Das Zungenbein ( lat.: Os hyoideum) – oder das Gleichgewicht liegt in aller Munde

Dieses ist der Artikel 1 von 4 in der Serie BODY AND SOUL von Stefanie Niggemeier
Stefanie Niggemeier mit ihrem bezaubernden Finn.

Stefanie Niggemeier, die Autorin dieses Artikels, mit ihrem bezaubernden Morgan Horse Glenmorgan Final Hylight, genannt  Finn.

von Stefanie Niggemeier

Das Zungenbein ist ein Knochen im Körper des Pferdes, den viele Reiter nicht kennen, obwohl die meisten von ihnen täglich im Training direkten Einfluß darauf nehmen.

Es handelt sich um einen – von oben besehen- fast H-förmigen Knochen, es erinnert an einen Schlitten, und befindet sich , an Bändern aufgehängt, im Unterkiefer des Pferdes. Von unten ist es zwischen den Unterkieferästen zu ertasten und sollte auch beweglich sein.

http://www.vetanat.uzh.ch/Praeparatorium/Shop/Zungenbein/Zungenbeinpferd-gros.jpg

Ein Video, beim dem alle Teile benannt werden:

Ist es das nicht, kann das verheerende Folgen für das Pferd haben. Ein blockiertes Zungenbein führt zu Taktunreinheiten und sogar Lahmheiten, kann der Grund sein für Anlehungsfehler, Mängel in der Durchlässigkeit, Stellungsfehler, mangelnde Fähigkeit zu Beizäumung und mangelnde Versammlungsfähigkeit. Es kann der Grund für ein plötzliches Abmagern des Pferdes sein, für Koordinationsschwierigkeiten und auch Wesensveränderungen wie Teilnahmslosigkeit oder starkes Abwehrverhalten ( Buckeln, Durchgehen, Steigen).

Wie kommt es, dass die Fehlstellung eines einzelnen Knochens solche massiven Auswirkungen haben kann? Das Zungenbein ist maßgeblich relevant für den Gleichgewichtssinn, als auch die Stabilität. Jeder kennt den Ausdruck: “ Die Zähne zusammenbeißen“- das bedeutet nichts anderes, als die Muskulatur, die das Zungenbein umgibt, anzuspannen, um es in eine stabile Position zu bringen. Trägt man Lasten mit aufeinandergepressten Kiefern, so ist das Tragevermögen deutlich größer. Mit einer Umpositionierung des Zungenbeins wird die gesamte Körperachse verschoben, bei Pferden spricht man in solchen Fällen auch von Zügellahmheit: sobald Druck auf das Zungenbein kommt, verspannt das Pferd die umgebende Muskulatur , es kommt zu dysfunktionalen Bewegungsabläufen und falscher Belastung der Gelenke.

Beim Menschen wissen wir, dass eine Fehlstellung des Zungenbeins für vegetative Beschwerden wie Tinnitus, Schwindel, migräneartige Kopfschmerzen, Seh- und Hörstörungen , Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Gliedmaßen verantwortlich sein kann; es gibt keinen Grund, warum wir nicht annehmen können, dass das Beschwerdebild beim Pferd ähnlich oder deckungsgleich ist. Ebenfalls zu erwähnen sei hier die sogenannte Cranio-Mandibuläre Dysfunktion, die mit einer speziell angepassten Zahnschiene ( „Knirscherschiene“ ) in der Humanmedizin behandelt wird.

Der sogenannte „Polizeigriff“ wird bei renitenten Personen deswegen verwendet, weil bei festgestelltem Zungenbein ein Laufen nahezu unmöglich ist: Probieren Sie es ruhig einmal aus!

Die mit dem Zungenbein verbundene Muskulatur zieht sich durch den Hals bis zum Rücken des Pferdes und findet ihren Ansatz in den Sehen des Vorderbeins. Eine falsche Hufkorrektur oder ein mangelhafter Beschlag können also schon Einfluss auf die Position und frei bewegliche Funktion des Zungenbeins haben. Auch eine ungeschickte Zahnuntersuchung, bei der die Zunge zu stark seitlich aus dem Pferdemaul gezogen wird, kann zu einer Blockade in diesem Bereich führen.

