Lasst uns über das Gewicht reden!

oder: Ist Abnehmen möglich? Ja, ist es.

Unsere erste Piaffe an der Hand. Jaja, Wolfgang, man soll nicht mit hopsen, aber so hat er es erstmal verstanden, was ich will 🙂

Jetzt wird’s schwierig – oder leicht, je nachdem.

Zuerst einmal, ich bin keine Ärztin oder Ernährungsberaterin, hier handelt es sich um einen reinen Erfahrungsbericht. Der Leser, die Leserin bleibt in der Eigenverantwortung.

Und: hier geht es nicht um die Diskussion, wieviel Gewicht ein Pferd tragen kann. Daher meine Meinung vorneweg: Wenn man vernünftig ist, auf sein Pferd hört und es nicht übertreibt, ist es durchaus in der Lage, „Gewicht“ zu tragen.

Hier geht es um das Gewicht im Zusammenhang mit Gesundheit und – nicht zuletzt – um die reiterliche Fitness. Warum schreibe ich nun darüber? Weil ich es am eigenen Leibe erfahren habe. Dieser Artikel soll all jenen helfen, welche beim Reiten durch Gewichtsreduktion einfach fitter werden wollen. Ich oute mich hier auch sehr weit, weil ich hoffe, Euch damit zu helfen.

Und warum schreibe denn nun ausgerechnet ich darüber? Weil ich die ersten 20 kg schon verloren habe, und an den nächsten 20 kg arbeite. Es gab zwar Pausen, leider auch durch persönliche Gründe, aber auch viele Erkenntnisse daraus. Doch es gab nie ein Rückschritt, in den Pausen habe ich mein Gewicht gehalten.

Der erste Teil behandelt das Wissen, der zweite das, was wir so dumm mit „Schweinehund“ bezeichnen, den es gar nicht gibt.

1.Teil: das Wissen!

Abends nicht mehr essen, keine Kohlenhydrate, ja nicht zu wenig essen – Achtung Hungermodus… der Behauptungen und Zauberformeln gibt es gar viele. Ich habe sie alle durch… und nahm trotzdem zu.

Ausgangssituation: 56 Jahre alt, als ich anfing, 162 cm groß, und ich traue es mich kaum hinzuschreiben: 93 kg. Ich empfand mich nicht als dick, sondern als mollig, doch ich war Adipositas Grad 2. BMI 35,4

Also der BMI. Kennt Ihr ja: das ist der Wert, der einen Bodybuilder als zu dick abstempelt und da wir ja alle austrainierten Bodybuilder sind, also uns auch. Weg damit…

Was ist denn der BMI? Er ist kein Schönheitsmaß, sondern eine Risikozahl für unsere Gesundheit. Er entstand in den 70ger, als sich die Menschen noch mehr bewegten als heute, d. h. noch mehr Muskeln hatten. Tatsächlich ist es wohl so, dass der BMI wirklich mittlerweile ungenau ist, aber in die andere Richtung. Man kann im „gesunden“ BMI-Bereich liegen und dennoch einen zu hohen Körperfettanteil haben, da den heutigen Büromenschen einfach die Muskeln fehlen. Da wir hier aber alle Pferdeleute sind, die Stall ausmisten, reiten, Pferde putzen und sonst körperlich gut unterwegs sind, zähle ich uns mal nicht zu den Couchpotatos.

Und NEIN, der Stoffwechsel und der BMI ändern sich im Alter nicht. Im Alter wird das Risiko bei einem Eingriff nicht geringer, wenn der BMI größer wird. Nur der Durchschnitt der Menschen bewegen sich im Alter weniger, dadurch verbrauchen sie weniger Energie. Bei uns Frauen kommt noch das Menoende (Menopause ist ja wohl falsch, als ob es eine Pause wäre.) hinzu, was eine geringeren Verbrauch zwischen 100 und 200 kcal bedingt. Daher werden viele Frauen im „Alter“ langsam dick, weil sie ihre Energieaufnahme nicht anpassen. Ich finde es daher geradezu gefährlich sogar von Krankenkassen, ältere Menschen zu suggerieren, ein höherer BMI wäre unbedenklich.

Die Grundlage, und das ist und bleibt so: Wenn man mehr Energie aufnimmt, als man verbraucht, legt man Fettreserven an, welche dann zur Verfügung stehen, wenn man weniger Energie zu sich nimmt als man verbraucht. Damit überleben – ich behaupte mal – alle Wirbeltiere auf der Erde. Und das gilt auch für uns Menschen. Wunderbar eingerichtet von der Evolution. Egal, was Ihr sonst noch so gelesen habt: DAS ist die Grundlage, wenn man tatsächlich zu messen anfängt, alles andere sind Meinungen und Selbstauskünfte (die auch mir ein Verzerrtes Bild über mich geliefert haben).

Wenn Du es nicht misst, weißt Du es nicht.

Ich will es mal an meinem Beispiel erklären.

Dann messen wir mal:

Größe: 162 cm, Gewicht 93 kg, weiblich, jenseits der Wechseljahre = Grundumsatz 1269 kcal pro Tag.

Woher ich das weiß? Pages wie z.B. Diäthelfer. Einfach die Werte eingeben. Für Euch, die Ihr, wie ich damals im Adipositasbereich sind, nehmt die „Mifflin-St. Jeor“ Einstellung mit der Broca-Index-Anpassung. Diese Berücksichtigt, dass sie die Verbrauchskurve nach oben tatsächlich etwas abflacht. Je schwerer man ist, umso mehr verbraucht man.

Doch ich habe es tatsächlich gleich anders gemacht, ich bin gleich von meinem Wunschgewicht ausgegangen: 55 kg, das ist ein BMI von 20,2, also nett so in der Mitte. Mein Normalgewicht reicht von 52 – 66 kg.

Also nochmal: 162 cm, Gewicht 55 kg, weiblich, jenseits der Wechseljahre = Grundumsatz 1122 kcal pro Tag. Und da bekam ich den ersten Schreck… So wenig, wie soll ich das jemals schaffen?

Aber weiter: Der Grundumsatz ist das, was mein Körper braucht, wenn ich sozusagen komatös auf der Couch liege und NIX mache.

Dazu kommt noch der Leistungsumsatz, das ist das, was man durch Laufen, Treppensteigen, kochen, usw. zusätzlich verbraucht. Hier habe ich das niedrigmöglichste eingegeben: Sitzende Couchpotoato:

Am Schluss errechnet sich ein Gesamtverbrauch von 1436 kcal (Grund-+Leistungsumsatz) pro Tag. Und tatsächlich, das ist der Verbrauch, den mein Applezeugs am Handgelenkt und in der Tasche misst – an normalen Berufstagen mit Autofahren, Schreibtischarbeit, etwas rumlaufen, Pferde und Hunde füttern, einkaufen, also ein normaler Tag (Misten muss ich im Sommer nicht, an solchen Tagen schaffe ich es bis zu 2000 kcal). Ich gehe davon aus, dass dies so stimmt. Den Sport-/Mistverbrauch zähle ich grundsätzlich nicht mit, sondern freue mich über die zusätzlich verbrauchen Kalorien.

Also sind wir nun bei 1500 kcal pro Tag, welche ich sicher verbrenne.

Nun will ich aber abnehmen. Jetzt wird’s interessant:

Um 1 kg Körpergewicht abzunehmen, muss man 7000 kcal mehr verbrauchen als man zu sich nimmt. 9000 kcal wären es, wenn es reines Fett wäre, aber ein kg Körpergewicht hat auch einen gewissen Wasseranteil. Später mehr.

Also 7000 kcal. Nun habe ich 1500 kcal zum Abnehmen zur Verfügung. Jetzt rechne ich von hinten auf: Was brauche ich denn mindestens, um gesund zu leben? Und hier – NEIN – nicht den Grundumsatz, sondern ein Mindestmaß an Protein und Fett. Man sagt auf einschlägigen Seiten, dass es 2 g Protein sein sollte, pro 1 kg bei Normalgewicht, bei mir also 110 g bei 55 kg. Dieser Wert ist von Leistungssportlern, die DGL empfiehlt zurzeit für Erwachsene 0,8 g/1kg. Das ist mir zu wenig, vor allem, wenn man Sport macht. Nehme ich Hähnchenbrust, wären es ca. 420 kcal, Harzer: ca. 330kcal, Lupinen: sind es schon 839 kcal, immer noch sehr gut – vegan sollte also auch funktionieren. Da ich kein Vegetarier bin, hat sich herausgestellt, dass ich nebenbei genug essenzielles Fett zu mir nehme und Vitamin B12.

Weiter mit der Rechnerei:

Ich habe mich dazu entschlossen, am Tag auf 1000 kcal runterzugehen. Und – NEIN – ich bin nicht am Organversagen gestorben. Würden unsere Organe tatsächlich versagen, wenn wir unter dem Grundumsatz bleiben, dann hätten unsere Vorfahren, und wir müssen nicht mal in die Steinzeit zurückgehen, meine Eltern als Flüchtlinge reichen schon, um zu wissen, dass das nicht stimmt. Man hat hier die Notwendigkeit der Energie bei Unterernährten Menschen auf alle bezogen, so wie man die Kritik am BMI wegen der Bodybuilder auf alle bezieht. Und noch ein Thema, ja, den „Hungermodus“ gibt es – wie gesagt, bei Menschen, deren Körperfettanteil ein Mindestmaß, bei Frauen so 10%, bei Männern 5%, unterschritten hat. Alle anderen, wie ich, bekommen höchsten etwas kältere Hände, über die ich mich freue, weiß ich doch, da tut sich was. Dies ist vom Körper eine Ersparnis so um die 10 kcal pro Tag! Und nicht, wie ich oftmals lesen, dass der Grundumsatz um die Hälfe heruntergefahren wird. Wäre das so, lägen wir auf der Intensivstation und würden um unser Leben kämpfen.

Zurück zur Rechnerei. Also 1000kcal, ich fülle das Eiweiß und Fett auf, der Rest nach Lust.

Das ist also ein Defizit zu meinem Normaltageverbrauch von 1500 – 1000 = 500 kcal.

Nun wissen wir ja, dass 1 kg Körpergewicht 7000 kcal Defizit bedeuten und schon beantwortet sich die Frage, welche IMMER zuerst gestellt wird: Du hast 20kg abgenommen? IN WELCHER ZEIT? Naja, als 2. Die 20 kg scheinen den meisten so unwahrscheinlich zu sein, dass sie es nicht glauben.

7000kcal / 500 kcal = 14 Tage. Also kann ICH mit meiner Größe, meinem Geschlecht, – und jdw (jenseits der Wechseljahre, was bei mir so 100kcal pro Tag weniger Verbraucht ausmacht), in 14 Tagen 1 kg Körpergewicht abnehmen. In einem Monat sind das 2 kg. In 10 Monaten 20. Und nein, langsam runter ist dann wieder langsam rauf, schnell runter ist schnell wieder rauf, ist auch Unsinn. Dazu später mehr.

Rechnen abgeschlossen.

Welche Energie haben denn nun unsere Lebensmittel?

Kinder, das war der spanneste, erschreckendste und erkenntnisreichste Teil.

Besorgt Euch eine App, und gebt ein, was Ihr esst. Und WIEGT ES AB. Jaja, langweilig, in meiner Abnehmpause merkte ich, dass ich mit meinem Wissen mein Gewicht zwar halten kann, aber nicht abnehme.

Warum ist das so? Ich – man – verschätzt sich, und zwar komplett daneben. Da ich gerne esse unterschätze ich weit, was ich tatsächlich an Energie zu mir genommen habe. Wenn du es nicht misst, weißt du es nicht.

Also messen: Abends habe ich mir früher einen Unterteller(!) mit luftgetrockneter Salami (100g = ca. 500 kcal), Parmesan (100g = ca. 400 kcal) und in Olivenöl eingelegte getrocknete Tomaten gemacht (2 Esslöffel Öl = 250 kcal). Ich habe es man nachgemessen, ich habe mir abends ca 1000kca zusätzlich als kleinen Snack gegeben. Wir wissen ja: 1 kg Körpergewicht sind 7000kcal….

