Die Reise durch die Reitlehren

Dieses ist der Artikel 1 von 1 in der Serie Reise durch die Reitlehren
Edelpferdetreffen auf Gut Ising. Das war vor 30 Jahren. Ibn Susam war sehr aufgeregt, ich hatte Mühe, ihn gerade zu halten. Seine Beweglichkeit ließ ihn sofort in Travers gehen. So starke Anlehnung hatten wir sonst nicht, aber er wollte unbedingt angeben. Wir hätten sogar gewonnen, wenn nicht unser schärfster Konkurrent seine Freundin beim zweiten Durchgang mit auf Pferd nahm, das konnten wir dann natürlich nicht toppen. Es war ein wundervoller Tag. Leider gibt es von mir aus dieser Zeit fast keine Fotos.

Edelpferdetreffen auf Gut Ising. Das war vor 30 Jahren. Ibn Susam war sehr aufgeregt, ich hatte Mühe, ihn gerade zu halten. Seine Beweglichkeit ließ ihn sofort in Travers gehen. So starke Anlehnung hatten wir sonst nicht, aber er wollte unbedingt angeben. Wir hätten sogar gewonnen, wenn nicht unser schärfster Konkurrent seine Freundin beim zweiten Durchgang mit auf Pferd nahm, das konnten wir dann natürlich nicht toppen. Es war ein wundervoller Tag. Leider gibt es von mir aus dieser Zeit nur sehr wenig Fotos. Und: das einzig Spanische an uns war der Hut und das Zaumzeug.

Auf der Suche nach meinen alten Lehrern musste ich leider auf Bücher und Dokumente zurückgreifen. Doch zuvor war es nötig, dass ich mir klar wurde, was ich eigentlich will. Was ist mein Ideal, dem ich nachstreben möchte?

Als Maß der Dinge habe ich die Levade angesetzt. Wie sehr ist die Reitweise geeignet, damit das Pferd eine ruhig gestandene Levade machen kann.

Wie ich bei den Hengsten beim Spielen beobachten kann, drücken sie dabei den Rücken nicht durch, sondern machen ihn rund. Junge Hengste und Fohlen hüpfen die Levade mehr, das heißt, sie nehmen Schwung zum Steigen. Da man aber während der Steigbewegung nicht so gut auch noch Schnutengefechte austragen kann, lernen sie, ruhiger auf den Hinterbeinen zu stehen. Dazu wölben sie dann den Rücken. Interessant ist es anzusehen, wenn sie aus diesem Stehen nach vorne schnellen und dabei den Rücken wieder gerade machen wie bei einem Bogen, wenn man den Pfeil abschießt. Ibn Susam war da unglaublich: er konnte die Levade nicht nur minutenlang stehen, sondern ist dabei auch noch auf den beiden Hinterbeinen gelaufen und gehüpft, man musste es gesehen haben um es zu glauben. Er hatte aber auch, trotzdem er Vollblutaraber war, die richtig Figur dazu, klein, quadratisch, sehr stark bemuskelt. Er repräsentierte den alten Typ des arabischen Vollblutes, wie ihn Lady Blunt im 19. Jahrhundert in der Nadschd vorgefunden hat. Mit dem „modernen“ Araber hat dieser Typ so viel zu tun, wie ein Andalusier mit einem Warmblut.

Also mein 1. Kriterium:

Die ruhig gestandene Levade mit rundem Rücken.

Durch die Ankunft von Príncipe kamen sehr viele Erinnerungen hoch. Und: wieso war es bei Ibn Susam so leicht in die Piaffe und Levade zu gehen und bei Squire nicht? Es hat lange gedauert, bis ich darauf kam, was ich falsch gemacht hatte: beim Ersten ritt ich noch in der – ich will es nennen – Art der Spanier. Damals hatte ich Kontakt zu einem Reiter und seinem Andalusier, welcher mich ausbildete. Genau genommen war es eher das Pferd, als sein Besitzer, von dem ich lernte.

Hier war der Grundsatz: reite mit dem Sitze, lege die Beine höchstens stellunggebend an, das Pferd muss so durchgängig sein, so dass nur das Gewicht des Zügels ausreicht, um ihm Versammlung und Stellung zu geben.

Ich bin mit Ibn Susam damals auf der Hippo Vorführungen geritten, erst mit der Spanischen Kandare und Sattel – danach dieselbe Vorführung nur mit einem Halsring ohne Sattel.