Natürlich hat auch die ungleichmäßige Abnutzung des Gebisses und eventuelle Hakenbildung Einfluss auf die reguläre Position des Zungenbeins, weshalb eine mindestens jährliche Kontrolle jedem Pferdebesitzer Pflicht sein sollte.

Warum also nutzt der Reiter schon seit Jahrtausenden ein Gebiss, um auf diese empfindliche Struktur einzuwirken? Wäre dann konsequentes gebissloses Ausbilden nicht deutlich pferdefreundlicher?

Tief eingebettet in die das Zungenbein umgebende Muskulatur ist ein Hormonpunkt, der direkt und indirekt für das Wohlbefinden verantwortlich ist. Bekommt so manch einer unter Stress “ so einen Hals“, bleibt uns in Prüfungssituationen „die Spucke weg“ oder „ein Kloss im Hals stecken“, so ist all das ein Zeichen für eine Anspannung und/oder Verspannung im Bereich der das Zungenbein umgebenden Muskulatur.

Was lässt ich dagegen tun? Um vom Sympathikusmodus , der für Flucht, Angst und Aggression, sowie allgemeines Unwohlsein verantwortlich ist, wieder zum Parasympathikusmodus zurückzufinden, weiß der Körper sich zu helfen: man gähnt, schluckt, singt, isst oder , bei kleinen Kindern besonders beliebt, lutscht am Schnuller oder Daumen. Schon lockert sich die Muskulatur, Dopamin und Serotonin werden ausgeschüttet, man befindet sich im „Wohlfühlmodus“. Diese Gefühl können wie mit Hilfe eines Gebisses leichter im Pferd erzeugen, wenn wir es denn in der richtigen Art und Weise gebrauchen. Wenn wir es nutzen, um das Pferd mit vorsichtigen Hilfen in der Muskulatur zu lockern, machen wir ihm das Reiten quasi auch hormonell gesehen angenehm .

Das Auslösen des Kau- und Schluckreflexes findet in den Lehren vieler Alter Meister Erwähnung, allen voran Francois Baucher, der sich intensiv mit verschiedenen Abkauübungen beschäftigt hat ( zum Beispiel dem „Cession des Mâchoirs“ , bei dem mit dem Gebiss oder Finger so lange in den Maulwinkel in Richtung Genick eingewirkt wird, bis das Pferd beginnt zu kauen und man es den Kopf danach direkt senken läßt) . Indirekt lässt sich das Zungenbein über eine entsprechende Positionierung des Schädels , auch Stellung genannt, auch gebisslos lockern. Wir sprechen dann vom „descente d`Encolure“, bei dem wir das Pferd am Kappzaum auffordern, auf eine stellende Parade hin den Kopf tief und in eine Stellung zu bringen. Diese Übung findet schon bei Newcastle Erwähnung, der für den Anfang rät, diesen Impuls mit einem Büschel Gras in die Tiefe lockend in der Hand des Reiters zu unterstützen.

Vor allem das in der Pferdeausbildung so wichtige Geraderichten hat mit der korrekten Ausrichtung von Zungenbein zu Unterkiefer, vom Unterkiefer zum Atlaswirbel und durch die Wirbelsäule , „über den Rücken“ , und in umgekehrter Richtung von der Ausrichtung der Hüfte und des tragenden Hinterbeins auf den Unterkiefer des Pferdes einen enormen Einfluss auf das mit zunehmender Versammlung immer fragiler werdende Gleichgewicht und sollte den Reiter in seinem ganzen Tun und Streben bewegen. Bei Xenophon finden wir dazu folgenden Satz: “ Die Schule aber welche „Pede“ ( Zirkel) heißt, ist sehr lobenswert, denn sie gewöhnt ein Pferd daran, sich auf beiden Kinnladen wenden zu lassen. Auch das Wechseln in dieser Schule ist gut, damit beide Kinnladen durch beide Arten der Schule gleich werden.“ Die schon im Kindesalter beim Ponyreiten geübten Volten und Zirkel finden also unter Anderem in der Arbeit mit dem Zungenbein ihre ursprüngliche Bestimmung.