Ich verbinde das mit intermittierendem Fasten, kann man machen, muss man aber nicht. Ich mache hier die 16:8, d.h. ich essen von 20 Uhr bis 12 Uhr nichts, besser: ich nehme in dieser Zeit keine Kalorien zu mir. Wasser, schwarzer Kaffee, zuckerfreie Getränke. Für mich ist es praktisch, weil ich eh ungern frühstücke und so morgens mehr Zeit für meine Tiere habe, bevor ich zum Kundentermin muss. Aber, wie gesagt, IF ist keine Voraussetzung fürs Abnehmen, durch IF nimmt man auch nicht ab, wenn man nicht im Kaloriendefizit ist.

Schritt für Schritt Anleitung:

1. Den eigenen Verbrauch ausrechnen: Leistungsumsatz des Tages. (bei mir 1500 kcal)

2. Den Eiweißbedarf ermitteln (bei mir 110 g) – Fett, ich nehme Omega3 Öle zum Kochen, oder eine Fischölkapsel. Bei mir sind es so 1 Esslöffel/Tag

3. Essen abwiegen und Kcal zählen – leider, man entwickelt Standardgerichte, dann gibt man die einfach ein.

4. Geduld haben – die Waage ist ein Witzbold, dazu gleich mehr…

Soweit die Technik.

Ende Teil 1.

Teil 2.

Die meisten von uns wissen das ja alles – oder habe es schon gehört und habe sich wieder davon abbringen lassen, so wie ich…

Ich glaube, ich habe alles an Diät so durch, das es gibt. Zu gerne habe ich geglaubt, es gibt irgendein Trick. Man muss nur dies oder jenes tun/essen/weglassen, dann nimmt man ab, Hauptsache ansonsten keine Veränderungen. Das mit dem Weglassen stimmt sogar, wenn man den Energiegehalt der Lebensmittel meint. Und da wird es schwierig. Offensichtlich haben wir kein Sinnesorgan, wann wir genug Energie aufgenommen haben – und was heißt genug? Wenn sogar noch vor einer Generation es wichtig war sämtlich zur Verfügung stehende Energie sich einzuverleiben, wer weiß, wann es das nächste Mal wieder etwas gibt?

Ich will hier daher ein paar Themenkreise anreißen, teilweise selbsterlebt, was wir als „Schwäche“, „Disziplinlosigkeit“ und „Schweinehund“ bezeichnen.

1. Unwissen. Wir wissen nicht, wie viele kcal wir brauchen und wie viele wir tatsächlich zu uns nehmen. Das war ich auch, siehe oben mein „Gutenachttellerchen“. Ist man am Tag nur 250 kcal (2 versteckte Esslöffel Öl) über den Gesamttagesbedarf sind das – rechnerechne – das sind in einem Monat ca. 1 kg mehr, in einem Jahr 12, in 2 Jahren 24 kg… schleichend…

dagegen hilft: messen!

2. Trost. Jetzt wird’s lang. Wir essen ohne Hunger. Das „Hungerbedürfnis“ sitzt eher im Hals. Essen tröstet, lenkt ab, macht uns ein gutes Gefühl. Ich hole mal ganz weit aus und bitte nicht böse sein, wenn ich deutlich werde. Einfach überlegen, ob man sich den Schuh anziehen will oder nicht.

Sehr oft habe ich in meinem mittlerweile halben Jahrhundert mit Pferden und ihren Menschen beobachtet, auch in unserem geliebten Facebook (*g) liest man es ja immer wieder, dass unsere Pferde als Trostspender, die echten Freunde, „Atme, sagt das Pferd, atme…“ – Ihr kennt das ja alles – herhalten müssen. Mädels, mal eins klar gesagt: IHR seid die Beschützer Eurer Pferde. Sie verlassen sich auf Euch. Zu oft habe ich erlebt, dass ein nettes, normales, gesundes Pferd sein Verhalten geändert hat, wenn die Besitzerin kam und ihre ganze Lebenslast in der Box ablud. So was funktioniert nicht in der Partnerschaft mit Menschen und erstrecht nicht mit Tieren. Kein Mensch, kein Pferd kann Euch retten. Das müsst Ihr schon selbst machen. Und, glaubt mir, Ihr habt die Kraft dazu. Ich bin alt genug, dass zu wissen. Es ist einfach eine Entscheidung. Ihr seid die Beschützer, das Pferd folgt Euch dann, wenn Ihr gelassen voran geht. Ihr braucht keinen Trost, weder beim Pferd noch beim Essen.

Beim Trost gibt es noch eine 2 versteckte Kategorie: die Projektion. Das, was man glaubt selbst zu brauchen, projiziert man auf das arme Tier, dass man gerettet hat. Das Pferd selbst ist längst darüber hinweg, wird aber immer wieder von der Besitzerin runtergezogen. Auch hier habe ich schon solche Verhaltensänderungen von netten Pferden gesehen, sobald die Besitzerin kam, sofort nach dem DEM Trauma Ausschau hielt. Nicht wiederzuerkennen. Weil das Pferd seiner Besitzerin gefallen wollte, verhielt es sich entsprechend.

Trost: kenn ich natürlich auch, auch ich habe schon einiges hinter mir. Gerade im letzten Jahr habe ich gemerkt, wie ich in diese Falle immer wieder reinfalle. Doch es ist einfach, es ist eine Entscheidung.

dagegen hilft: Entscheidung! Bewusst machen, tief durchatmen, Opferrolle ablegen, werde der Held Deines Pferdes und Deines Lebens!

3. Sucht. Ich meine hier nicht die 300kg Menschen, welche esssüchtig sind, sondern eine Sucht, welche uns die Kekse essen lässt, obwohl wir es nicht wollen. Wir essen ohne Hunger, wir „gieren“ nach dem Essen. Wir essen nicht, sondern es isst uns. Kennen wir allen, oder? Das ist Chipstütensyndrom. Einen Chip gegessen, die Tüte leer…

Das ist für mich sehr schwer gewesen, da rauszukommen. Durch Zufall geriet ich mal wieder an etwas, was ich eigentlich schon weiß: Zucker. Mich macht Zucker ab einer bestimmten Menge süchtig. Zucker: alle Süßigkeiten, Süßspeisen usw. Und jetzt kommt das gemeine: in aller Fertignahrung und fast allem, was die Nahrungsmittelindustrie in den Fingern hatte. Zucker hat viele Vorteile, er macht haltbar, ist ein Geschmacksträger, billig herzustellen und zu bekommen. Ich lebe in einem Landstrich, der auch von der Zuckerrübe lebt. Die Nachteile für uns „Verbraucher“ kennen wir wohl alle, von Karies bis Diabetes. Zucker hat eine gemeine Eigenschaft, im Gegensatz zu Fett, es macht Hunger auf mehr. Ich weite das man auf konzentrierte Kohlenhydrate aus. Auch Getreidemehle verwandeln sich im Körper zu Zucker. Bitte nicht missverstehen, ich propagiere hier nicht LowCarb, Energietechnisch ist es egal, nur fällt es leichter. 100g Ciabatta haben 340 kcal. Die kann ich mir sparen, so gerne ich es auch mag.

Ich habe erstmal einen Zuckerentzug gemacht, und muss ich immer wieder mal konsequent machen, wenn ich merke, es giert mir nach Süßem. Und – NEIN – die Seele/der Körper nimmt keinen Schaden, wenn man dem nicht nachgibt, ganz im Gegenteil.

dagegen hilft: Zuckerentzug, Nahrungsanalyse – was ist wirklich drin.

4. Die Anderen. Andere Menschen versuchen einem vom Abnehmen abzuhalten, von Boykott aus Unwissenheit (wird ja nicht so schlimm sein, das eine Mal), über Verführung mit Lieblingssachen bis hin zu massivem Druck. Man isst jemand anderem zuliebe, oder weil man dazugehören will, obwohl man keinen Hunger hat.

Auch das kennen wir wohl alle. Sogar eine Ärztin sagte mir neulich: „Zu Ihnen passt das Schlanke aber nicht, sie sind nicht der Typ.“ Nein, sie wollte mir nicht schade, sie hat nur ihren Arztverstand ausgeschaltet. Auch Ärzte sind nur Menschen. Meiner fragte mich neulich: Wie haben Sie es geschafft, so viel abzunehmen? Ich: Kalorienzählen. Er: also doch.

Wir sind nicht mehr gewohnt, echte schlanke Menschen zu sehen, so dass wir adipöse, so wie ich war, als mollig ansehen, und wirklich schlanke mit einem BMI von 19-25 also zu dünn sehen, welche wir „retten“ müssen. Diese „Retten“ hat in der Vergangenheit eine wichtige Rolle gespielt und gehört zu unserem Altruismus. Es war cool, so ein Hungerwürmchen aufzupäppeln. Doch wir sind alle keine Hungerwürmchen mehr.

Und noch ein anderer Punkt. Weil wir glauben, abnehmen ist schwer und man müsste dafür darben, was nicht der Fall ist, denken die anderen, es stimmt etwas nicht, wenn jemand abnimmt. Er hat bestimmt Krebs… Dumm nur, wenn man wie das blühende Leben daherkommt. Dann hat man was in der Psyche… Letztendlich vergleichen wir uns alle miteinander, und wenn es jemand schafft abzunehmen, warum dann ich nicht? Mit der kann was nicht stimmten. Ich bin immer noch über meinem Normalgewicht und habe eine wundervolle Umgebung, dennoch höre sogar ich entsprechende Bemerkungen.

Auch darf ich hier nicht auslassen, dass das Gewicht eines Menschen mit seiner Identität verwechselt wird. Wenn ich hier gegen ein hohes Gewicht bei mir bin, dann weil ich gemerkt habe, wie ungesund das für mich ist. Ich habe mich bei jedem Gewicht attraktiv gefühlt (jo, eingebildet, und? Ich bin nun einfach mal faszinierend… *g). Wer sein Selbstwert von anderen abhängig macht, hat schon verloren. Es wird immer Leute geben, die etwas zu bekritteln haben (was eine echte Kritik ist, lest ihr in einem früheren Artikel von mir), und wenn es nur die Farbe des Sattels ist oder dass man schon wieder Geld für eine neue Schabracke ausgegeben hat. Gibt so ein schönes Buch: „Am Arsch vorbei“. Jeder Mensch ist einmalig und wundervoll, egal, welche Figur er – sie! – hat. Ich für meinen Teil plane mit 90 noch munter durch die Wälder zu reiten, mit gesunden Knien und medikamentenfrei.

dagegen hilft: Langmut, „Lächeln und winken, Männer, lächeln und winken!“ Und manchmal niedlich aussehen ^^

Teil 3:

Obwohl wir nun alle richtig machen, foppt uns die Waage. Daher habe ich eine Checkliste zusammengestellt, die man dann durchgehen kann:

Warum nehme ich nicht ab?

1. der Verbrauch an kcal ist zu hoch berechnet, man verbraucht real weniger.

2. die Kalorienaufnahme ist als zu niedrig angesetzt, man isst real mehr kcal.

3. Wasserschwankungen, die Tage kommen, Muskeln und Faszien werden aufgebaut, Unterversorgung mit Eiweiß z.B. durch Heilfasten und Körnerdiäten, usw. daher mehr Wasser im Gewebe.

4. Der Körper scheint Fettzellen mit Wasser zu füllen, wissenschaftlich gibt es darüber noch keine Untersuchungen. Das Wasser wird dann mit einem Mal losgelassen, das nennt man Whoosh-Effekt. Mein größter Whoosh von einem auf den anderen Tag waren -2,3 kg.

5. Man isst mehr Gemüse und Salate und trinkt mehr. Es ist einfach mehr Gewicht im System. Gerade am Anfang einer Ernährungsumstellung spielt das eine Rolle.

6. Zu hohe Erwartungen: um 1kg Körpergewicht zu verlieren, muss man 7000kcal mehr verbrauchen, als man zu sich nimmt. Ich komme auf ein Minus von 500 kcal pro Tag, das ergibt -2 kg pro Monat, und wie oben schon gesehen, liegt das in meinem Wasserschwankungsbereich.

Epilog:

Warum habe ich diesen Artikel geschrieben? Weil es vielleicht vielen so geht, wie es mir ergangen ist. Das, was auf dem Markt an Ratschlägen ist, finde ich immer sehr lustig. Das schreiben (2m-)Männer übers Abnehmen, deren Grundumsatz allein doppelt so hoch ist wie mein Gesamtumsatz an Kcal. Leute, da abzunehmen ist keine Kunst. Wir müssen nachgucken, was für eine Energiemenge das Zeugs hat, dass wir zu uns nehmen.