Zur Zeiten Squires hatte ich dann bei einer bayerischen Meisterin Unterricht genommen. Und da lag der Fehler. Für meine Vollblutaraber war der Grundsatz: „was du hinten treibst, muss du vorne halten“ genau das Falsche. Squire regte sich schrecklich auf und bekam nur selten Takt in seine Beine. Ob dies Steinbrecht so gemeint hatte, werden wir später noch sehen.

Damit ist mein 2. Kriterium klar:

Keine Kraft von der Zügelhand ins Maul oder auf die Nase.

Das Pferd muss sich selber tragen. Mit dieser Vorgabe scheiden alle Hilfszügel automatisch aus. Sie können nichts anderes als das Pferd im Maul abzustumpfen oder Ausweichreaktionen hervorrufen. Dies will ich nicht als Dogma verstanden wissen, denn es kann Situationen geben, in denen kurzzeitig Hilfszügel hilfreich sind, aber als Basis der Ausbildung lehne ich sie ab. An dieser Stelle noch ein Wort zum Martingal. Diesen muss so verschnallt sein, dass es beim Amzügelgehen, also im Normalfall, nicht wirkt. Es ist dafür da, dann einzugreifen, wenn das Pferd den Kopf soweit hebt, dass die Trense dann auf die Backenzähne wirkt. Leider sieht man es so oft falsch verschnallt. Ob ein Pferd am Zügel ist – nach meiner Definition – oder nicht, ist nicht eine Frage der Form oder der Winkel, sondern eine Frage der gefühlten Durchlässigkeit, wenn man auf dem Pferd sitzt.

Das 3. Kriterium wird nur bei ganz wenigen Reitlehren berücksichtigt:

Sprich die Intelligenz und die Persönlichkeit deines Pferdes an. Lass ihm Zeit zu verstehen, was du meinst. Obwohl wir die Pferde wie Fahrzeuge behandeln, so nach dem Motto: der Schenkel ist das Gaspedal und der Zügel die Bremse, käme doch keiner auf die Idee sein Auto mit der Gerte zu bearbeiten, weil das Gaspedal klemmt. Es ist wie in der Erwachsenenbildung, wenn der Schüler das Thema nicht verstanden hat, dann hat der Lehrer es ihm nicht richtig erklärt. Wäre es doch auch bei unseren Kindern so. Pferde sind immer erst mal kooperativ, bevor wir sie frustriert haben. Gewinnen wir die Kooperation unserer Begleiter zurück in dem wir auf seine Persönlichkeit und Intelligenz eingehen. Überfordern wir sie so wenig, wie wir sie langweilen. Kurz, versetzen wir uns in ihre Lage. Und nur eine Reitlehre, die auch dies berücksichtigt, kommt für mich in Frage.

Mittlerweile habe ich mich fast durch ein duzend Bücher und Dokumente gearbeitet und deren Lehren mit meinem Ideal verglichen. In dieser Artikelserie werde ich meine ganz persönliche Meinung zu den einzelnen Reitlehren erläutern. Lernen kann man aus allem, auch aus dem, wie man es nicht machen möchte.

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Der Zahnwechsel kündigt sich an

Gerötete Nickhaut und die Verdickungen links und rechts vom Nasenbein. Anzeichen des bevorstehenden Zahnwechsels.

Gerötete Nickhaut und die Verdickungen links und rechts vom Nasenbein. Anzeichen des bevorstehenden Zahnwechsels.

Príncipe ist nun zweieinhalb Jahre alt. Deutlich kann man links und rechts vom Nasenbein die Verdickungen spüren – und sehen -, wo später im Maul die neuen Backenzähne sitzen. Streicht man an den Kinnleisten entlang, fühlt man die kleinen Erhebungen der unteren Zähne die nachschieben.
Auch die Nickhaut ist gerötet.

Armer Schatz.

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Zur Zeit auf einer Reise in die Vergangenheit

Computerrecherche hin oder her, Schmusereien sind immer wichtiger!

Wollte mich nur kurz melden. Keine Sorge, das Blog geht weiter. Der nächste Artikel will aber sauber recherchiert werden. So sichte ich Bücher und Kommentare von Seeger, Plinzner und Steinbrecht. Hochinteressant! Es ist anders als es scheint und als die allgemeine Meinung es darstellt. Also demnächst mehr.

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