Hier findet sich eine gute Möglichkeit, dem Pferd zu helfen, eine funktionelle Lage des Zungenbeins zu finden ; weitere nützliche Lektionen finden wir in den Seitengängen oder dem Karrée.

Obwohl sprichwörtlich in aller Munde, ist die gesunde Funktion des oft so unbekannten Zungenbeins also maßgeblich für die Skala der Ausbildung des Pferdes und das korrekte Beeinflussen dieses für gesundes Reiten so wichtigen Körperteils sollte stets behutsam und achtsam geschehen.

Stefanie Niggemeier

www.barocke-pferdeausbildung.de

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Medizinische Sattellehre – Kurs von Dr. Robert Stodulka

Dieses ist der Artikel 2 von 8 in der Serie Rezensionen
Dr. Stodulka erklärt uns die Anatomie und die Sattellage am lebenden Objekt

Dr. Stodulka erklärt uns die Anatomie und die Sattellage am lebenden Objekt

Príncipe ist nur 3,5 Jahre alt. Ich werden ihn nicht reiten, bevor er 4 ist. Dennoch möchte ich vorher für ihn einen Sattel haben, um ihn auf das Reiten vorzubreiten und mit den Übungen vom Boden aus und aus Hand daran zu gewöhnen. Alle Sättel aus meinem Fundus – 40 Jahre eigene Pferde – sind komplett ungeeignet, sie passen nicht mal annähernd. Der Malibaud könnte passen, wenn Príncipe die Rückenmuskulatur aufgebaut hat. Im Moment könnte die Wirbelsäule an die Kammer stoßen, wenn Belastung auf dem Sattel ist.

Also es muss ein passender Sattel her. Mein Problem: ich habe zurzeit kein Pferd, auf dem ich den Sattel probereiten könnte. Squire ist mir mit seinen 32 Jahren einfach zu alt, Príncipe – wie gesagt – zu jung. Also Hals über Kopf in das Sattelthema gestürzt, das Leben ist zu kurz für halbe Sache.

Und schon läuft mir der geeignete Kurs über den Weg: Medizinische Sattellehre von Dr. Robert Stodulka

Am 2.11.2013 wurde er auf dem Pegasus Hof bei Zolling im Norden Münchens angeboten.

Meine Navi führten mich und Sheldon, den süßen Quengelhund (der eigentlich sehr brav war), zu einem alten Gutshof, der mit Stallungen, Außenanlage und Reithalle alles hat, was man für Veranstaltungen und Fortbildungen braucht. Und als ich noch das liebevoll aufgebaute Buffet sah, von dem man sich beliebig bedienen konnte, wusste ich, hier bin ich goldrichtig. Es war alles da, damit ich meine Diätvorgaben nicht vernachlässigen musste.

Dr. Stodulka führte uns zuerst Mal in die Geschichte des Sattels ein. Hochinteressant, da hätte ich gerne noch mehr gehört. Dann kam die Anatomie des Pferdes dran. Er erklärte, wo der Sattel sitzen darf und wo nicht. Die Schulter muss genügend Bewegungsfreiraum haben und der Sattel darf hinten nicht über die Brustwirbel hinaus gehen. Soweit hatte ich es auch noch damals gelernt. Nur warum gehen dann viele Pferde so unentspannt, kurztrittig oder gar bockig? Und hier kam uns das Wissen von Dr. Stodulka entgegen: es gibt auch in dem Sattel- und Gurtbereich schmerzhafte Punkte für das Pferd. Es ist eine hohe Kunst der Sattlerei, die Punkte belastungsfrei zu halten. Es sind der untere, rückwärtige Rand und der rückwärtige Ansatz des Trapezmuskels. Und genau da liegt der Sattel drauf. Ein Sattelbaum muss also so gewölbt sein, dass er auf diese Punkte keine Belastung gibt.