Dann wollte ich meine Erfahrung einfach mal niederschreiben, vor allem, weil ich es selbst lange Zeit nicht geglaubt habe, dass es geht (die Anderen und so). Es kursieren so viele Fehlinformationen.

Und: Weil ich die positiven Auswirkungen spüre: keine Bluthochdrucktabletten mehr, meine Knie sind besser – und meine Qualität des Reitens hat sich wiedereingestellt. Was mir Mühe, und Kraft kostete, läuft wie von selbst. Ihr erinnert Euch an meinen Artikel hier „Angst“- auch diese ist wie weggeblasen, weil ich eine bessere Körperbeherrschung habe. Und ich reite schon sehr, sehr lange. Meine Zunahme war schleichend, sie war mir nicht wirklich bewusst. Ich habe mich jahrelang nicht auf die Waage gestellt. Als ich dann mein Gewicht sah, hat mich fast der Schlag getroffen. (Nur wenn man es misst, weiß man es! Hehe)

Und noch einen Vorteil hat das Ganze: man muss sich mit neuen Reitsachen eindecken. Und eine neue Schabracke muss natürlich auch sein!

Eure

Ursula

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Von Fehlerguckern und Bandentuschlern oder: raus aus der Krise

Nur die Meinung von Príncipe zählt: Caveson und diese Kandare für schlecht befunden. Was er mag: snaffle bit und Mecate...

Nur die Meinung von Príncipe zählt: Caveson und diese Kandare für schlecht befunden. Was er mag: snaffle bit und Mecate…

Lange habe ich nicht geschrieben. Angefangen hat die Krise mit dem Kurs von Christofer Dahlgren bei Sabine Oettel in Wendlmuth. „Oh mein Gott, war der so schlecht?“ Nein, er war so gut.

Also, was ist passiert? Wie Ihr wisst, ist die akademische Reitweise mein Leitbild. All die Tänzchen und Sperenzchen, die ich drum herum mache, dienen nur dazu, noch tiefere Einsichten zu bekommen. Doch wie jede Reitweise kann auch sie fehlinterpretiert werden. Die Gründe hierfür mögen Unwissenheit, das Phänomen der „stillen Post“, Ideologismus (gibt es dieses Wort überhaupt?) oder auch schlicht und ergreifend der Einfluss sein von anderen fehlinterpretierten Reitweisen, wie z.B. das, was zurzeit immer noch unter der Flagge der FN gezeigt wird.

Für mich ist die akademische Reitweise etwas sehr großartiges und alle „Hate-erei“ tat mir da sehr weh. Wenn ich nun also schreibe, wie Christofer Dahlgren die typischen Fehler bei der AR korrigiert, dann möchte ich damit den Hate-rn keine Munition liefern.

Doch eigentlich kann es mir gleich sein. Wenn jemand etwas herunter machen will, wird er immer etwas finden, wo er ansetzt. Dabei ist es völlig egal, um dieses nun berechtigt ist oder nicht. Auch die Gründe hierfür sind vielfältig, meiner Beobachtung – auch aus meinem Beruf – lassen für mich den Schluss zu, dass diese Menschen sehr unsicher sind und über die Hate-erei sich mit anderen zusammenschließen wollen, um sich nicht so einsam zu fühlen. Konrad Lorenz schrieb darüber.

Dieses unreife Verhalten hat leider auch die meisten der großen Reiter und Vorbilder aus Facebook vertrieben, erst vor ein paar Tagen gab wieder einer auf. Sollte ich also auch aufgeben (nicht, dass ich mich nun zu den großen Reitern zähle)?

Auch die Szene um die AR ist vor einem Hate-Verhalten nicht gefeit, wir alle sind halt Menschen. Erst neulich wurde in die AR-Gruppe in Facebook ein Video hineingestellt mit den Worten „Meinung dazu?“. Dies ist eine direkte Aufforderung für viele, den oder die Gezeigte fertig zu machen. Wie gesagt, es lässt sich immer etwas finden und wenn es nur die Farbe der Reithose ist.

Verändern kann ich dieses Hate-Verhalten der Menschen nicht, es scheint uns angeboren zu sein und wir haben es mit vielen Wirbeltieren gemeinsam. Nur durch reflektierte Einsicht kann der einzelne selbst darüber wegkommen.

„Aber man wird doch kritisieren dürfen!“ Nein, das ist keine Kritik. Das ist Hate.

Kritik erfüllt 3 Voraussetzungen:

  1. Sie muss berechtigt sein.

    Der Kritiker muss die Berechtigung dazu haben. Ein Lehrer hat diese z.B. seinen Schülern gegenüber. Die Berechtigung ergibt sich NICHT daraus, dass das Gezeigte nicht dem eigenen Wertesystem entspricht.

  2. Sie muss wahr sein.

    Wahr im Gegensatz zur Meinung. Wahr ist also nur, was man messen kann. Uppsss – und schon sind wir bei einem Bruchteil aller Aussagen, welche wirklich wahr sind. Wenn die Kritik also lautet: „das Pferd geht auf die Vorhand“, dann kann man auf Fotos sehen, dass die Hinterhand im Trab bereits den Boden verlassen hat, während die diagonale Vorhand noch das Gewicht auf dem Boden hält.

  3. Sie muss spezifisch sein.

    Was genau ist nicht richtig? Aussagen wie: „was für eine schlechte Reiterin“ oder gar „die spinnt doch“ oder „bei dem wundert mich gar nichts mehr“ sind einfach nur Beleidigungen, sonst nichts.

Traurig ist es dann, wenn beim gemeinsamen Abendessen die Kollegen, die Hengsthalter oder wen anderes man sonst so findet, schlecht geredet werden, anstatt sich über das Thema auszutauschen, weswegen die Teilnehmer gekommen sind, nämlich die Besonderheit einer Reitweise. (An dieser Stelle muss ich lobend die Escuela Equitabilis um und von Sabine Oettel erwähnen, welche hier eine große Wertschätzung von anderen Meinungen lebt!)

Zurück zur Krise und zur Erkenntnis. Entgleitungen kann man nur erwachsen, sachlich und gelassen begegnen. Herum zu diskutieren hat überhaupt keinen Sinn. Man kann nur hoffen, dass das Gegenüber irgendwann ebenfalls erwachsen wird, reflektiert und dann seinen eigenen Weg findet.

Und so ist es auch nun für mich mit dem Umgang von Missverständnissen und Fehlern, welche – noch – gemacht werden auf dem Weg zur nie erreichten Perfektion. Sei es nun, dass das Pferd hinten – noch – sichtbar schlurft und eine entsprechende Schleifspur im Hallensand hinterlässt, sei es, dass es – noch – verkrampft ist, weil die Reiterin/der Reiter selbst – noch – nicht losgelassen ist, usw. Wer diese Noch-Fehler dazu verwendet, sich über andere zu stellen, wird niemals daraus lernen. Wer sie verwendet um sich selbst zu reflektieren, hat eine sehr gute Chance dazu.

Also werde ich weiter schreiben, werden meine Sicht der Dinge darlegen und sie begründen. Meine Schlüsse daraus ziehen und sie von meinen Pferden prüfen lassen, ob sie auch wahr sind. Denn letztendlich ist es nicht die mögliche Meinung anderer, welche entscheidend ist, sondern einzig und allein die meiner Jungs, welche in meinem Leben wirklich zählt.

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Der One-Rein-Stop

Vor ein paar Tagen schrieb mich eine junge Frau an, welche meinen Artikel „ANGST“ gelesen hatte. Nun ist meine Antwort so umfangreich geworden, dass ich die Mail an sie in meinen Blog stelle.

Liebe Silke, ich verwende einfach mal Deinen Vornamen hier, ich denke, dass Du Dich erkennst, für die anderen aber anonym bist.

Liebe Silke,

Deine Angst hat einen sehr konkreten Grund: Dein Pferd stürmt einfach los.

Ich hole mal ein bisschen aus: mein Reitideal ist das nach Pluvinel, welcher in der Renaissance Ludwig XIII unterrichtete. Ich suchte daher, um zu ihm einen besseren Zugang zu bekommen, Reitweisen, welche nicht von der FN/H.DV.12 beeinflusst – vielleicht sollte ich besser: verseucht sagen? – waren. Auf meiner Suche über die kalifonische Reitweise, welche sogar noch vor Pluvinel praktiziert wurde und direkt von den Spaniern kam, stieß ich auf Buck Brannaman. Der Artikel, auf den Du Dich beziehst, ging auch über den Kurs bei dessen Schüler Paul Dietz.

Buck Brannaman sagt: Gegen Angst hilft Wissen.

Du musst nun wissen, wie Du dieser Situation, wenn Dein Pferd losstürmt, begegnest.

Dazu habe ich den ONE-Rein-Stop mit Príncipe geübt. Er war damals 4,5 Jahre alt, und wir beide leider alleine mit ihm auf meinem Reitplätzchen. Es war also auch eine Frage meiner Sicherheit und der meines geliebten jungen Pferdemanns. Ich kann Dir hier meine Erfahrung mitteilen. Wie Dein Pferd das aufnimmt, weiß ich allerdings nicht. Die Gefährdung für Dich und Dein Pferd musst Du einschätzen, dafür kann ich natürlich keine Verantwortung übernehmen.

Besonders schön mit dieser Technik finde ich, dass sie Dein Verhältnis zum Pferd nicht trübt. – Ich gehe davon aus, dass Eure „Rangfolge“ geklärt ist, und er nur dieses Losstürmen zeigt, Dich sonst nicht rempelt und vom Boden aus kooperativ ist. – Es ist letztendlich seine Entscheidung, loszustürmen um dann im kleinen Kreis im One-rein-Stopp zu landen. Er kann es ja auch sein lassen – was er mit Sicherheit bald tun wird.

Ziel ist es, durch die Menge der anderen Pferde entspannt am durchhängenden Zügel zu reiten.

Der One-Rein-Stop geht so:

Dazu verwende eine Trense. Die Kandare, das mechanisches Hackamore ist dafür ungeeignet. Wenn Du einen Nasenriemen verwendest, dann schnalle ihn ganz locker, am besten lässt Du ihn ganz weg. Baue im Maul keinerlei Druck auf, weder aktiv noch passiv. Die Trense darf sich nicht durch das Maul ziehen, wenn Du keine D- oder Knebeltrense hast, binde einen Kinnkiemen unter dem Kinn in beide Ringe, dieser verhindert ebenso das Durchziehen – wenn Du weißt, was ich meine. – Ach ja, fast vergessen: Reiten heißt in diesen Phasen Schritt am DURCHHÄNGENDEN Zügel. Nimm den Zügen nicht auf, versuche nicht Dein Pferd durch Zurückziehen zu stoppen. Er wird sich nur wehren und das nächste Mal mit noch mehr Kraft nach vorne reißen.

1. Das Pferd lernt sanft den Kopf zu den Seiten zu nehmen: Du bringst Deinem Pferd bei, den Kopf, auf die Seite (beide) zu nehmen, wenn Du den jeweiligen Zügel auf dieser Seite verkürzt. Merke! Du ziehst den Kopf des Pferdes NICHT! rum, es hat gelernt auf diese Signal den Kopf auf dieser Seite nach hinten zu nehmen. Auf diesem Video kannst Du es sehen: https://www.youtube.com/watch?v=3BWm2sz52sc DAS KANN MAN AM ANFANG SEHR GUT AUCH VOM BODEN AUS IHM BEIBRINGEN, sogar in der Box oder Stallgasse. Für alle Mobbingkritteler: Nein, das Pferd fällt nicht tot um, es wird auch nicht die Wirbelsäule beschädigt. Es bekommt dadurch keinen seelischen Schaden, weder explodiert es, noch implodiert es.

2. Zur Seite treten der Hinterhand – Entkoppeln der Hinterhand: Nun sitzt Du auf Deinem Pferd. Du nimmst den Kopf des Pferde wieder rum und lässt erst dann den Zügel auf der Seite fallen, wenn Dein Pferd mit der Hinterhand einen Schritt zur anderen Seite macht, sozusagen mit ihr „ausfällt“. (Hier wirst Du bestimmt die meisten blöden Worte von Kollegen hören) Es wird erst mal verschieden Sachen herumprobieren, bis es merkt, was Du meinst. Wichtig ist das Timing des Loslassens.

