psyche und die Physis seines Pferde kennen. Man muss sich verpferden.

So um 15 Uhr war der Kurs dann vorbei. Schade.

Als ich heimfuhr war ich doch ein bisschen niedergeschlagen. Irgendwie hatte ich, vielleicht in meiner Arroganz, erwartet, doch mehr Gleichgesinnte zu treffen. Die gab es wahrscheinlich auch, doch das Wochenende war für mich viel zu kurz, um diese zu finden.

Im Stall dann schmusten mit mir meine beiden Hengste, der junge Príncipe mit seinen bald drei Jahren und der erfahrene Squire mit seinen 32. DAS sind meine Gleichgesinnten.

Príncipe und Squire im Herbst 2012.

Príncipe und Squire im Herbst 2012.

 

Bent Branderup:     www.bentbranderuptrainer.com

Sabine Oettel:         http://www.akademische-reitkunst.at/

Familie Andraschko:     http://www.der-barockreiter.de/

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