Es wurde besprochen, wie das Kopfeisen zu liegen hat und wie man dies mit einer Handprobe, die an dieser Stelle noch einfach ist, prüfen kann. Schwierig wird es direkt unter dem Sattel, vor allem, wenn der Reiter darauf sitzt. Eine Prüfung scheint hier unmöglich – bisher. Zu diesem Zweck wurde von einem Team um Dr. Stodulka ein 3D-Satteldruckmesssystem entwickelt, das seine Daten kabellos überträgt. Damit kann dann endlich der Druck des Sattels unter realen Bedingungen gemessen und abgebildet werden. Auch wenn ein Sattel von außen betrachtet scheinbar korrekt sitzt, deckt dieses System auf, was unsere Pferde auf Dauer krank und lahm macht.

Doch auch die Lage des Bauchgurtes darf nicht vernachlässigt werden. Dr. Stodulka bevorzugt den guten, alten Schnurrgurt, einen Langgurt. Bekommt man den eigentlich noch?

Im Praxisteil in der Halle wurden dann verschiedene Pferde und Sättel besprochen, bei denen wir unser Wissen festigen konnten.

Im Kurs wurde vor allem der englische Sattel und seine Schwierigkeiten besprochen. Das ist für die meisten Reiter, vor allem, wenn sie auf Turniere gehen wollen, das Hauptthema.

Ich selber halte den englischen Sattel, außer fürs kurze Springreiten, für jegliche andere Art der Reiterei vollkommen ungeeignet. Bei Distanzen und Wanderritten sind englische Sättel ein No-Go, egal wie gut sie passen. Die Auflagefläche ist einfach zu klein. Auch für die Dressur sind sie, meiner Meinung nach, ungeeignet. Er wird immer als die letztendliche und logische Entwicklung der Sattelgeschichte dargestellt, dabei war es ein Spezialsattel für die Jagdreiterei, damit der Reiter beim Sturz des Pferde aus dem Sattel und damit nicht zu Tode kam. Allein schon mal einem „Sport“ zu frönen, bei dem man mit Stürzen und Verletzungen des Pferdes rechnet… der Reiter kann sich von mir aus gerne den Hals brechen, er nimmt daran ja freiwillig teil.

Auch die Kavallerie hatte für die langen Stecken Bocksättel. Welcher Doddel kam nur auf die Idee, den englischen Sattel zum Standard zu machen? Aber wir haben das Teil nun mal als FN-Standard definiert, daher kann ich deren Benutzer nur raten, diesen auf dem eigenen Pferd zu untersuchen, damit man nicht still und leise seinem geliebten Tier Schäden anreitet.

Mein Sattelthema sind die Barocksättel und der Vaquero. Dr. Stodulka behandelte auch diese Fragen. Leider gab er mir keine Sattelempfehlung, egal, wie ich ihn nervte.

Was nahm ich für meine Sattelsuche mit? Erst Mal die Erkenntnis, wie komplex das Thema ist. Zweitens, wie viel Wissen ein Sattelmacher – und Verkäufer – haben muss, und ich bezweifle dies bei vielen mittlerweile. Und drittens, dass man selber gar nicht genug Wissen haben kann. Meine Pferde sind sehr alt geworden und sind immer frei gelaufen, doch es hätte anders kommen können. Wir haben Glück gehabt, doch ich will dies nicht mehr dem Glück überlassen.

 

Dr. Robert Stodulka: http://www.pferdepraxis.co.at

Pegasus Hof: http://www.hofgut-pegasus.de/

Satteldruckmessung: http://www.pferdepraxis.co.at/dualreha/sattelmessung.html

 

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Die Heuliesel

Heunetze füllen ist ein GRAUS! Wer das gerne macht ohne sich zu beschmutzen, schreit nun mal laut: HIER!

HIIIIEEEERRR!

Die Lösung ist die Heuliesel. Ich muss gar nicht viel beschreiben, die Fotos erklären alles. Grundlage der Überlegung war: irgendwas muss mir das Heunetz aufhalten. Ich dachte an einen Rahmen oder ähnliches. Doch es ging viel einfacher: eine Tonne aus dem Baumarkt. Mein Mann kam auf die Idee.

Voller Stolz präsentiere ich hiermit: DIE HEULIESEL!

Die Heuliesel: eine Tonne mit 6 Schrauben bestückt. Haken sind unpraktisch, weil das Entnehmen des Heunetzes schwieriger wird.