3. Du bringst ihm bei, anzuhalten: Nun geht Dein Pferd im Schritt. Setzte das Signal zum Zurseitenehmen des Kopfes Deinem Pferd. Das Pferd macht nun mit der Hinterhand ausfallende Schritte zur anderen Seite. Der Kopf Deines Pferdes bleibt so lange nach hinten gebogen, bis es anhält. Egal wie lange es im engen Kreis geht, bleibe emotional neutral. Irgendwann wird es ihm zu doof und es hält an. Wenn es anhält, lässt Du den Zügel sofort fallen, als ob er heiß wäre. Sehr schnell hat das Pferd gelernt, anzuhalten, denn es ist langweilig, lange so eng im Kreis zu gehen. Wichtig: DU bleibst emotional neutral – ich weiß, ist nicht einfach.

Die Phase am Anfang im Schritt ist wichtig, denn das Pferd muss erstmal darin seine Balance finden. Der One-Rein-Stop „entkoppelt“ die Hinterhand von der Vorderhand, das heißt, Du nimmst Deinem Pferd schlicht und ergreifend durch das Seitwärtstreten der Hinterhand die Kraft, mit dieser nach vorne zu schnellen. – Das ist natürlich das Gegenteil jedes Ziel des Reitens, bei dem man mit der korrekten Biegung die effizienteste Kraftrichtung steuert, das Gegenteil vom erstrebten Geraderichten.

Nach dem Schritt, übe das im Trab, so dass er auch lernt, hier seine Beine zu sortieren. Bedenke, wenn er es auch der einen Seite kann, heißt es noch langen nicht, dass er es auch auf der anderen Seite beherrscht.

Über das erstmal alleine, bis er verstanden hat und sicher macht.

4. Dann bitte eine Freundin mit ihrem Pferd dazu, welche sich erstmal auf Abstand hält. Über für Dich die One-Rein-Stops. Wenn das – schon Routine – klappt, sucht dann gemeinsam die Situation, wenn er losstürmen will, und Du machst seinen One-Rein-Stop. Sicher merkst Du, wenn Dein Großer wieder los will. Wenn es geht, mache also einen One-Rein-Stop, bevor er los düst. Das wäre das Beste. Doch es macht nichts, wenn Du ihn erst beim Losgehen so stoppst. Lass ihm hinten im kleinen Kreis weichen. Er kann nicht mehr losstürmen, buckeln, steigen. Du hast seinen Motor sozusagen entkoppelt. Mache das ohne Schimpfen oder dergleichen, bleibe neutral. Mir hat das eine sehr große Sicherheit gegeben, ich bekomme damit diese ganzen gefährlichen Situationen in den Griff. Wenn Du in der Halle bist, ist das sowieso kein Problem, schwierig würde es nur im Gelände auf einem Hang werden oder bei hohem Tempo auf rutschigen Boden.

Übt das so lange, auch in mehreren „Sitzungen“ bis er entspannt ist.

5. Nun kommen weiter Pferde dazu. Rede mit dem Reitlehrer/den anderen, erkläre Ihnen die Situation. Wenn einer Bedenken hat, lass ihn/sie außen vor.

6. Nun solltest Du so weit sein, dass Du entspannt auf dem Pferd sitzt, wenn auch mehrere in der Halle sind. Wenn Du merkst, er spannt die Muskeln zum Losstürmen an: One-Rein-Stop.

Beim Kurs damals bin ich dann schon ganz anders entspannt auf mein Pferd gestiegen. Am Anfang war ich sehr „streng“ und habe schon bei jedem kleinen hengstischem Aufgebaue den One-Rein-Stop gemacht, bis er geistig wieder bei mir war. Heute bin ich spannt. Allerdings achte ich immer noch darauf, dass der Boden meines kleinen Reitplätzchens nicht rutschig ist, so dass ich jederzeit meinen Stopp machen kann, ohne zu befürchten, dass wir beide gemeinsamen hinfallen.

Manche haben das als nicht echten Gehorsam bezeichnet, sondern als „in Hilflosigkeit bringen“ bezeichnet. Stimmt. Es ist eine Notbremse. Es ist gut, wenn ein Pferd das kann und, wenn man Glück hat, muss man sie nie anwenden. Bei unseren beiden eben leider doch.

Ich habe diese Technik mit Príncipe so geübt, dass er dabei immer seine Balance behielt. Wenn er sich mehr auf die anderen Pferde als auf mich konzentrierte, machte ich diesen One-Rein-Stop. Nach dem ersten Überwinden zum Aufsitzen dann, merkte ich, wie einfach es ist. Dadurch entspannt man sich und damit auch das Pferd.

Ich hatte in diesem Fall halt das Glück, dies vorher zu üben und dann beim Kurs einsetzen zu können, da unser Lehrer dies auch lehrte. Schwieriger wird es bestimmt, wenn man von anderen bekrittelt und mit guten Ratschlagen zu geschmissen wird.

Ich habe hier mal Videos über eine Stute rausgesucht, die buckelte. Tierarzt und alle anderen möglichen Leute haben keine Ursachen gefunden. Es schien einfach eine schlechte Angewohnheit zu sein.

https://www.youtube.com/watch?v=tiU5yufWchk

https://www.youtube.com/watch?v=R85JsLhZQKY

https://www.youtube.com/watch?v=bhHKY9JjlXM

Welche Trainer ich Dir empfehlen kann? Den oben genannten Paul Dietz, welcher im Sommer wieder nach Deutschland kommt. Aber auch Bernd Hackl, der von deutschen Reitern oftmals geschmäht wird. Ich überhöre sowas, da die anderen gar nicht wissen, was sie da beurteilen.

Sicher gibt es viele Weg Dein Problem mit Deinem Schatz zu lösen. Hier habe ich Dir einen aufgezeigt, der mir geholfen hat und mein Verhältnis zu Príncipe sogar noch vertiefte.

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Rezension: DVD „Gerd Heuschmann trifft Jean-Claude Dysli“

Dieses ist der Artikel 8 von 8 in der Serie Rezensionen

Cover der DVD "Gerd Heuschmann trifft Jean-Claude Dysli" - mit freundlicher Genehmigung des Kosmos-Verlags. Bei diesem Erscheint diese DVD nun.

Cover der DVD „Gerd Heuschmann trifft Jean-Claude Dysli“ – mit freundlicher Genehmigung des Kosmos-Verlags. Bei diesem erscheint diese DVD nun.

Wie fange ich nur an? ALLES!
„Geballtes Wissen in Theorie und Praxis der Pferdeausbildung“, so der Untertitel. Stimmt!

Aber erstmal von vorne: Auf dem Landesgestüt Schwaiganger fand im Mai 2011 ein Seminar statt, welches der WuWei-Verlag initiierte und zu dem er Dr. Gerd Heuschmann und Jean-Claude Dysli eingeladen hatte. Auf den beiden DVDs ist ein Ausschnitt dieses Seminars aufgezeichnet. Auf der ersten DVD ist der theoretische Teil, mit dem Vortrag von Heuschmann und einem Gespräch zwischen ihm und Dysli. Auf der zweiten dann der praktische, mit verschiedenen Reitern und Dysli selbst auf dem Pferd, seinem zu diesem Zeitpunkt 26 jährigem Hengst Okie. Ich empfehle die zweite DVD vor der ersten anzusehen, weil man dann einen leichteren Einstieg in die Theorie hat, die nach Forenkritik über diese DVD vielen doch sehr langatmig erscheint.

Wie wir wissen kommt Heuschmann aus der Ecke der FN-Reiterei und Dysli aus der des Westernreitens. Wir sind ja „akademisch“ also kümmern wir uns nicht darum… und verpassen die einfachsten und grundlegendsten Wahrheiten über das Reiten. Heuschmann sagt in seinem Vortrag, dass sein vermitteltes Wissen aus uns keine besseren Reiter macht, es wäre nur eine interessante Zusatzinformation. Dem möchte ich hier heftig wiedersprechen. Ohne dieses Wissen kann man noch nicht mal ein guter Reiter werden.

Wenn man sich heutzutage Turniere der FN/FEI, als auch des „Westernreitens“ ansieht, wird der unabhängige, erwachsene Mensch dieses Reiten nicht zu seinem Ziel erklären. Beide Szenen sind in eine Sackgasse gelaufen. Dies hat mit freudigem Reiten, seelischer und körperlicher Gesundheit des Pferdes und, ich möchte hinzufügen, charakterlicher Integrität des Reiters nichts mehr zu tun. Und das ist das Tragische. Das Wissen, welches uns Heuschmann vermittelt, hat jeder. Es wurde nur abgetan, zugedeckt, verschlimmbessert oder gar als pferdeverderbend verteufelt.

Worum ging es in diesem Seminar? Erstmal um den langen Rückenmuskel des Pferdes, musculus longissimus dorsi, und seine zentrale Rolle für dessen Gesunderhaltung beim Reiten. In witzigen Worten und bildlich dargestellten Szenen erklärt Heuschmann, welche Funktion dieser hat, und wie diese vom falsch verstanden Reiten regelrecht torpediert wird.

Danach gibt er uns das Wissen an die Hand, wie wir es richtig machen können. Hier kommt Dysli mit ins Spiel. Was Heuschmann aus wissenschaftlicher Sicht erklärt, setzt die gute alte – kalifornische – Westernreitweise aus Empirik um. Beide sagen dasselbe: Hände weg vom Pferdemaul. Beide betonen, wie wichtig es ist, dass ein Pferd frisch mit einem Reiter auf seinem Rücken erstmal seine Balance wiederfinden muss. Wenn dabei im Maul angenommen wird, wird sich der Rückenmuskel verspannen. Für ein neu gerittenes Pferd eine schmerzhafte Erfahrung. Für ein verrittenes Pferd gilt dies natürlich ebenso. Durch die verschiedenen Umstände, die Ihr kennt, bin ich mit Príncipe nicht viel weitergekommen, wobei mir dieser Winter mal wieder sehr hinderlich ist, mein geliebtes Reitplätzchen ist trotz Entwässerung eine rutschige Angelegenheit. Er befindet sich meiner Meinung nach immer noch in der Balancephase. Bei Cortes ist der Körperumbau im vollen Gange, alleine schon davon, dass ich ihn richtig auf seine Hufe gestellt habe. Auch er findet sogar für sich selber eine neue Balance. So traf natürlich diese DVD bei mir auf fruchtbaren Boden. Ich habe es gut. Allein meine Pferde sind der Maßstab ihrer Ausbildung. Ich habe keinen Reitlehrer, keine Stall“kollegen“, keine Bekrittelung, kein Heulen mit den Wölfen. Und genau dies hält uns ja davon ab, das hier vermittelte Wissen anzuwenden.

Auch in der akademischen Reitweise geht die Behauptung rum, Heuschmann stelle die Pferde zu tief ein. Dies stimmt definitiv nicht, er warnt in der DVD sogar ausdrücklich davor und begründet dies – vor allem beim jungen Pferd. Auch die Anlehnung, wie sie die FN verlangt, wird hier beim ausgebildeten Pferd soweit verzartet, dass es wirklich eine Anlehnung ist, welche vom Pferd aus angeboten wird. Andererseits, kann ich das, was Dysli zeigt, auch mit „Anlehnung“ beschreiben, wenn auch nicht per Zügel, so doch geistig vom Pferd. Diese Art der Westernreiterei reitet ausschließlich vom Sitz aus, auch die „Paraden“. Es tut mir gut, zu sehen, dass der arbeitende Reiter, zum Beispiel mit „Lasso“, gar keine Maulanlehnung haben kann, ohne durch diese Arbeitsbewegungen das Pferd im Maul zu stören. Und ich stelle – auch mal wieder an dieser Stelle – die Behauptung auf, Pluvinel ging es genauso. Damit sind wir schon beim zweiten Thema der DVD, dem Sitz. Heuschmann setzt eine seiner Schülerinnen, und bei weitem keine Anfängerin, im praktischen Teil des Kurses richtig hin und lässt sie den Bewegungen des Pferdes folgen. Man kann schon nach kurzer Zeit die positive Veränderung im Pferd sehen. Auch bei Dyslis Schülern ist der Sitz das Thema. Offensichtlich – und das entspricht auch meinen eigenen Beobachtungen – wird das richtige Sitzen nicht mehr gelehrt. Wir als Betrachter der DVD profitieren vom Wissen beider Dozenten. Und dies ist der Vorteil einer Aufzeichnung, man kann sie immer wieder ansehen und entdeckt neue Informationen, neue Sichtweisen und Ansatzpunkte. Es darf nicht unerwähnt bleiben, das Dysli auf der DVD uns die höchste Schule auf dem seinem Hengst Okie zeigt, sogar eine Galopp-Pirouette um die Vorhand. Das verwirrte das Publikum hielt den Atem an, was dies denn wohl solle. Dysli löste es auf mit einer korrekten Galopp-Pirouette auf der Hinterhand. Erst dann wurde den Zuschauern klar, welch Außergewöhnliches hier gezeigt wurde.