Das Heunetz einhängen – wie bei einer Strickliesel, daher auch der Name.

Das Befüllen ist nun sehr einfach.

Schnell ist das Heunetz gefüllt.

Nun das Heunetz aushängen, sehr einfach bei den Schrauben und daher keine Haken.

FERTIG!

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Trick gegen Einstreufressen

Nass – Kalt – Herbst

Nasser Herbst, Wintereinbruch, die Pferde müssen in den Stall. Wenn es irgendwie geht, sind sie auf den Weiden. Aber bei Temperaturen zwischen 0° und 12° bei Dauerregen hole ich sie in den Stall. Das bedeutet für mich dann auch wesentlich mehr Stallarbeit. Darum habe ich mir Hippo Gold ausgesucht, welches ich diesen Winter testen will. Es ist wie die Strohpellets, nur los, der letzte Fertigungsschritt fehlt. Daher ist es günstiger in der Anschaffung als Pellets oder Taler. Weitere Überlegungen siehe den vorherigen Artikel. Doch Pferde fressen Stroh, also auch das Hippo Gold.

Was tun?

Im Internet findet man den Tipp, dass man die Einstreu mit Essigwasser besprengen soll. Irgendwie hat das bei mir hier nicht geholfen. Daher andere Überlegungen:

1. Einstreu NICHT fressen. Was frisst/isst man nicht gerne? Und es muss etwas sein, das, wenn es doch mal gefressen wird, nicht gesundheitsschädlich ist. Sand und dergleichen kommt also nicht in Frage. Haare wären so was. Ich schnippelte ausgebürstete Mähnenhaare in 2 cm langen Stückchen in die Einstreu. Nicht viel, sehr dünn. Das half.

2. Fressen: also die Pferde mit Fressen beschäftigen. Sie sollen sich möglichst lange damit aufhalten. Likit: das ist ein Spielzeug für Pferde, das man von der Decke hängt, und Zeugs zum Ablecken enthält. Die Begeisterung der Pferde hält sich in Grenzen. Erst als es mit Lecksalz bestückt wurde, war es interessant genug. Übers Likit gibt es noch mal einen eigenen Blogbeitrag.

Feenkinds Lieblingsbeschäftigung: Fressen. Darum auch der Gesichtsausdruck, geht halt nicht schneller.

3. Fressen: Heu! Was kann man mit Heu machen, damit es möglichst lange dauert, bis es gefressen ist? Rein in ein Heunetz, aber in ein engmaschiges. Das hat sehr gut funktioniert. Die Pferde brauchen mindestens doppelt so lang, bis sie die Hälmchen aller herausgezogen und gefressen haben. Weitere Vorteile: Es vermischt sich nicht mit der Einstreu, es verschmutzt nicht.

 

 

 

 

 

der Heuhaken

Aufgehängt wird es an speziellen Haken, an denen die Pferde weder hängen bleiben, noch sich verletzen können. Durch die Haken muss man auch keine Knoten zum Aufhängen machen, welche dann aufgefummelt werden müssen. Und noch ein Vorteil: ich befülle die Heunetze im Voraus, so dass sie nur noch in die Boxen gehängtwerden müssen. Das kann auch jeder nette Helfer im Stall.

 

NACHTEIL: die Heunetze befüllen ist ein GRAUS! Jeder, der das schon mal gemacht hat, weiß, was ich meine. Es dauert lang, man ist verstaubt und mit sehr anhänglichen Heuhalmen besät – bei meinen langen Haaren KATASTROPHAL! Also muss da eine Lösung her.

Weiter geht’s im nächsten Artikel.

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Wie man sich bettet…

Nun haben wir den wunderschönen Stall und eine Boden aus Gummimatten (wird bestimmt auch mal ein Blogpost). Welche Einstreu nehme ich nun? Alles was mit Holz zu tun hat, habe ich ausgeschlossen: zum einen, weil Squire vor sehr langer Zeit einmal eine Kolik bekam, weil er das Zeug gerne frisst, zum anderen, weil es noch Terpentin enthalten kann. Es ist zwar nicht viel Terpentin im Holz, dennoch zeigt es Wirkung, wenn die Pferde jahrelang auf einer solchen Einstreu stehen.

Also was aus Stroh. Letztes Jahr habe ich die Reformtaler der Firma Hoeveler verwendet.

Vorteile: saugfähig, bilden eine kompakte Matratze, leicht zu händeln.

Nachteile: wie der Name schon sagt, sind sie handflächengroße Taler, d.h. das Misten ist eine Geduldsspiel, bis sie sich aufgelöst haben. Wie sich zeigte, ist das praktisch nie. Immer ist noch ein Taler dazwischen, und kaum sind sie fast alle zerfledert, streut man einen neuen Sack schon nach. Und sie sind wirklich sehr teuer. Dieses Jahr kam ja Príncipe dazu, also noch ein Verbraucher mehr.

Somit begann eine Suche nach einer Alternative. Einen Probesack kleiner Strohpellets habe ich mir von der Raiffeisen geholt, immer noch nicht so günstig, wie ich wollte, aber doch schon besser. Nur: die Dinger waren nicht behandelt und schimmelten schon nach kurzer Zeit im offenen Sack. Abgehakt.

Verbraucht wenig Platz, sauber und leicht zu händeln. Hippo Gold

Ganz davon abgesehen, befürchte ich, dass diese kleinen Strohpellets von den Pferden gefressen werden und dann Probleme machen. Also den Rechner angekurbelt und die Suche im Internet fortsetzen. Gestoßen bin ich dann auf „Hippo Gold“, behandeltes und sehr klein gehäckseltes Stroh, lose und nicht in Pelletform. Weil ein ganzer Fertigungsschritt fehlt, war dies das Günstigste, was ich an behandelter Einstreu aus Stroh gefunden habe. Ich habe eine Palette bestellt und getestet.

Geschüttelt – nicht gerührt!

Vorteile: leicht zu verteilen und von Anfang an leicht zu misten. Es riecht ausgesprochen gut. Und weil es von Anfang an offen ist, legen sich die Pferde auch gleich drauf, sie genießen es regelrecht. Guter Preis. Und ich brauche davon viel weniger also von den Reformtalern, um eine Box wirklich voll zu machen. Auch das schlägt sich dann in den Kosten nieder.

Nachteile: Es bildet nicht eine solche kompakte Matratze wie die Reformtaler, stört mich aber eigentlich nicht wirklich.

Hellt die Box auf.

Pro Box verwende ich zur Ersteinstreu, wie empfohlen, 3 Ballen, das sind 60 kg Einstreu. Je nach Pferd und Aufenthalt im Stall streue ich einen Ballen nach. Wenn die Pferde die ganze Zeit drin sind, im Schnitt einen Ballen pro Woche und Pferd. Die Fressrate spielt allerdings eine nicht unerhebliche Rolle.

Zufrieden mit dieser Einstreu habe ich letztendlich 2 Paletten nachbestellt.

 

 

 

 

Problem gelöst – neues Problem gekommen:

Wie schon erwähnt, Stroh fressen die Pferde natürlich. Weil es sehr trocken ist, nicht in großen Mengen, aber dennoch. Die Lösung kommt im nächsten Blogbeitrag.

 

 

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Der neue Stall

Alle Mühe hat sich gelohnt.

Ein Jahr ist der neue Stall nun alt. Vielleicht sollte ich besser sagen: die neue Stalleinrichtung. Sie hat nun einen Winter und eine Sommer überstanden.

Nach fast 40 Jahren war es letztes Jahr Zeit, den Stall komplett neu einzurichten. Lange haben wir hin und her überlegt, Preise verglichen – und Qualitäten. Die Wahl ist dann auf die Firma Sulzberger gefallen. Die Verarbeitungsqualität, hier besonders die Schweißnähte haben uns am besten gefallen (als Maschinenbauingenieuse guckt frau halt doch auf sowas).