Mir persönlich hat diese DVD unglaublich viel gebracht. Bestätigt sie mich in meinem Weg und knüpft an das an, was ich vor über vierzig Jahren gelernt habe und geritten bin. Auch hilft sie mir dabei, wieder über meine FN-Brille, welche ich leider immer noch aufhabe, bewusst zu werden. Wo habe ich sie mir nur eingefangen?

In den Foren habe ich mir natürlich diverse Kritiken vorher angesehen, auch von Leuten, welche beim Seminar damals dabei waren. Am Schluss dieses Tages tauschten die FN-Reiterin mit dem Westernreiterschüler die Pferde. Ich war schon gespannt, wie der Warmblüter damit zurechtkäme, mit freiem Hals zu gehen. Es ist schade, dass der Westerntyp nur Galopp in Wildwestmanier gezeigte – was das Pferd allerdings gerne mitgemacht hat – und damit leider eine Diskussion auslöste. Der eigentliche, wertvolle Inhalt wurde somit in den Foren nicht besprochen. Die Krittelfraktion war mal wieder voll in ihrem Element. Auch hier ein wunderschönes Schulbeispiel, dass nur die Klugen durch das Internet klüger werden, die Dummen aber da bleiben wo sie sind und sich darin auch noch gegenseitig bestärken.

Auch wenn wir weder FN reiten, noch Western, so finden wir hier doch die Grundprinzipien des guten Reitens, welche natürlich auch für uns gelten. Auch als „Akademiker“ dürfen wir nicht vergessen, dass wir immer noch die FN-Brille aufhaben. Es gilt, die eigenen Werte immer wieder in Frage zu stellen um zu sehen, ob man auf dem richtigen Weg ist.

In zukünftigen Artikeln hier werde ich mich immer wieder auf dieses aufgezeichnete Seminar berufen können, da hier mit wunderbaren Worten ausgedrückt ist, was „Reiten“ bedeutet. Daher oben das „ALLES“!

Am 15.12.2013 verstarb Jean-Claude Dysli und folgte seinem Hengst Okie Isma Dad († 08.12.2013). Vielleicht kann ich hier einen kleinen Beitrag leisten, dass sein Pferdewissen und seine Intensionen nicht verloren gehen.

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Buckaroos – gemeinsame Wurzeln mit Pluvinel

Kampf zu Pferd, Pluvinel, rasiere dem Kontrahenten den Federpuschel vom Kopf. Mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek. Ist mit der linken Hand eine feine Anlehnung möglich, wenn mit der rechten Aufmerksamkeit, Kraft und Geschick eingesetzt wird? Daher die These: Die Pferde folgten dem Gleichgewicht des Körpers und nicht der Hand. Selbst die kleinste "Anlehnung" barg die Gefahr von Verletzungen.

Kampf zu Pferd, Pluvinel, rasiere dem Kontrahenten den Federpuschel vom Kopf. Mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek.
Ist mit der linken Hand eine feine Anlehnung möglich, wenn mit der rechten Aufmerksamkeit, Kraft und Geschick eingesetzt wird? Daher die These: Die Pferde folgten dem Gleichgewicht des Körpers und nicht der Hand. Selbst die kleinste „Anlehnung“ barg die Gefahr von Verletzungen.

Auf der Suche nach „meiner“ Reitkultur, in welcher das Pferd – wie ich es jetzt formulieren will – OHNE Anlehnung selbsttragend geritten wird, stieß ich auf Jean-Claude Dysli. „Gerd Heuschmann trifft Jean-Claude Dysli“ heißt das Video, welches der Wuweiverlag herausgab. Über das Video und den Heuschmannpart werde ich einen eigenen Artikel schreiben. Nur ein kleiner Tipp hier: durch Zufall sah ich die Disk 2 zuerst an. Das ist der Praxisteil. Erst danach weiß man, vor allem, wenn man noch unberührt von der altkalifornischen Reitweise ist, worum es in den Gesprächen auf der 1. Disk überhaupt geht.

Zurück zu meiner Mission. Dysli wird meiner Meinung nach nicht die Beachtung geschenkt, die er verdient hat. Er starb am 15.12. 2013. Ich kann mich erinnern, ihn als Jugendliche gesehen zu haben. Doch meine Wahrnehmung damals sah das Besondere nicht, denn, wie er ritten wir in den Distanzkreisen alle mit dem Körper und den durchhängenden Zügeln. Anders konnte man die langen Strecken ohne den Pferden zu schaden gar nicht reiten. Dyslis Bestreben war es, den ganzen „Handreitern“ zu zeigen, wie elegant und leicht es ohne Hand geht. Wie ich aus dem Video „Zwei Legenden – eine Mission“, in dem er mit Manuel Jorge de Olivera über spezielle Pferdeausbildungssituationen diskutiert, heraus höre, schien er diese Mission als gescheitert zu betrachten. Kann ich sehr gut verstehen, wenn man sieht, was in der Wettbewerbsszene des Westernreitens gezeigt wird, und wie sich die sogenannte „FN-Reiterei“ im ihrer immer noch akzeptierten Rollkur als reine Pferdequälerei darstellt. Olivera tröstet ihn und meint: seine Mission ist dann nicht gescheitert, wenn er einem einzigen Reiter die Augen geöffnet hat.

Die altkalifornische Reitweise, wie sie Dysli zeigt und, für mich sehr wichtig, erklärt, hat so viel mit dem heute gezeigten Westernreiten zu tun, wie die akademische Reitweise mit der heutigen Turnierreiterei. Interessant ist dabei noch, dass die „modernen Westernreiter“ der damaligen, altkalifornischen Reitweise dieselben bösen Worte vorwerfen, wie es die moderne deutsche Reiterei gegenüber der authentischen Renaissance-/Barockreiterei tut. Die „Barockreiterei“ der FN ist für mich herkömmliches Reiten in Kostüm, mehr nicht.

Mit anderen Worten ist es sozusagen archäologisch interessant, Reitweisen zu betrachten, die durch die deutsche Kavalleriereiterei nicht beeinflusst sind. Unsere Beeinflussung geht so weit, dass wir nur mit der FN-Brille Pluvinel übersetzen und lesen. Wir können es uns gar nicht mehr anders vorstellen.

Hundert Jahre vor Pluvinel kamen die Spanier nach Amerika und brachten, in mehreren Schüben, ihre Pferde mit. Wie Dysli in seinem Buch „His way of Life, Ein Appell an das Gewissen der Reiter!“, erschienen im Wuweiverlag, erzählt, gibt es noch in Kalifornien große Ranches, welche Spanish Grants sind, da sie von der spanischen Krone verschenkt worden waren. Die Familien dort sprechen oftmals fast ausschließlich spanisch. Die Tradition wird dort hoch gehalten: „We ride the spanish way, we keep the spanish tradition!“

Diese altkalifornische Reitkultur hat mit der von Pluvinel gemeinsame Wurzeln. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu der herkömmlichen Reitweise können mir Rückschlüsse geben, wie Texte aus der Renaissance und vielleicht auch des Barocks zu interpretieren sind.

Und was ist nun der Unterschied? Die Reiter reiten mit dem Körper, mit dem Gleichgewicht. wenn es bei der Ausbildung in der Trensenphase eine Einwirkung auf das Maul gibt, ist dies nicht auf die Zunge oder den Laden, sondern ein leichtes Zupfen am Maulwinkel. Ansonsten liegt die Trense passiv im Maul. Das Nachgeben im Genick wird nicht durch Kraft erzwungen, sondern ist vom Pferd verstanden worden. Die Biegung und die Stellung werden aus der Hinterhand geritten, wieder aus dem Sitz/Körper heraus. Die Schulter, bei Bedarf über den dort anliegenden Zügel gelenkt. Die Beine werden, wenn überhaupt nur dann eingesetzt, kurz bevor das Pferd „ausfällt“. Warum keine Mauleinwirkung? Dysli zeigt es in dem Video. Wenn man mit der rechten Hand ein Rope arbeitet – oder, wie ich hinzufügen möchte, ein Schwert oder eine Lanze – ist die Gefahr einer falschen Einwirkung oder gar Verletzung mit der linken Hand im Maul viel zu groß, also Hand weg vom Maul. Das Pferd wird so weit ausgebildet, dass es sich selbst richtig biegt und stellt. Dass Pferde all dies können, kann man wunderbar bei ihnen beobachten, wenn sie auf der Weide zusammen spielen.

Meine These: auch unter Pluvinel, als Kampfreiter, hat man die Hand und die Einwirkung auf das Maul nicht benutzt. Die Pferde folgten dem Reiterkörper um immer wieder das Gleichgewicht herzustellen. Dass dies angeboren ist, konnte ich bei den Pferde, welche ich ausbildete und noch ausbilde, beobachten. Sie verstehen es von Natur aus.

Auch der Ausbildungsweg über die Trense, Bosal und dann Kandare ist letztendlich der gleiche wie bei Pluvinel.

So, nun muss ich es nur noch selbst im Sattel zeigen, damit man weiß, was ich meine.

PS: ach ja, was ist denn ein Buckaroo? Schlicht und ergreifend: das Wort leitet sich von „Vaquero“ ab, gemeint ist heutzutage ein Cowboy aus Passion, der in der Tradition der spanischen Reitkultur arbeitet.

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Der Sitz – der Sitz – der Sitz

Bent Branderup erklärt den Sitz. Im Hintergrund ein echter "Branderup" - eine Zeichnung, die sich im Laufe des Vortrages entwickelt und die komplexe Mechanik vom Reiter-Pferde-Paar erklärt.

Bent Branderup erklärt den Sitz. Im Hintergrund ein echter „Branderup“ – eine Zeichnung, die sich im Laufe des Vortrages entwickelt und die komplexe Mechanik vom Reiter-Pferde-Paar erklärt.

Bent Branderup war wieder in Wendlmuth, am 10, und 11.Oktober 2015 auf der Reitanlage der Familie Andraschko, deren wunderschöne Halle den geeigneten Rahmen bietet, und deren Seminarraum für solche Kurse unabdingbar ist. Rahmenbedingungen geschrieben, wie in der Schule gelernt: wer, wann, wo.

Und natürlich gab er wieder eine so große Vielzahl an Informationen, dass es unmöglich ist, alle hier zu erläutern. Darum setze ich – auch mal wieder – meine persönliche Brille auf und habe mir das herausgesucht, was mir in diesem Moment am wichtigsten erscheint.

Diesmal ist es der Sitz. Ich hatte schon mal darüber als Seminarthema von Bent Branderup geschrieben, möchte es diesmal aber in den tieferen Zusammenhang meiner eigenen Studien stellen.

„Der Sitz ist die Primärhilfe.“ Hand und Bein sind nur Sekundärhilfen, die dann angewendet werden, wenn das Pferd noch nicht so weit ist, allein auf den Sitz zu hören. „Ja“, sagt jeder – besser jede – und reitet munter mit Hand und Bein weiter. Und unter uns, es ist erstaunlich, wie katastrophal schlecht auch erfahrene Reiter auf dem Pferd sitzen. Aber davon mehr in weiteren Artikeln hier über dieses Thema.

Es mag vielen müßig erscheinen, sich immer wieder mit diesem Thema zu beschäftigen, doch die Worte dringen nicht in den Verstand. Bent Branderup versucht daher den Ansatz: „wenn Du es fühlst, weißt Du es“. Daher hat es mir sehr gut gefallen, wie Herr Branderup sozusagen „trocken“ zeigte, was er meinte. Und mir hat gefallen, dass er damit an seine alten Videos und Filme anknüpft. Die wirklich alten Meister sehen im Sitz das Reiten. Die Hände spielten in der Gebrauchsreiter gar keine Rolle. Sie wurden nur zu Ausbildung und Unterstützung verwendet.

Es ist sehr schwierig, das Gefühl für den Sitz zu vermitteln, wenn die Schüler in einem Kurs Wunder in den Gangarten erwarten. Der Weg ist lang.

Für mich selbst ist es schwierig, da ich mich mit dem Thema so intensiv beschäftige. Mit geht es fast wie dem Tausendfüßler, dem man erklärte, wie er seine Beine bewegt. Er fängt an, darüber nachzudenken und stolpert – natürlich – dann über seine eigenen Füße. Nur die Liebe brachte ihm in der kleinen Geschichte die Intuition zurück.

Nach all den letzten Jahren komme ich wieder in die aktive Reiterei zurück. Die Zeit dazwischen nutzte ich für ein regelrechtes Studium der Reitkunst. Und ich bin in der glücklichen Lage, zwei bezaubernde Pferde an meiner Seite zu haben, denen nicht nur das Nachdenken Spaß macht, sondern die – vor allem Príncipe – auch körperlich in der Lage sind, mit mir diesen Weg zu gehen.

Nur verlor ich meine Intuition. Verlor! Vergangenheit. Einer der Bausteine sie wiederzufinden war Bent Branderup in seinem Kurs. Auch er bereitete den Weg zurück, zu meinem Ursprung. Somit bin ich guter Dinge mich, größtenteils autodidaktisch, auf den Spuren von Pluvinel zu befinden, der von allen immer noch mein größtes Vorbild ist.

Pferd und Reiter gelassen in ihrem Können - das ist die Kunst Monsieur de Kraut (mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Locker aus der Hüfte reiten – das ist die Kunst
Monsieur de Kraut
(mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Mehr über den Kurs ist bei Anna Eichinger zu erfahren:

http://annaeichinger.com/branderupkurs-oktober2015/

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ANGST

Dieses ist der Artikel 2 von 2 in der Serie Die innere Stärke des Reiters

Harmonie und innere Zufriedenheit bei Mensch und Pferd. Bild aus "Ecole de Cavalerie. (mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek

Harmonie und innere Zufriedenheit bei Mensch und Pferd.
Bild aus „Ecole de Cavalerie. (mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Eigentlich sollte dies ein Bericht werden über den Kurs mit Paul Dietz, welcher aus den Staaten nach Europa kam und hier Horsmanship im besten Sinne des Wortes unterrichtete. Er ist ein Schüler meines geschätzten Buck Brannaman (das hat so gar nichts mit Parelli zu tun, was man hier in Deutschland immer dazusagen muss) und kam auf Einladung von Karin Thümler auf den Kiesenhof bei Freystadt vom 7. Bis 10. August 2015. Doch, Ihr wisst ja, bei mir wird immer so eine ganz persönliche Sicht und Sache daraus.

Ich buchte den Kurs Monate zuvor, weil ich Príncipe beibringen wollte, sich gelassen zwischen fremden Pferde zu bewegen und auf mich zu hören. Príncipe ist ein nun 5 jähriger P.R.E., Hengst, und in seiner zweiten – schwierigen – Pupertätsphase. An alle, die es nicht wissen: ein Pferd ist erst mit ca. 6,5 Jahren wirklich ausgewachsen. Príncipe ist in den Alter, in dem ein Hengst seine Stellung in seiner Hengstgruppe festigt – das hat nichts mit der Stutenherde zu tun. Wo das steht? Meine Erfahrung aus 42 Jahre Hengsthaltung. Es ist immer das Gleiche. Und so dachte ich mir, dass Paul Dietz und seine Teilnehmer genau die Richtigen sind. Hengste werden im Übrigen ja als Monster angesehen.

Ich kam am Vorabend spät, schon nachts, am Stall an – mit der denkbar schlechtesten seelischen Verfassung. Seit dem Tod meines Mannes gibt es immer ein auf und ab. Und es gab sehr viel Aufregung in letzter Zeit, ich hatte Cortes gekauft. Dazu noch der Kurs, bei dem ich über 4 Tage von zuhause weg war. So dick muss es mir ja keiner nachmachen, aber Ihr kennt solche Zeiten bestimmt auch. Príncipe, dann endlich ausgeladen und in seiner Gastbox, stand natürlich nur noch auf zwei Beinen und versuchte über die Wände zu klettern, der Affe. All die Bedenken, welche die Stallbesitzerin aus schlechter Erfahrung hatte, schienen sich zu bewahrheiten und ich bedanke mich an dieser Stelle für die Geduld und Fürsorge für meinen Schatz. Als ich später im viel zu heißen Hotelzimmer war, nahm ich mir eigentlich vor, am nächsten Tag wieder abzureisen.

Und schon machte es mal wieder „klick“ – in den Ursulamodus geschaltet: das ziehe ich jetzt durch. Geholfen dabei hat mir auch die Unterstützung von Paul Dietz und seiner Frau Christine und die der anderen Teilnehmer. Ich bedanke mich hiermit bei ihnen für die Geduld und die Rücksichtnahme und – die Schokocroissants!

Das waren die Rahmenbedingungen, nun will ich endlich zum Thema kommen:

Am dritten Tag wollte ich Príncipe dann endlich reiten. Zuhause hatten wir geübt, dass ich ihn auch bei Aufregung unter Kontrolle habe und ihn in die Gelassenheit bringe. Ich stand also vor meinem Pferd und wollte aufsteigen – soweit der Plan – und bekam Angst.

Meine Knie wurden weich, die Muskel zittrig. Ich bekam schwer Luft. In meinem Kopf bildete sich das Bild eines explodierenden Pferdes und einer in tausend Teile zerbrochenen Ursula. Christine merkte dies und bot mir Ihre Hilfe an. Ich bat sie, Príncipe zu reiten, was sie nach einem Umsatteln auf einen ihr vertrauten Sattel tat. Príncipe war aufgeregt, aber sie ritten mitten zwischen den anderen Pferden. Und ich? Ich saß mit Tränen auf der Aufsteighilfe. So weit ist es mit mir gekommen. Ich traute mich nicht mein geliebtes Pferd zu reiten.

„Klick“ – Ursulamodus:

Was sagte Buck Brannaman? „Das beste Mittel gegen Angst ist Wissen.“

Also Analyse:

Erst einmal, was ist „Angst“ eigentlich? Zuerst muss zwischen „Angst“ und „Furcht“ unterscheiden. Ich will die Erklärung mit einem Wikipediazitat abkürzen: „Im Gegensatz zur Angst ist die Furcht meist rational begründbar und wirklichkeitsgerecht.“ Angst ist also nur ein Gespenst.

Und damit bin ich schon beim Kern des Problems. Natürlich ist Príncipe ein kraftvoller, junger Hengst, und natürlich bin ich körperlich noch nicht so fit, wie ich es wieder sein will. Und natürlich bin ich keine 20 Jahre alt mehr. All dies ist ein fruchtbarer Boden, denn das sind meine eigenen Bedenken. Sie lösen eine gesunde Furcht aus, welche dann in vorbeugenden Maßnahmen endet: Reithelm, Können des Pferdes, One-rein-stop, Ausrüstung.

Alles gemacht, dennoch diese Angst? Diese Bilder im Kopf? Und schon haben wir es: das sind nicht meine. Es sind fremde, welche nur auf diesen fruchtbaren Boden gefallen sind. Und jeden, den ich in den letzten Jahren um Rat gefragt habe, hat es nur noch schlimmer gemacht. Diese Ratschläge waren sicher gut gemeint, doch bewirkten sie das Gegenteil: „Weißt du, warum du nie wieder so entspannt reiten wirst? Du denkst zu viel, und damit ist das vorbei.“ Aha, ich werde also für immer angstvoll reiten? „Du bist eine tolle Theoretikerin, willst du dir das aber in der Praxis auch zumuten? Da kannst du doch nur verlieren…“ Hä? Sicher kennt Ihr solche Sprüche. Auch sind in letzter Zeit berühmte Reiter tödlich verunglückt, und die Aussage meines Helden „Steige nie aufs Pferd, wenn du ein ungutes Gefühl hast.“ kam ebenfalls erschwerend hinzu.

Weiter in der Analyse:

Wie groß ist die Gefahr denn wirklich? Der Kurs war in eine sehr gepflegten Reithalle, bei welcher die Türen trotz der enormen Hitze geschlossen blieben. Boden weich. Sehr hohe Bande.

Wann bin ich jemals vom Pferd gefallen? Ich erinnere mich in 47 Reitjahren an 4 mal. Nur einmal war es wirklich gefährlich, als ich auf Asphalt gefallen bin. Kein schlechter Schnitt für so viele Jahre.

Was kann ich tun, wenn Príncipe irgendwas Doofes macht? Ich kann den geübten One-rein-stop anwenden, der sowieso zum Kursprogramm gehört. Auch kann ich ihn gegen die Bande lenken und ihn zum Stehen bringen. Ich kann „Notabsteigen“.

Wann fühle ich mit besonders für Angst empfänglich? Das hatte ich an dem 3.Tag gemerkt: wenn mir jemand hilft. Für mich war es schon immer besser, mich mit etwas alleine auseinanderzusetzen. Meinen eigenen Stiefel zu machen, mein eigenes Tempo und Vorgehen.

Was will ich erreichen? Ich will mit Príncipe gelassen und aufmerksam die Übungen machen, welche Paul anweist, um den Pferde eine höhere körperliche Geschicklichkeit zu geben. Dabei soll sich mein Liebling auf mich konzentrieren, und, wie zuhause, Spaß am Lernen haben.

Und außerdem: ich bin ich – unabhängig, eigenständig, ich bestimme mein Leben, und ich lasse mir das doch nicht von so einer Angst verderben. Pferde sind mein Lebensinhalt, darum mache ich doch das ganze berufliche Zeugs. Und MEIN Príncipe gehört zu meinen Lebenstraum, denn ich nun umsetze. MEINS – ENDE.

Am nächsten und letzten Tag des Kurses in meiner Hallenecke ohne fremde Hilfe aufgestiegen und meinen Kleinen ganz einfach mit dem One-rein-stop gelassen gemacht. Wenn er ruhig war, die Übungen mit den anderen mitgemacht. Allerdings auch noch eigene, z. B. auf einen Punkt hin geradeaus zu gehen, was gar nicht so einfach ist, wenn noch Aufregung im Pferd ist. Und folgende Übung haben wir neu gelernt: Rückwärtsrichten (bitte nicht mit dem FN-Rückwärtsrichten verwechseln), so dass die Hinterhand unter dem Pferd ist und daraus einen Schritt mit der Vorderhand seitwärts.

So lange sind wir noch nie an einem Stück geritten, es waren bestimmt 2 Stunden. Doch sollte ich dazu noch sagen, dass beim Kurs viel gestanden wurde, als Paul Themen erklärte. Dies gab den Pferden Gelegenheit, immer über das Gelernte nachzudenken und war zugleich wiederum eine Gelassenheitsübung. Príncipe tut so was immer sehr gut.

Als dann Príncipe völlig in mir und unseren Übungen aufgegangen ist und die anderen Pferde vergessen waren, stieg ich ab. Paul fragte mich, was ich mache, und ich erklärte ihm, dass ich nun den Kurs beende, denn ich habe erreicht, was ich wollte. Es konnte von hier ab nur wieder schlechter werden. Ich nahm meinen Schatz und ging zum Stall.

Die anderen erzählten mir später, dass ihnen Paul gesagt hatte, als er Príncipe sah, wie schön er sich auf mich konzentrierte, er mit vorschlagen wollte aufzuhören, weil es nur wieder schlechter werden konnte. Doch da sah er mich schon absteigen. Wir hatten wohl das gleiche Timing.

In diesen Tagen bekam ich einen großen Teil meiner selbst zurück.

Es würde mich freuen, wenn ich durch die Analyse jemanden helfen konnte, der ebenfalls Angstprobleme hat.