Alles musste raus: Wände, Verankerungen, Leuchten, Wasserrohre und Tränken – es blieb nur der Gummiboden und die Stützen

Zuerst hieß es entkernen, das alte Zeugs musste raus. Danach saubermachen. Ihr wollt nicht wissen, wie der Hof in der Zwischenzeit aussah. Auf dem Foto kann man sehr schön den Stallboden aus Gummi sehen, den wir bereits einige Jahre zuvor verlegt hatten. Einen Erfahrungsbericht schreibe ich auch noch mal darüber.

Dann endlich haben wir mit Freunden die neue Einrichtung installiert. Ich ließ die armen Männer nicht eine Sekunde aus den Augen – zu ihrer großen Freude! *grins* Aber alles sollte perfekt werden.

Es wurde alles perfekt! Es wurde der schönste Stall, den ich je in echt gesehen habe. Er ist nach den Richtlinien der FN gebaut, also pferdegerecht.

Besonderheiten:

– Was ich selber nicht mitgeordert hätte, aber auf die Anregung meines Mannes doch tat, war der Sichtschutz, welcher die Pferde ohne Sichtkontakt zu den anderen fressen ließ.

– Drehbare Futtertröge. Hiervon riet der Stallbauer ab. Er meinte, das Füttern dauert zu lang, die Pferde scharren ungeduldig. Mag sein, aber ich habe keinen Reitstall mit 20 oder mehr Pferden. Die Wartezeit beschränkt sich also. Die Vorteile waren für mich überwiegend: so konnte auch ein pferdeungewohnter leicht die Tiere füttern. Wenn man einen Eimer voller Futter in den Trog kippt, muss man nicht in die Box. (Über die

DAS musste sein!

Fütterung alter Pferde kommt später auch noch ein Blogbeitrag.) Ich kann in Ruhe die verschiedenen Futtersorten im Trog mischen, bevor ich diesen in die Box klappe. Also wurden drehbare Tröge eingebaut.

– Messingkugeln. Zwar hohl, aber ganz aus Messing, nicht nur ein leichter Überzug. Musste sein, war klar.

All diese Features haben sich im letzten Jahr sehr bewährt.

 

Es ist eine Freude im Stall zu arbeiten und dabei spanische Konzerte zu hören.

 

Guten Morgen Süßies! (Na, Eva, was sagst Du zum neuen Stall?)

 

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Die Mär vom Leithengst

Squire und Príncipe entspannt beim Beobachten der „Herde“

„In der Regel bleiben Stuten in einer Gruppe zusammen, junge Hengste werden dagegen mit dem Erreichen der Geschlechtsreife vom Alphatier (stärkster Hengst) aus der Herde vertrieben und bilden dann Jungverbände. In diesen messen sie ihre Kräfte gegeneinander, um eines Tages eine eigene Herde zu erobern, indem sie den Leithengst zu einem Kampf herausfordern und besiegen. Vielfach leben ausgewachsene oder ältere Hengste auch als Einzeltiere.“ Zitat wikipedia, 05.10.2012

Noch immer gibt es die Mär vom Leithengst. Das kommt wohl aus den vielen Western, in denen ein Mann nur dann ein Mann war, wenn er den „Leithengst“ gezähmt, genauer: gebrochen, hat.

Leider gibt es keine natürlichen Pferdeherden mehr, es ist schwierig zu sagen, in welcher Größe sich die Herden bilden. Ich gehe davon aus, dass es Wanderzeiten gab, in denen sich kleine Familiengruppen zusammengeschlossen haben und sich bei Ankunft wieder trennten.

Jeder, der mit Pferden auf Koppeln lebt, weiß um Freundschaften und Bindungen. Unser Leittier leitet also nicht eine Herde von tausenden von Tieren, sondern eine relativ kleine Gruppe.

Zurück zum „Leithengst“: Erstens einmal „leiten“ Hengste nicht. Das macht die Leitstute. Meist ein älteres Tier und bei weitem nicht das stärkste. Erfahrung spielt hier eine große Rolle. In meiner kleinen „Herde“ aus 3 Stuten ist es Squirell, eine 28 Jahre alte Vollblutaraberstute. Unser Feenkind ist wesentlich jünger, stärker, größer. Dennoch ist Squirell immer noch die Nummer eins.