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Gelassenheit – der Spiegel Pferd

Dieses ist der Artikel 1 von 2 in der Serie Die innere Stärke des Reiters

Pferd und Reiter gelassen in ihrem Können - das ist die Kunst Monsieur de Kraut (mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Pferd und Reiter gelassen in ihrem Können – das ist die Kunst
Monsieur de Kraut
(mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Das ist nun das dritte Mal, dass ich an diesem Artikel herumschreibe, immer wieder habe ich ihn verworfen, weil es mir nicht gelang, den richtigen Ton zu finden. Eigentlich sollte er ein Bericht über den Kurs von Bent Branderup in Wendlmuth vom 14. und 15. März diesen Jahres sein. Ein paar Tage nach dem letzten Kurs im Herbst starb mein Mann für uns unerwartet. Das ist einfach eine Tatsache, welche mein ganzes Leben und meine Weltsicht beeinflusst und es hat keinen Sinn das einfach auszublenden und zur Tagesordnung überzugehen.

Die akademische Reitweise und gerade die Kurse mit Bent Branderup sind und sollen mein Rückgrat in dem sein, was ich für Príncipe und mich erreichen will. Später will ich auch über meine „Reise“ in den wilden Westen berichten, über ein Horsemanship, welches von Ray Hunt und nun von Buck Brannaman gezeigt wird. Ruhiger, liebevoller, aber konsequenter Umgang mit dem Pferd. Doch letztendlich soll auch dies uns als Basis dienen, den akademischen Weg zur Vollendung zu beschreiten.

Ein bisschen habe ich mich auch vor diesem Artikel gedrückt, denn der Kurs war für mich nicht so einfach durchzustehen, beim letzten lebte mein Mann noch. Erinnerungen, Gefühle und die Unabänderlichkeit übermannten mich.

Und da bin ich schon beim Thema, welches ich hier vermitteln will.

Es gibt mehrere Aspekte von der Verfassung, in der man sich befindet. Ich werde in Laufe der Zeit alle behandeln, doch hier habe ich mir einen herausgesucht, welchen man in diesem Kurs besonders gut beobachten konnte. Wie sehr die eigene Verfassung nicht nur das eigene Weltbild, sondern auch das Verhalten anderer einem selbst gegenüber beeinflusst, habe ich am eigenen Leib in den letzten Monaten erfahren (müssen).

Der erste Aspekt ist die innere Stärke, die Gelassenheit.

Gelassenheit – das sagt sich so einfach. Wie schwer es ist, gelassen zu bleiben, habe ich durch die letzten Monate besonders erfahren müssen. Aus was setzt sich Gelassenheit denn zusammen? Ich habe mir hier meine eigenen Gedanken gemacht. Wikipedia sagt: „Gelassenheit, Gleichmut, innere Ruhe oder Gemütsruhe ist eine innere Einstellung, die Fähigkeit, vor allem in schwierigen Situationen die Fassung oder eine unvoreingenommene Haltung zu bewahren. Sie ist das Gegenteil von Unruhe, Aufgeregtheit, Nervosität und Stress.“ Diese Definition trifft aber auch auf ein: Miristallesegal zu. Daher möchte ich ergänzen: Gelassenheit setzt eine innere Stärke voraus. Und diese hat man meiner Meinung nach nur, wenn man sich „erwachsen“ benimmt.

Kurzer Ausflug: Habt Ihr schon mal von der Transaktionsanalyse gehört? Nach diesem Model nehmen Menschen eine der drei möglichen Haltungen ein. 1. Den Elternteil, der entweder kontrollierend („Hast du schon die Hausaufgaben gemacht?“) oder fürsorglich („Zieh dich warm an, es ist kalt draußen.“)ist. 2. Den Erwachsenenteil, auf den ich gleich zurückkommen werde und 3. den Kindteil, welcher sich ebenfalls in den des angepassten Kindes („Hoffentlich blamiere ich mich nicht… was werden die von mir halten?) oder des freien Kindes („Ihr könnt mich alle mal…“).

Nun sind wir wieder auf dem Kurs und natürlich wollen wir nichts falsch machen und gefallen – wir fallen in die Rolle des angepassten Kindes. Nicht umsonst wird diese Haltung als „Kind“ bezeichnet. Unser Pferd merkt natürlich, dass wir anders sind als sonst. Sein Mensch wird auf einmal unsicher. Als Fluchttier ist es daher ebenfalls in Alarmbereitschaft. Irgendwas ist da im Busch, denkt es. Erkennt Ihr das wieder? Und schon zappelt es herum, zeigt nicht, was man wochenlang geübt hat, was einem wiederum selber noch unsicher macht – und das ganze vor den Augen gerade des Menschen, dem man gefallen will. Zuhause wäre das nicht passiert, die paar dummen Zuschauer mit ihren Bemerkungen? Pffff…

Doch hier im Kurs ist das anders. Man will alle sein Können und Wissen in die Minuten stecken, in denen der Reitmeister zusieht. Herr Branderup kennt das natürlich und nimmt die Spannung aus dem Schüler. Siehe da, auf einmal wird die aufgeregte Stute ruhiger, als ob sie die Worte verstanden hätte. Hat sie natürlich nicht (ach wäre das schön), sondern die Reiterin entspannte sich. So einfach ist das. Und nochmal: so einfach ist das.

Nun wissen wir, dass nicht jeder Lehrer didaktisch so viel drauf hat wie Bent Branderup und die Situation und die Befindlichkeit eines aufgeregten Paares durch seine Killerbemerkungen noch schlimmer machen kann – wenn man es zu lässt. Und hier ist unser Ansatzpunkt. Wir müssen NIEMANDEM gefallen, die einzigen, die zählen, sind unser Pferd und wir. Unser Pferd muss sich wohlfühlen, und dazu müssen wir sein Fels in der Brandung sein, egal was ist. Wenn ich schon denke: „mein Pferd geht nie in den Hänger!“ wird es das auch nicht tun.

In Ermangelung an Pferdeleutengeschichten, weil ich hier nicht so viele Kontakte habe, möchte ich ein Erlebnis erzählen, dass ich mit Hunden hatte, denn bei Hunden ist es das gleiche Thema. Ich kannte einen sehr netten irischen Setter mit seinem älteren und besorgten Frauchen. Der arme Hund hatte vor Gewitter so viel Angst, dass er vom Tierarzt Beruhigungsmittel verschrieben bekam, weil dieser befürchtete, dass die Angstanfälle zu Epileptischen wurden. Eines Tages gingen wir spazieren, ich führte zufällig den irischen Setter und meinen englischen. Die Dame, wie gesagt schon älter und etwas schwerhörig lief neben uns und plapperte. Hinter uns baute sich ein ordentliches Gewitter auf, dessen Grummeln man schon hören konnte. Die Dame plapperte weiter, beide Hunde liefen entspannt neben mir. Eigentlich sollte nach Aussage der irische Setter schon längst zitternd auf dem Boden liegen. Das Gewitter kam näher, wurde lauter, die Dame plapperte. Nun war es so nahe, dass es die Dame auch hören konnte. „Oh, nein, OGOTT, WAS MACHE ICH NUR…“ legte sie ein Theater vom Feinsten hin. Von einer Sekunde auf die andere veränderte sich der Setter, er mutierte zum winselnden und zitternden Bündel Elend. Mein Hund sah mich an: „Was ist denn jetzt kaputt?“ „Wieso sagst du denn nicht, dass es gewittert?“ war der Vorwurf. Ob und was ich geantwortet habe, weiß ich nicht mehr, aber was ich gedacht habe, das wisst Ihr.

Gelassenheit. Wie bleibt man gelassen? Auch meine Gelassenheit hat sehr gelitten, meine persönliche Reaktion sind allerdings nicht Unsicherheit, sondern spitze Bemerkungen, welche mir zugegebener weise dann fast immer auf der Zunge liegen, welche ich aber normalerweise seltenst herauslasse, um andere nicht zu verletzten.

Letztendlich ist es die Eigenverantwortlichkeit, die Eigenständigkeit. Für einen Kurs ist daher die Einstellung: „Ich bin hier um zu lernen und zu verstehen.“ Und nicht: „Ich bin hier um zu gefallen und Anerkennung zu bekommen.“

Und umso empfänglicher das Pferd und je weniger resilient, umso stärke und gelassener müssen wir für es sein.

Schließen will ich mit dem in letzter Zeit häufig geschriebenen Zitat:

Dein Pferd ist dein Spiegel. Es schmeichelt dir nie. Es spiegelt dein Temperament. Es spiegelt auch seine Schwankungen. Ärgere dich nie über dein Pferd; du könntest dich genauso gut über dein Spiegelbild ärgern. (Rudolph C. Binding)

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Die Balance Teil II – Versammlung

Dieses ist der Artikel 4 von 4 in der Serie BODY AND SOUL von Stefanie Niggemeier

Autorin Stefanie Niggemeier mit Morgan Horse Glenmorgan Final Hylight in der modernen Pilarenarbeit.

Autorin Stefanie Niggemeier mit Morgan Horse Glenmorgan Final Hylight in der modernen Pilarenarbeit.

Wir haben im ersten Teil dieser Reihe gesehen, wie wichtig es für das Reitpferd ist, eine Balance in seitlich- vorwärts schwingender Richtung zu finden. In diesem Artikel wollen wir uns mit einer weiteren Art der Balance beschäftigen, die ein jedes Reitpferd finden lernen sollte, mit der Versammlung. Wenn wir das Wort „Versammlung“ hören, dann assoziieren wir das schnell mit bestimmten Lektionen. Diese erscheinen uns als erstrebenswert, sehen wir sie doch auch in der Kunst abgebildet als das Optimum der Reitkunst. Leider sehen wir im Bestreben, eine bestimmte Optik nachzuahmen, oft auch eine Pervertierung derselben, weil der Ausüber offenbar nicht verstanden hat, warum eine Lektion nur in einer Weise gesund ist für das Reitpferd – nämlich der biomechanisch korrekten, die auf der natürlichen Bewegungsmöglichkeit jedes einzelnen Pferdes individuell basiert. Wir wollen uns zum Verstehen dieser biomechanischen Prozesse hier zum bildlichen Vergleich eine Reihe Domino-Steine vorstellen, die nur dann problemlos fallen kann, wenn jedes Steinchen an seinem Platz ist und nichts die Kette unterbricht. So ist allen versammelnden Übungen etwas gemeinsam: das Pferd wird von Schubkraft zu Tragkraft geschult. Zuerst geschieht das mit dem inneren Hinterbein und findet seinen Beginn im Reiten von Bahnfiguren wie Schlangenlinien, Volten oder Zirkeln, letztlich mündet diese Abkürzung des Schubes in einer vollen Lastaufnahme des Pferdes wie z.B. der Levade. Wenn man an Versammlung denkt, so muss der erste Blick auf die Tätigkeit der Hinterhand des Pferdes fallen. Hier wird die Kraft produziert, die zuerst das Pferd, dann das Pferd samt Reiter trägt. Das kann jedoch nur dann reibungslos vonstattengehen, wenn alle Gelenke der Hinterhand funktional aufeinander ausgerichtet sind – wir denken hier wieder an die oben beschriebene Kette Dominosteine. Ein weiterer wichtiger „Dreh-und Angelpunkt“ – im wahrsten Sinne des Wortes – ist der Übergang von der Hinterhand zum Rücken: das Kreuz-Darmbein-Gelenk (Iliosakralgelenk, kurz ISG) und dann die Lende des Pferdes. Doch besteht der Körper des Pferdes ja nicht nur aus Knochen und ihren Gelenkverbindungen, sondern auch Bindegewebsstrukturen und Muskeln. Diese, und zwar explizit, muss der Reiter bei seinem Pferd trainieren, will er es dauerhaft gesund und fit für seine Aufgabe erhalten, bzw. darauf vorbereiten. Wir kennen den Begriff „Form“ aus der Skala der Ausbildung. Die Formgebung des Pferdes, das Finden einer bestimmten Optik ist in der Reitkunst oft nur ein kurzer Moment und schnell vergangen. Reitkunst ist Kunst für den Augenblick. Doch ist es so, dass eine Wiederholung dieser Augenblicke dem Pferd auch im Ruhezustand eine bestimmte Form gibt, die neben einer entsprechenden Muskulatur vor allem auf die Formgebung der Faszien zurückzuführen ist. Die Fascia profunda, die „allumfassende“ Faszie, die den gesamten Körper gleich einer zweiten Haut umschließt, ist nur an wenigen Punkten direkt mit dem Skelett verbunden. Zwei dieser Punkte sind die Hüften und das Hinterhauptbein. Über diese Struktur , sowie über das Zusammenspiel der Muskulatur von Zungenbein und Hüftbeuger ( m. Psoas ) ist die Tätigkeit der Hinterhand direkt am Kopf des Pferdes ablesbar. Wenn das Pferd seine Hinterhandgelenke gleichmäßig beugt, die so erzeugte Kraft über das ISG , die Lende und den Rücken , zwischen den Schultern hindurch, über die Halswirbelsäule und deren Übergang in den Schädel, das Cranio-Sacral-Gelenk ( Okzipitalgelenk) in das Hinterhauptbein mittels Muskelkraft und in Faszien gespeicherter Energie überträgt, dann wird das Pferd von alleine – und diese Freiwilligkeit ist elementar für echte Versammlung – in eine Beizäumung kommen, was bedeutet, dass der Schädel aus dem Genick ganz locker pendelt und das Kinn des Pferdes sich ein wenig dem Hals nähert, es wird ein wenig enger in der Ganasche. Wenn das geschieht, dann verlängert sich die Oberlinie des Pferdes, während die Unterlinie sich verkürzt – das Pferd nimmt eine andere Form an. Wird dieser Prozess jedoch mit der Hand erzwungen, dann fällt der hintere Teil der Zunge vor den Kehldeckel, das Pferd kommt in Luftnot und resultierend aus der künstlich erzeugten Spannung im Kopf-Hals-Bereich und auf dem Zungenbein werden auch die Gelenke der Hinterhand nicht mehr funktional arbeiten können – eben weil der gesamte Pferdekörper eine Einheit ist. Die durch die Versammlung erlangte Balance bringt dem Pferd in seiner Aufgabe als Reitpferd einen großen Profit, da es gelernt hat, nicht nur sein eigenes Gewicht , sondern zusätzlich auch das Gewicht des Reiters in einer für das Pferd gesunden Weise zu tragen, nämlich aus dem Motor Hinterhand. Diese Fähigkeit herzustellen, damit haben sich alle Alten Meister von Xenophon bis zu den letzten Reitakademien vor Beginn des Zweiten Weltkrieges beschäftigt. Sie alle haben verschiedene Formulierungen für diese Arbeit gefunden, haben bestimmte Lektionen oder Ausbildungstechniken bevorzugt, um dieses Ziel zu erreichen und die ihnen zur Verfügung stehenden Pferde optimal zu fördern. Auch die modernen Reitlehren sehen ganz klar ein Ziel der Ausbildung: pferdegesunde Versammlung, um optimale Gesunderhaltung des Pferdes zu bekommen. Seit über 2000 Jahren bemühen sich Reiter aller Epochen darum, den Zustand zu erreichen, den Xenophon folgendermaßen beschreibt: „Wenn man das Pferd mit dem Zügel durchhält, während es die Hinterhand nach vorne untersetzt, so beugt es die Hinterbeine in den Hanken, die Vorhand aber hebt es in die Höhe, so dass dem Gegenüberstehenden Bauch und Schamteile sichtbar werden.“ Dabei sollte nicht eine bestimmte Lektion das Ziel sein, sondern allein der Weg zur Versammlung und die Arbeit mit versammelnden Lektionen bringt unseren Pferden einen größten Benefit. Gemäß dem Motto: “ Der Weg ist das Ziel“ machen wir uns also auf die Reise!