Hengste leiten nicht, aber sie halten die Herde bei Fluchtsituationen zusammen, verteidigen sie. Das ist eine sehr anstrengende Aufgabe und das Tier in dieser Position kommt wenig zum Fressen. Daher begleiten oft Junggesellengruppen oder auch Einzelgänger von Weitem die Herde und warten auf ihre Zeit um den erschöpften Hengst abzulösen, welcher sich nach seinem Job wieder aufbaut. (In Ermangelung eines männlichen Verteidigers sah ich einmal Squirrel diesen Job machen, als zwei große, streundenen Hunde aus dem Dorf die Stuten in bester Wolfsmanier anschlichen. Squirrel vertrieb sie mit gefletschen Zähnen. Der Hundebesitzer, der eilig auf Anruf kam, war schon besorgt um seine Tiere, ob des großen, bösen, weißen Hengstes. Einer Gruppe Jäger erging es ähnlich, als sie ohne Ankündigung mit ihren Hunden über die Koppel gehen wollten. Später wurde ich immer vorher kontaktiert um den großen, weißen Hengst wegzusperren. – Squirrel ist zwar als Schimmel weiß, aber sie hat ein Stockmaß von 148 cm, von „groß“ also keine Rede. Es war wohl wie bei Asterix, sie war in der „Überzahl“ *grins*)

Dabei muss man wissen: Der Hengst erobert nicht die Herde, sondern den Job. Die Herde, sprich die Leitstute, duldet ihn oder auch nicht.

Unter den Hengsten, welche auf dem Hof meiner Eltern waren, gab es dicke Freundschaften, aber auch gefährliche Feindschaften. Egal, ob die Stuten in der Nähe waren oder nicht. Es gab Hengste, die von den Stuten geduldet wurden, und solche, die sich noch nicht einmal auf 20 m nähern durften.

Meine beiden Hengste, Squire und Príncipe, verstehen sich sehr gut und schmusen sogar miteinander. Das Verhältnis kam man durchaus als zärtlich bezeichnen. Dennoch hält der 31 Jahre alte Squire den Zweijährigen zähnefletschend auf Abstand, wenn direkt neben den Beiden die Stuten stehen. In den letzten Tagen konnte ich allerdings beobachten, dass Squire langsam entspannter wird.

 

Nachtrag 03.11.2012:

Squire hat sich so weit entspannt, dass es kein Zähnefletschen mehr gibt. Er hat verstanden, dass Príncipe keine Konkurrenz ist. Für mich ist das sehr erleichternd, denn es vereinfacht die Arbeit im Hof und Stall. Vielleicht hat es ja auch geholfen, dass ich ihm erklärte, dass es „seine“ Stuten sind (Männer brauchen wohl so was) und dass, falls Prínicipe jemals eigene haben sollte, dies von ganz anderer Art sein werden und damit nix für ihn sind.

Ich bin sehr beeindruckt von dem vorsichtigen Umgang Prícipes mit dem betagten Hengst, um dessen Gesundheit ich mir immer Sorgen mache.

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Die Apfelschleuder

Wir haben wunderschöne Äpfel und wollen sie an die Pferde verteilen, welche zusammen auf der Koppel stehn.

Problem: Neidisches Gerangel unter dem Geviech, Gedrohe, Getue. (Ihr kennt das.)

Lösung: DIE APFELSCHLEUDER.

Um Hunden eine Wurfball richtig weit werfen zu können, gibt es im Zoohandel so einen Wurfarm. Einen solchen habe ich mir besorgt, den Ball allerdings nie genutzt. Ich finde Tennisbälle für Hunde ungeeignet.
Aber für meine Äpfel hat das Ding genau die richtige Größe.
Wir stellen uns also an die Koppel mit unserer Schleuder und werfen die Äpfel hierhin und dahin. Und da hinten, der Kleine, hat auch noch keinen. WUSCHHHH, jetzt schon. Die Pferde sind mit Suchen beschäftigt, jeder bekommt seine Äpfel. Sie passen sehr genau auf, wo die Äpfel landen. Kein Gedrohe und Getue mehr.

Bewertung: Macht Spaß, ist entspannend für alle, Problem gelöst.

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