Links: Wer Stefanie Niggemeier persönlich erleben will, Termine findet Ihr hier: http://barocke-pferdeausbildung.jimdo.com/termine/

Monsieur de Kraut (mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Monsieur de Kraut
(mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

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Die Balance – das Alpha und Omega der Pferdeausbildung Teil 1

Dieses ist der Artikel 3 von 4 in der Serie BODY AND SOUL von Stefanie Niggemeier

Das „Croupe au Mur“ wurde mit dem geschulten Pferd über vier Hufschläge gearbeitet. Wichtig auch hierbei: das Pferd fußt vorwärts und seitwärts auf. (Johann Elias Ridinger, – mit freundlicher Genehmigung der bayerischen Staatsbibliothek)

Wenn wir über Balance sprechen, kommt mir immer das Bild eines Seiltänzers in den Sinn. Stets bemüht, die Balance in der Bewegung in jedem Moment neu zu finden, nutzt er Tempo, Takt und Schwung, sowie ein Ausrichten seines Körpers. Je näher er die Beine zusammenbringt, die Arme an den Körper nimmt, desto schwieriger wird es, die Balance zu halten. Schon eine kleine Gewichtsverlagerung kann diesen empfindlichen Zustand stören.

So geht es auch unseren Pferden.

Auf der Suche nach der Balance haben Pferdeausbilder über die Jahrhunderte ausführliche Beobachtungen gemacht und ihre Erfahrungen in bestimmte Bewegungsabläufe umgesetzt, die als besonders förderlich galten, um Balance zu erreichen. Diese Bewegungsabläufe, in denen das Pferd seine Beine in einer bestimmten Weise bewegt, eine bestimmte Rückentätigkeit ausführt, einen bestimmten Schwung entwickelt oder Gelenke in bestimmter Weise beugt und streckt, wurden früher „Schulen“ genannt, wir kennen sie heute unter dem Begriff „Lektionen“.

Niemand hat den Begriff „Schwung“ bisher so treffend beschrieben wie der Oberbereiter der Kavallerieschule Hannover, von Holleuffer. Für ihn ist die Tätigkeit der Wirbelsäule eine Bewegung in drei Dimensionen: vorwärts-rückwärts, hoch-runter und recht-links. Er sagt: „Die Schwingungen sind sichtbar, fühlbar und hörbar; in ihrer Vollkommenheit beruhen die Elastizität und die Kraft der Bewegungen. […] Man unterscheidet deshalb Rückengänger und Schenkelgänger. Die letzten verrichten die Bewegungen ohne Mitgebrauch der Wirbelsäule. („Die Bearbeitung des Reit-und Kutschpferdes zwischen den Pilaren“, Hannover, 1882).

Wenn wir mit der Pferdeausbildung beginnen, fangen wir zuerst mit der Herstellung des Gleichgewichts in Bewegungsrichtung an. Wir wollen das Pferd sozusagen seitlich stabilisieren. Diesen Prozess nennen wir Geraderichten. Wir bedienen uns dabei den Hilfsmitteln „Stellung“ und „Biegung“, indem wir zuerst Einfluss nehmen auf den Schädel und das Genick, um einen Zugang zu bekommen zur Wirbelsäule des Pferdes. Sehen wir im Verlauf der Wirbelsäule die selbe Tätigkeit wie in der Stellung von Kopf und Genick, so sprechen wir von einer Biegung, bei der sich das Pferd zwar nicht in den Rippen biegt, aber in der Wirbelsäule eine Rotationsbewegung ausführt, die auf der einen Seite zu einer Verlängerung der Linie, auf der anderen Seite zum Verkürzen der Linie führt.

Unser erstes Ziel muss so sein, die Beine des Pferdes seitlich aneinander anzunähern und das sowohl auf der rechten, als auch der linken Hand. Was sich so einfach und logisch anhört, ist eine große Herausforderung, denn ähnlich wie bei uns Menschen, haben auch Pferde eine angeborene Händigkeit. Wenn wir jetzt von ihnen verlangen, gleiche Bewegungsabläufe auf beiden Händen auszuführen, dann ist das so, als wenn man Grundschüler ganz selbstverständlich mal mit der rechten, mal der linken Hand schreiben lassen würde. Was dem Kind schon auf einer Hand schwer genug fällt und viel Übung erfordert, erwarten wir von unseren Pferden ganz selbstverständlich auf beiden Seiten und zwar von Anfang an.

Wir sollten also dem Pferd zuerst vom Boden aus erklären, wie es nun in einer Vorwärts- Seitwärts -Bewegung seine Balance finden kann, wie der Schwung der Wirbelsäule sein soll.

Hierzu dienen uns die Seitengänge Schulterherein (versale Arbeit), Kruppeherein(traversale Arbeit) und Kruppeheraus (renversale Arbeit).

Diese Lektionen helfen dem Pferd, eine gesunde dreidimensionale Tätigkeit der Wirbelsäule zu erhalten oder wiederherzustellen.

Richtig ausgeführt, werden keine Seitwärts- oder Drehbewegungen in den Gelenken der Beine produziert, weil die Gelenke über ihnen, in der Wirbelsäule des Pferdes, diese Arbeit ausführen. Die Seitengänge dienen dazu, dem Pferde das „Gerade“ zu erleichtern, weil es sich seitwärts balancieren gelernt hat.

Diese Arbeit wurde über Jahrhunderte zuerst mit dem stehenden Pferd in den Pilaren oder an einem Pilaren geübt, bevor man sich traute, die kinetische Energie, die Bewegungsenergie hinzuzufügen. Leider werden heute allzu oft die Seitengänge sofort unter dem Reiter ausprobiert, welcher der mangelnden Balance des Pferdes auch noch sein eigenes Ungleichgewicht hinzufügt. Statt also dem Pferd zu helfen, im Gleichgewicht zu bleiben, wird durch ungeschickte Hilfengebung von Sitz, Schenkel und Hand eine Balance völlig unmöglich (siehe Artikel Zungenbein).

Auch heute kommen wir wieder dahin, die Seitengänge zuerst mit dem stehenden Pferd zu üben, einfach deshalb, weil die Arbeit dem Pferd so effektiv dabei hilft, seine Balance zu finden. Wir nehmen dabei Abstand von den fest installierten Pilaren und arbeiten das Pferd an der Hand. Wir lassen das Pferd im Stand den Brustkorb aus der Hinterhand in versaler und traversaler Richtung heben. Wir beeinflussen das Zungenbein des Pferdes einmal in die eine, dann in die andere Richtung. Wir beeinflussen darüber den damit verbundenen Hüftbeuger (m. Psoas), der die Hinterhand sozusagen „an den Körper heranholt“, der die Hüfte in ihren Bewegungsrichtungen einstellt, der bei der Biegung und somit beim Finden des Gleichgewichts in seitlicher Richtung des Pferdes eine elementare Rolle spielt.

Kommen wir zurück auf unseren Seiltänzer am Anfang, so sehen wir, dass die ersten Schritte ganz ruhig und im Gleichgewicht beginnen mögen, er zum Ende der Seils aber seinem Gleichgewicht immer mehr hinterher läuft- und dabei immer schneller wird. So ist es auch mit vielen Reitpferden, die Runde um Runde immer unbalancierter werden, dafür aber immer schneller unter dem Reiter laufen. Vor allem die Qualität des Galopps leidet enorm unter diesem Umstand.

Neben dem pädagogischen Verständnis für eine Hilfe, die das Pferd durch unsere detaillierte Arbeit gewinnt, wird auch die tiefe Muskulatur aufgebaut, das Pferd gewinnt an Tragkraft. Ähnlich wie bei Techniken wie Pilates, Yoga oder Tai-Chi gewinnt die Qualität unserer Arbeit mit der Langsamkeit, mit dem Ausharren. Dann lassen wir das Pferd antreten, zuerst im Schritt und nicht übereilt. Lieber einige wenige Schritte langsam und richtig, als viele Schritte schnell und falsch. Diese Langsamkeit darf vom Reiter jedoch nicht mit einem „untertourigen“ Arbeiten verwechselt werden, bei dem das Pferd in den Gelenken eher steif wird, als sie in Ruhe beugen und strecken zu können.

Wir trainieren die tiefliegenden Bänder und Muskeln, kräftigen und elastizieren die Faszien, wir machen die Gelenke des Pferdes in alle Richtungen geschmeidig, so dass es den Brustkorb in verschiedene Richtungen heben kann, die Beine nah zueinander bringt und sein Gleichgewicht in einer Vorwärts-Seitwärts-Bewegung findet.

Hier haben wir das erste wichtige Element zum Finden der Balance erarbeitet.

Über das Gleichgewicht in anderen für die Pferdeausbildung wichtigen Richtungen, auch Versammlung genannt, wollen wir im zweiten Teil unserer Beobachtungen zum Thema Balance sprechen.

Fortsetzung folgt.

Renvers (im langen Rahmen) Autorin Stefanie Niggemeier mit ihrem 9-jährigen Morgan Horse Wallach Glenmorgan Final Hylight, genannt “Finn”.

Renvers (im langen Rahmen)
Autorin Stefanie Niggemeier mit ihrem 9-jährigen Morgan Horse Wallach Glenmorgan Final Hylight, genannt “Finn”.

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